Was ist Rheumatoide Arthritis (im Unterschied zu Rheuma) und wie häufig kommt sie vor?

Rheumatologen unterscheiden zwischen degenerativen Abnützungserscheinungen und entzündlichen Erkrankungen und sprechen dann oft von entzündlichem Rheuma, also Systemerkrankungen (Autoimmunerkrankungen), bei denen wir mittlerweile viele therapeutische Erfolge erzielen können. Die Rheumatoide Arthritis ist die Systemarthritis mit der höchsten Prävalenz. Mehr als ein Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, hierbei mehr Frauen als Männer meist im Alter zwischen 25 und 50 Jahren.

Wie macht sich diese Erkrankung bemerkbar?

Betroffene haben Schmerzen in den Gelenken, die morgens zusätzlich noch steif und geschwollen sind, sodass sie zum Beispiel keine Faust mehr machen können. Diese Zeichen von Entzündung kann man im Blut messen. Der Systemcharakter zeichnet sich auch durch eine Müdigkeit und Abgeschlagenheit aus, die Patienten mitunter als belastendstes Symptom angeben. Diese Arthritis kann letztlich durch die chronische Entzündung die Gelenke zerstören, aber auch außerhalb des musculoskeletalen Systems Organe beeinträchtigen: Leber, Niere und das kardiovaskuläre System können in Mitleidenschaft gezogen werden. Deshalb ist Früherkennung so wichtig.

Was zeichnet eine Früherkennung aus?

Jeder Einzelne aus der Bevölkerung muss wissen, dass schmerzhaft geschwollene Gelenke ein Symptom ist, das unbedingt eine Abklärung durch einen Arzt erfordert. Während der Gelenkschmerz viele Ursachen haben kann, sind Gelenkschwellungen schon spezifischere Anzeichen, die einen Erguss im Gelenk oder Entzündungen der Gelenkinnenhaut widerspiegeln. Große Bedeutung und Verantwortung obliegt da dem praktischen Allgemein- oder Hausarzt, der mithilfe von Überweisungsrichtlinien dann zum entsprechenden Facharzt verweist. Und da gilt die Verdachtsdiagnose Rheumatoide Arthritis solange, bis das Gegenteil bewiesen ist, weil sie die gefährlichste Form der Arthritis ist, bei der ein irreversibler Gelenkschaden entstehen kann.

Wie wird Rheumatoide Arthritis diagnostiziert ?

Zu den genannten ersten Anzeichen kommen erhöhte Entzündungswerte im Blut. Weiter sind einerseits der Rheumafaktor, ein Autoantikörper auf körpereigene Immunglobuline, und andererseits die sogenannten Anti-CCP-Antikörper im Blut diagnostisch bedeutsam, und zeigen gleichzeitig eine schlechtere Prognose und schnelleres Fortschreiten der Erkrankung an. Alles zusammen kann das die Verdachtsdiagnose Rheumatoide Arthritis erhärten.

Welche Therapieformen schließen sich an die Diagnose an, was erwartet Betroffene?

Die oft sehr belastende Diagnose muss mit all ihren Begleitumständen und Folgen geschildert werden, damit die Patienten nicht nur aufgeklärt und informiert sind, sondern sich vor allem auch auf eine chronische Erkrankung mit permanenter Behandlungsnotwendigkeit einrichten und die notwendige Therapietreue entwickeln können. Es gibt Medikamente, die die Rheumatoide Arthritis ohne jegliches Stigma am Patienten passieren lassen können, aber es braucht unbedingt die Einnahme bestimmter Medikamente: zu Beginn kurzzeitig ein niedrigdosiertes Cortison, um die Entzündung akut zu behandeln, dazu die sogenannte Basistherapie, das Methotrexat, das über eine lange Dauer eingenommen wirken soll, einen Magenschutz, Kalzium, damit der Knochen vom Cortison nicht beeinträchtigt wird. Wird das Methotrexat nicht gut vertragen, gibt zudem es alternative, kostenintensivere Therapien (Biologika) mit sehr guter Wirkung.

Welche Ursachen hat diese Krankheit und wie ist ihr Verlauf?

Auslöser kann man für diese Entzündungen leider nicht benennen. Meist sind genetische Prädispositionen an bestimmte Auslöser gekoppelt, die das Immunsystem stimulieren, gegen körpereigene Stoffe zu agieren. So kommt ein Prozess in Gang, der sich selbst aufrechterhält. Rauchen beispielsweise steht zwar unter dem Verdacht, an der Entstehung der Rheumatoiden Arthritis beteiligt zu sein; zumindest ist nachgewiesen, dass Rauchen CCP-Antikörper im Blut induzieren kann. Andere Zusammenhänge mit der Ernährung werden jedoch immer gesucht, sind aber nicht eindeutig bewiesen.

Rheumatoide Arthritis tritt meist in Schüben auf, weshalb nach der ersten Remission schnell der Eindruck entstehen kann, die Krankheit sei überwunden. Wichtig ist aber, die Therapie sehr lang fortzusetzen, nachdem möglichst der erste Schub gut behandelt wurde, weil sich mit diesem die Krankheit im Körper manifestiert.

Welche Verantwortung kann man denn als Patient im Umgang mit Rheumatoider Arthritis übernehmen?

Man kann seine Gelenke schonen, sie aber nicht ruhigstellen. Geeignete sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren, Laufen sind sogar sehr zu empfehlen, um die Gelenke und den gesamten Organismus und Kreislauf zu trainieren. Es geht darum, Stress für die Gelenke zu vermeiden, sie aber trotzdem fit und beweglich zu halten. Ergotherapeuten helfen dabei.

Assoziationen der Ernährung zur Erkrankung gibt es nicht evident, Diäten sind also nicht zwingend. Das Wichtigste ist eine beständige Therapie und Therapietreue, die konsensuell mit dem betreuenden Arzt zu geteilten Entscheidungen führt.