Der schöne Schein bleibt nicht folgenlos. Es gilt aber auch als gesichert, dass eine positive Selbstwahrnehmung und -akzeptanz die unverzichtbare Grundlage für Beziehungsfähigkeit ist. Nur wer sich mit allen Stärken, aber auch Schwächen positiv annimmt, kann sich anderen Menschen gegenüber öffnen und deren Zuneigung und Wertschätzung wahrnehmen.

Dieser Prozess wird angesichts der vermittelten Perfektionsstandards jedoch immer schwieriger. Heute wird gerade Mädchen schon ab dem Kindergartenalter der Look zum Wettbewerb und zum Leistungsdruck und rückt viele positive Eigenschaften wie Empathie, Herzlichkeit, Offenheit, Hilfsbereitschaft, Klugheit, Selbstbehauptung, usw. in den Hintergrund.  

Social Media & Co.

Waren vorher private Räume (Familie, FreundInnen, Schule, KollegInnen, usw.) auch Schutzräume für die Persönlichkeitsentwicklung und das Festigen eines positiven Selbstwertgefühls, so sind wir nun schutzlos dem medialen Bombardment über diverse Social-Media-Plattformen ausgesetzt.

Im Streben nach Anerkennung (Selfies, Likes) lauert jedoch die Gefahr zum Opfer von Cyber-Mobbing zu werden. Anderseits ist das Internet auch Spiegel von Body Diversity und erlaubt einen differenzierteren Begriff von Schönheit – dies gilt es gezielt zu unterstützen und auszubauen.

Be you!

„Schönheit kommt von innen“ ist zwar eine abgenutzte Weisheit, entspricht aber den psychologisch-wissenschaftlich bestätigten Grundsätzen. Das Spiegelbild unterliegt ausschließlich einer subjektiven Beurteilung. Wir nehmen uns und andere durch eine emotional gefärbte Brille wahr.

Das Geheimnis, sich und sein Aussehen zu mögen, liegt darin, sich selbst liebevoll zu betrachten und auch ein bestärkendes Umfeld zu schaffen. Dies ist ein lebenslanger Prozess, der immer wieder auf das Neue weiterentwickelt werden muss. Dazu bedarf es nicht nur individueller Anstrengungen und Energie, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung – Werte wie Toleranz, Solidarität, Hilfsbereitschaft und Fürsorge und Akzeptanz für das Spektrum der Unterschiedlichkeiten des Aussehens als Bereicherung.

Nicht alle haben jedoch das Glück, von Anfang an eine wertschätzende, liebevolle Eltern-Kind-Beziehung und soziale Umgebung erfahren zu haben. So kann zum Beispiel das Erleben einer von Gewalt geprägten Kindheit und Jugend schwere seelische Krisen bis zum Selbsthass mit sich bringen. In diesen Fällen hilft, sich helfen zu lassen durch PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, etc.

Keine Patentrezepte für ein positives Selbstbild, aber . . . .

Selbstliebe braucht einen positiven Nährboden wie eine akzeptierende Eltern-Kind-Beziehung von Anfang an, Vermittlung von wertschätzendem Umgang miteinander in Kindergarten und Schule und in der sozialen Umgebung. Statt einer künstlichen Bilderwelt von schönen, jungen, gestylten Körpern als Norm, die es uns allen, wie und wer immer wir sind, schwerer machen, uns in unserem Körper gut zu fühlen, wäre es erstrebenswert, Körper-Diversity, jung-alt, dick-dünn, groß-klein, usw. in all ihren Facetten positiv zu vermitteln.