Dr. Jutta Knötig
Zahnärztin in Wien

Familien, Freunde oder Kollegen sprechen die Betroffenen in den seltensten Fällen an, schließlich ist Mundgeruch eines der letzten großen Tabuthemen und „zudem auch eines der subjektiven Wahrnehmung“, wie die Wiener Zahnärztin DDr. Jutta Knötig zu berichten weiß.

Dabei sollte man offensiv auf die Betroffenen zugehen, denn Mundgeruch könne auch eine Folge schwerer Erkrankungen sein. Ungefähr jeder sechste Österreicher leidet unter schlechtem Atem. Die Halitosis, so der medizinische Name, entsteht meistens direkt im Mundraum und wird beispielsweise durch Karies, Paradontose oder durch Zahnfleischentzündungen hervorgerufen.

 

Schwefelverbindungen machen Atem schlecht

„Die Mundflora“, so die Wiener Zahnärztin, „setzt sich aus unzähligen Mikroben zusammen, die sich von Essensresten, abgestorbenen Zellen und Blut ernähren. Sie lagern sich an den Zähnen, in Zahnzwischenräumen, in Zahnfleischtaschen oder an kaputten Zahnfüllungen an. Auch der Zungenrücken ist von ihnen besetzt. Doch die Mikroben ernähren sich nicht nur, sie scheiden auch Schwefelverbindungen aus, die sich dann als unangenehmer Geruch bemerkbar machen. Zudem können Schleimhäute oder das Zahnfleisch entzündet sein, ein Zahn kann vor sich hin faulen oder Zahnprothesen, die nicht ausreichend gepflegt werden, können unangenehm riechen. Im schlimmsten Fall haben sich schon Abszesse gebildet.


Kaugummis und Zahnhygiene

Kaugummis, Pfefferminzbonbons oder Pastillen, Ingwer, Petersilie oder Atemsprays können kurzfristig die Mundausdünstungen überdecken, die Ursachen werden damit nicht behoben. Zahnhygiene, sowohl professionell als auch zu Hause,  ist die erste und wichtigste Maßnahme, um sich gegen schlechten Atem zu wehren. Denn mit gepflegten Zähnen ist Mundgeruch eher unwahrscheinlich. „Mindestens zweimal täglich ausreichend lange die Zähne putzen, sollte obligatorisch sein“, rät DDr. Jutta Knötig. „Dabei ist es wichtig, mit der Mundhygienikerin eine individuelle Putztechnik festzulegen und zu erlernen. Auch der Einsatz von Zahnseide zum Säubern der Zahnzwischenräume wird besprochen.“ Ein- bis zweimal pro Jahr sollte eine professionelle Zahnreinigung in einer Praxis als Vorbeugungsmaßnahme erfolgen“, führt die Zahnmedizinerin weiter aus.


Messinstrumente

Vom Einsatz eines sogenannten Halimeters, einem Messinstrument, das die Schwefelgasverbindungen in der Atemluft misst, hält die Zahnspezialistin für wenig aufschlussreich. Auch wenn das Gerät in wenigen Sekunden messe, ob der Patient Mundgeruch habe, so sei es nicht in der Lage, die einzelnen Schwefelverbindungen zu unterscheiden. Nicht immer ist lediglich ein schlecht gepflegter Mundinnenraum Grund für das schlechte Riechen.
Neben Stress sind es auch schwere Erkrankungen, die sich über den Mundgeruch bemerkbar machen. Neben chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen können verminderter Speichelfluss, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Probleme im Verdauungssystem für Mundgeruch verantwortlich sein. Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers, die meist ernährungsbedingt auftritt, festgestellt. So zum Beispiel beim Diabetes, bei dem die Atemluft obstartig riechen kann. Aber auch Gastritis, Lungen-, Leber- oder Magenleiden machen sich über den Mundgeruch bemerkbar.