Was können Ursachen für Harninkontinenz sein?

Es gibt viele Faktoren, die zu einer Inkontinenz führen können. Es kann sein, dass es im neurologischen Bereich Probleme gibt oder dass eine massive Muskelschwäche besteht. Meistens ist der Beckenboden, der die Schließmuskulatur für Blase und Darm enthält, ein Faktor – entweder als Hauptursache oder als eine der Ursachen.

Welche Arten von Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Für HarninkontinenzpatientInnen gibt es die konservative und die operative Schiene. Die Art der Therapie ist von der Gesamtsituation her zu ermitteln. Üblicherweise – und das ist auch international State of the Art – wird zunächst mit Physiotherapie begonnen, die im Gegensatz zu medikamentöser Behandlung nebenwirkungsfrei ist. Grundsätzlich ist eine Operation vor allem dann empfehlenswert, wenn PatientInnen eine sehr ausgeprägte Symptomatik haben oder eine vorangegangene konservative Therapie nicht funktioniert hat.

Wie ist die konservative Therapie aufgebaut?

Die konservative Behandlung hängt davon ab, ob mehr die Schwäche oder die Drangsymptomatik im Vordergrund steht und umfasst in jedem Fall die Therapie des Beckenbodens. Diese zielt darauf ab, dass der Schließmuskel seine Funktion möglichst gut ausübt und damit die Schwäche reduziert. Dies hat außerdem eine lindernde Wirkung auf eine vorhandene Drangsymptomatik. Der Hauptpart der konservativen Therapie ist, dass man die Beckenbodenfunktion als Gegenspieler der Inkontinenz so gut wie möglich optimiert.

Für wen ist Beckenbodentraining geeignet?

Für Jung und Alt. Auf jeden Fall für all jene, die in diesem Bereich ein Problem haben und mit Inkontinenz kämpfen. Schwieriger ist es mit PatientInnen, die wenig Ansteuerungsmöglichkeiten haben oder dement sind. Das Beckenbodentraining setzt voraus, dass man in der Lage und willens ist, das auch zu tun. Manche Frauen, die eine Dyskoordination haben, brauchen nur eine kurze Instruktion, können das Training in ein paar Wochen bereits gut umsetzen und auch in den Alltag einbauen. Wenn der Muskel aber selber schwach ist und man erst wieder lernen muss, ihn gut anzusteuern, dann wird mit sechs bis acht Monaten Therapie zu rechnen sein.

Wie kann eine Enttabuisierung funktionieren?

Tabuisierung findet in der Gesellschaft statt. Wichtig ist, dass sich Betroffene ermutigen lassen, das Thema offen anzusprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wichtig ist, die Enttabuisierung voranzutreiben und disziplinübergreifend Hilfe anzubieten. Außerdem muss man Inkontinenz nicht einfach als Alterserscheinung hinnehmen. Man kann nicht alle heilen, aber jedenfalls Linderung bringen. Mir persönlich wäre es ein Anliegen, wenn man es schaffen könnte, PatientInnen früh genug zu erreichen, bevor eine ganz schlimme Problematik auftritt. Denn dann wären die Chancen für sehr gute Behandlungsergebnisse hoch.