Graue Haare gibt es eigentlich nicht. Auch wenn sie uns manches Mal noch so ärgern und ihnen zumindest ein Sprichwort die Verbindung zu Stress und körperlichem Unwohlsein nachsagt, sind Haare, die ihre natürlichen Pigmente verlieren, eigentlich weiß. Der graue Eindruck entsteht aus der Mischung von pigmentierten und pigmentlosen Haaren. Die Ergrauung setzt bei jedem Menschen individuell ein: Manche müssen schon im Teenageralter die ersten grauen Haare entdecken, andere haben noch mit 40 Jahren kaum ein weißes Haar. Die Ergrauung, die häufig mit Alter und Gebrechlichkeit assoziiert wird, macht oft auch vor vielen jungen Menschen nicht halt. Ein Trost: Meistens geht das Ergrauen, medizinisch auch Canities genannt, schleichend und nicht auf einen Schlag. Das Grau beginnt mit einzelnen Strähnen – oft an den Schläfen – und weitet sich dann auf die gesamte Kopfbehaarung, Bart und Augenbrauen aus. Ein noch besserer Trost: Färben von Strähnchen bis Tönung kann Abhilfe schaffen.


Farbbaustein Melanin

Grund für das Ergrauen ist die mit dem zunehmenden Alter geringere Produktion von Tyronase im Körper. Das Enzym ist verantwortlich für die Bildung der Aminosäure Tyrosin und damit in weiterer Folge von Melanin, das unser Haar färbt. Nimmt die Produktion ab, wird das fehlende Melanin im Haar durch Luftbläschen ersetzt – sie erscheinen weiß. Neben dem natürlichen Alterungsprozess kann es auch andere körperliche Ursachen für das frühzeitige Ergrauen (Canities praecox) geben: Dazu zählen etwa eine Vitamin-B-Mangelanämie, endokrinologische Störungen wie sie bei Schilddrüsen-erkrankungen auftreten, akute fieberhafte Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten und Kosmetika. Für die häufig verbreitete These, dass ein plötzlicher Schock oder tiefe Trauer das Haar vorzeitig ergrauen lassen können, hat die Wissenschaft dagegen noch keine Beweise gefunden.


Zurück zur Farbe

Graue Haare müssen aber nicht von Dauer sein. Besonders blonde Menschen profitieren von ihren ohnehin hellen Haaren. Hier helfen zur ersten Graubekämpfung oft bereits Strähnchen oder sanfte Tönungen. Wird der Grauanteil größer, empfehlen Experten Multitonsträhnchen in verschiedenen Aschtönen – das vermeidet einen Gelbstich und auffällige Ansätze. Ist etwa die Hälfte der Haare bereits ergraut, kann eine auswaschbare Intensivtönung helfen. Aber Vorsicht: Die weißen Haare nehmen die Farbe meist stärker an als die noch pigmentierten. Zuerst sollte man also lieber zu einer etwas helleren Tönung greifen. Vor allem bei mittelblonden und braunen Haaren kann auch der Griff zu Repigmentierungsmitteln Wunder wirken. Sie arbeiten nicht mit künstlichen Pigmenten, sondern mit Farbvorstufen, die sich in die Pigmentlücken des Haares einfügen. So wird der Naturton wieder hergestellt. Bei Hellblonden, Schwarz- und Rothaarigen erzielen diese Präparate allerdings kaum gute Ergebnisse.

Sind die Haare vollständig weiß, hilft nur noch eine Komplettfärbung. Diese sollte am besten in einem helleren Ton als die Naturhaarfarbe gewählt werden – der Kontrast zum Nachwuchs ist so geringer.