Was ist Demenz?

Es handelt sich dabei um eine Krankheit, bei der Betroffene in einer anderen Erlebniswelt leben. Sie orientieren sich nicht am Hier und Jetzt, sondern durchleben meist Ereignisse aus ihrer Vergangenheit. Menschen mit Demenz befinden sich somit praktisch in einer anderen Realität als ihre Umwelt. Man hört in Zusammenhang mit Demenz oft die Ausdrücke verwirrt oder desorientiert. Solche Begriffe sind jedoch stigmatisierend und sehr negativ behaftet, verletzen betroffene Personen.

Welche Symptome treten dabei auf?

Ein frühes Anzeichen ist jede Form der Vergesslichkeit, Gedächtnis, räumlich-zeitliche Orientierung, richtiges Benennen von Objekten oder Veränderungen im Gefühlsbereich, etwa Depression, vermehrte Angst und / oder Unruhe. Betroffene spüren das zwar oft, wollen die Krankheit aber nicht wahrhaben. Deshalb muss das Umfeld darauf achten, ob jemand öfters etwas verliert, verlegt oder sich im Wesen verändert, denn am Anfang kaschieren Betroffene diese Symptome sehr gut.

Öffentlichkeitsarbeit und Information sind sehr wichtig, damit jeder feinfühliger wird und frühzeitig erkennen kann, ob jemand in seinem Umfeld möglicherweise an Demenz leidet. Betroffene sind selten selbst dazu bereit, den nötigen Schritt zu gehen und sich untersuchen zu lassen.

Wenn der Verdacht einer Demenzerkrankung auftaucht, wen sollte man aufsuchen?

Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, dieser überweist im Normalfall an einen Neurologen. Der ist auf dem neuesten Stand, was die Therapiemöglichkeiten wie Gedächtnistraining und Bewegungstherapie betrifft. Hier ist es wichtig, von einer Stigmatisierung wegzukommen. Wenn es nämlich heißt, dass jemand zum Psychiater oder zum Neurologen muss, ist die erste Reaktion oft abwehrend und verständnislos. Doch es ist kein Stigma, sich in Behandlung zu begeben, sondern im Gegenteil: es ist ein Zeichen von Verantwortung.

Wie gehe ich mit jemanden um, der an Demenz leidet?

Man sollte in jedem Fall mit dem Betroffenen sehr wertschätzend umgehen und versuchen herauszufinden, in welcher Realität sich der Betroffene befindet. Es ist wichtig, Zugeständnisse zu machen und der Person die Kompetenz zuzutrauen, selbst Lösungen zu finden.

„Die Wertschätzung ist zentral, denn wenn sich der Betroffene nicht geachtet und berücksichtigt fühlt, kann er ungehalten oder aggressiv werden.“

Auf keinen Fall sollte man den Betroffenen als Lügner oder als desorientiert darstellen, denn mit so einer Situation kann man nur sehr schwer umgehen. Wichtig ist auch, die Betroffenen nicht mit Aufgaben zu konfrontieren, die sie überfordern.

Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es?

Für viele Betroffene, besonders im Anfangsstadium der Krankheit, ist es am besten, zu Hause betreut zu werden. Solange kein herausforderndes Verhalten auftritt, geht das meistens gut. Hier ist die Familie gefragt. Jedoch muss man bedenken, dass man eine große Verantwortung übernimmt und gefährliche zu meisternde Situationen entstehen können. Bei der Betreuung zu Hause müssen Angehörige unbedingt darauf achten, sich selbst nicht zu überlasten – denn das hilft im Endeffekt niemandem.

Eine weitere Möglichkeit ist, Menschen mit Demenz in ein Pflegeheim zu integrieren. Betroffene leben gemeinsam mit Nichtbetroffenen, was oft positive Effekte für Personen mit leichter Demenz hat. Demenzkranke, die herausforderndes Verhalten zeigen, sind am besten in eigenen Wohngruppen untergebracht, die speziell auf sie ausgerichtet sind.

Wo liegen die Vorteile bei Wohngruppen?

Demenzkranke gehen wesentlich toleranter miteinander um, das Konfliktpotenzial ist geringer. Eine entsprechende Wohngruppe ist ein geschützterer Lebensraum für Betroffene. Es sind kleine Einheiten mit zehn bis zwölf Personen, ein übersichtliches Umfeld mit geregelten Abläufen. Die Wohngruppen können verlassen werden, es gibt geschützte Wanderstrecken, eigene Gartenbereiche. Den Betroffenen wird größtmögliche Sicherheit bei größtmöglicher Selbstständigkeit und Freiheit geboten.