Eine Demenz wie Alzheimer lässt sich nicht heilen, doch neue klinische Studien geben Hoffnung auf Frühprävention. „Auch man selbst ist der Demenz nicht hilflos ausgeliefert. Mit der richtigen Ernährung, Training und Bewegung hält man die frühe Demenz in Schach“, sagt Doz. Dr. Michael Rainer von der Memory Clinic am Donauspital und dem Karl Landsteiner Institut für Gedächtnis- und Alzheimer Forschung.

Was ist Demenz und welche Formen kann sie annehmen?

Demenz heisst „weg vom Geist“ und bedeutet, dass die geistigen oder kognitiven Funktionen, die Hirnleistungsfunktionen, massiv reduziert sind. Dabei ist die Demenz der Überbegriff. Alzheimer macht dabei 60 bis 70 Prozent aller Demenzformen aus, mit 10 bis 15 Prozent ist die Vaskuläre Demenz die zweithäufigste. Mit der Lewy-Body-Demenz (zehn bis 15 Prozent) gehen Symptome wie Hirnleistungsschwankungen, optische Halluzinationen, Parkinson und REM-Schlafstörungen ein. Die Frontotemporale Demenz (fünf bis zehn Prozent) beginnt sehr früh um das 50. Lebensjahr und zeichnet sich durch Enthemmungsphänomene aus.

Wie kann man eine Demenz wie etwa Alzheimer behandeln?

Es gibt verschiedene Medikamente, die für die Behandlung der Alzheimerdemenz zugelassen sind. Diese bewirken eine symptomatische Verbesserung, die Patienten haben etwa ein Jahr lang eine bessere Hirnleistungsfähigkeit, danach können sie den Verlauf etwas abmildern. Von einer Heilung sind wir leider aber weit entfernt. Diese Medikamente sind aber auch nur wirksam, wenn sie eingebettet sind in psychosoziale Massnahmen wie Hirnleistungs- und Orientierungstraining, soziales Training in der Gruppe und den Einbezug der Angehörigen als Co-Therapeuten. Das ist unser Dreisäulenkonzept mit dem Namen AMT: Angehörige, medikamentöse Therapie und Training.

Wie ist der Stand der Forschung?

Derzeit wird in klinischen Studien untersucht, ob eine medikamentöse Alzheimer-Prävention möglich ist.  Die Hoffnung ist, dass man die Krankheit kausaler behandeln könnte, also an den Wurzeln. Eine „Impfung“ soll das Protein Amyloid-beta unschädlich machen, das einer weit verbreiteten Hypothese zufolge eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielt. Ein Erfolg dieser Studie ist äusserst wichtig, da nur dadurch eine Impfung von Gesunden zur Prävention einmal möglich sein wird. Es werden darüberhinaus Impfstoffe gegen pathologisches Tau-Protein und zahlreiche neue Medikamente getestet.

Welche präventiven Massnahmen kann man selbst treffen, um geistig länger fit zu bleiben?

Die fünf L! Lachen, Lernen, Lieben, Laufen, Leben. Es ist sehr wichtig, dass man in der Prävention diese fünf L beherzigt und sozial aktiv bleibt. Man weiss auch, dass das Essen eine wichtige Rolle spielt. Die mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Fisch, wenig weißem Fleisch führt zu einer geringeren Prävalenzrate der Demenz. Auch die Vitamine E, C und B wirken prophylaktisch, genauso wie ungesättigte Fettsäuren, Selen, Zink, und auch Ginkgo hat sich durchaus verdient gemacht als Radikalfänger. Und Gedächtnistraining kann ich empfehlen – am besten mit einer kognitiven Trainerin.