Psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Angsterkrankungen, Schlafstörungen sowie Suchtverhalten gehören zu den häufigsten Erkrankungen in der Medizin und die daraus resultierenden Behinderungen werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als substanziell eingeschätzt.

Für die Vorbeugung und Behandlung dieser Erkrankungen stehen heute zunehmend Daten der evidenzbasierten Medizin (evidence based medicine – EBM) zur Verfügung, die im Zusammenhang mit den Erfahrungen, die in der täglichen klinischen Praxis gewonnen werden, bei der PatientInnenbehandlung umgesetzt werden können.

Mind meets brain

Um die Seele eines psychisch kranken Menschen zu verstehen, ist es wichtig, dass man sich ein Leitbild vor Augen hält, das im Englischen so griffig ausgedrückt werden kann durch „mind meets brain“, übersetzt „die Seele trifft sich im Gehirn“. Dies bedeutet, dass seelische Vorgänge, die man dem „nicht stoffgebundenen“ Bereich zuordnet unter einem neurobiologischen Aspekt durch Vorgänge im Gehirn charakterisiert sind.

Auch wenn sich die neue psychiatrische Forschung vorwiegend durch Ergebnisse der „Neuroscience“ darstellt, sollte nicht auf die Kenntnisse der Psychiatrie und Psychotherapie, die sich insbesondere in Wien in den vergangenen hundert Jahren weltweit führend aufgebaut hat, vergessen werden. Andererseits dürfen wir jedoch nicht bei den Erkenntnissen der Psychiatrie und Psychotherapie unter Missachtung der Ergebnisse der Neurowissenschaften Halt machen.

Widrige Umstände

Neben den kardiovaskulären Erkrankungen zählen Depressionen zu den häufigsten Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass aufgrund von epidemiologischen Studien die Depression in Zukunft die am häufigsten gestellte Diagnose  sein wird. Depressive Erkrankungen stellen daher ein großes Gesundheitsproblem der Gesellschaft dar und epidemiologische Untersuchungen haben ergeben, dass die Zahl der depressiv Erkrankten in Zukunft zunehmen wird.

Die Veränderung der Lebensumstände und dabei der Zerfall der Nuklearfamilien und die zunehmende „Informationsvergiftung“, d.h. zunehmende, auf uns einströmende Anforderungen, die schneller, effizienter und auch „entmenschlichter“ zu gestalten sind, werden dafür verantwortlich gemacht.

Erfreulicherweise wurden in den vergangenen 20 Jahren große Fortschritte sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie und dem Verständnis psychiatrischer Erkrankungen verzeichnet. Moderne Psychopharmaka, die eine effektive Therapie nebenwirkungsarm ermöglichen, gewährleisten zusammen mit spezifischen Psychotherapieformen einen praxisnahen Umgang.

Häufig werden psychiatrische Erkrankungen negiert unter dem Motto „was nicht sein darf, ist nicht“. Es wäre daher wünschenswert, wenn die psychiatrischen Erkrankungen ähnlich wie z.B. kardiovaskuläre Erkrankungen einem medizinischen Zugang eröffnet werden können.