Welche Fortschritte hat es in den letzten Jahren in der Behandlung von HIV-PatientInnen gegeben?

Es hat sehr große Fortschritte gegeben. Vor allem, wenn man mit den Therapieoptionen vor fünfzehn Jahren vergleicht. Das hieß dreimal täglich Medikamenteneinnahme mit ziemlichen Restriktionen sowie mit dementsprechenden Nebenwirkungen wie etwa Übelkeit, Erbrechen, Muskelschmerzen oder Geschmacksveränderungen. Jetzt gibt es Therapieoptionen mit einer Tablette täglich und mit praktisch keinen subjektiven Nebenwirkungen. In den nächsten Jahren wird weiterhin an der Verträglichkeit gearbeitet, die Einnahmemodalitäten verbessert sowie eine einfachere Therapie mit noch weniger Nebenwirkungen entwickelt werden.

HIV / AIDS ist mittlerweile zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung geworden. Wie wichtig ist dabei das Lebensalter bei der Diagnose?

Das Lebensalter hat eine nicht unerhebliche Einwirkung auf die Lebenserwartung. Wenn Patienten mit fünfundzwanzig Jahren erstmals auf HIV positiv getestet werden, können sie die medikamentöse Therapie noch viele Jahrzehnte einnehmen – auch wenn wir nicht wissen, welche effektiven Nebenwirkungen noch entstehen können. Bei älteren Patienten kann aufgrund der Zeit die Nebenwirkung befristet sein. Allerdings kommen andere Probleme neben der HIV-Infektion zum Tragen. Etwa Bluthochdruck, Diabetes oder andere Erkrankungen, bei denen es mit HIV-Therapien doch teilweise Interaktionen gibt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aber sicherlich möglich, jedem Patienten eine ideale Therapie zu verordnen.

Wie kann man jungen PatientInnen Therapiemethoden näher bringen?

Auch das hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Vor dreißig Jahren war HIV für einen Patienten eine schwerwiegende Diagnose mit einer sehr überschaubaren Lebenserwartung. Junge PatientInnen, die heute zu uns kommen, können in den nächsten Jahrzehnten ein Leben mit gutem allgemeinem Wohlbefinden und ohne große Nebenwirkungen führen. Da hat sich das Bild in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch gewandelt. Aber natürlich muss man ihnen sagen, dass sie lebenslang Tabletten schlucken müssen – zum jetzigen Stand der Wissenschaften. Wir wissen ja nicht was in zwanzig Jahren möglich sein wird.

Wie sieht es bei älteren PatientInnen, etwa bei medikamentösen Umstellungen, aus?

Das ist eigentlich für ältere PatientInnen selbst nicht wirklich ein Problem. Allerdings muss man auf das Alter Bezug nehmen, das heißt prüfen, ob die antivirale Therapie mit den vorbestehenden Medikamenten Interaktionen ergeben. Damit wird die Behandlung älterer Patienten doch immer schwieriger und die Ärzte sind gefordert auch für diese Patienten eine für sie gut verträgliche und gut wirksame Therapie zu verordnen.

Was ist bei der HIV-Therapie besonders zu beachten?

Das Wichtigste ist, dass die Medikamente regelmäßig, immer zur selben Zeit und unter gleichen Bedingungen eingenommen werden. Den größten Fehler, den man dabei machen kann, ist, wenn man tageweise vergisst die Medikamente einzunehmen, oder sie zeitlich sehr unregelmäßig einnimmt. Die Folge davon kann eine verminderte Wirksamkeit der Therapie sein, es entstehen sogenannte Resistenzen. Sollte das des Öfteren passieren, kann es sein, dass der Patient in kurzer Zeit, sprich innerhalb weniger Jahre, eine Multiresistenz entwickelt und damit praktisch unbehandelbar wird.

Gibt es noch etwas, das Sie unseren LeserInnen ans Herz legen möchten?

Inzwischen gibt es wirklich sehr gut wirksame und verträgliche Therapien. Aber man sollte nicht vergessen, dass die HIV-Infektion nach wie vor eine unheilbare Erkrankung ist, vor der man sich aber schützen kann. Die einzige Schutzmöglichkeit – und seit vielen Jahrzehnten bewährt – ist dabei natürlich das Kondom. Und das schützt praktisch nicht nur hundertprozentig vor HIV, sondern auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Mit der Verwendung eines Kondoms kann man sich viele nachträgliche Komplikationen sehr einfach ersparen.