Jährlich erkranken in der westlichen Welt 30–35 von 100.000 Einwohnern an Krebserkrankungen des Dick- und Mastdarms. In Österreich entspricht das etwa 4500 Neuerkrankungen pro Jahr. Damit ist der Darmkrebs bei Männern der dritthäufigste (nach Prostata- und Lungenkrebs) und bei Frauen der zweithäufigste (nach Brustkrebs) bösartige Tumor.

Das Lebenszeitrisiko an Darmkrebs zu erkranken beträgt 7,5 Prozent bei Männern und 6 Prozent bei Frauen. Durchschnittlich reduziert eine Erkrankung an Darmkrebs die Lebenszeit um 13 Jahre. Das Risiko zu erkranken, ist vor dem 50. Lebensjahr gering und steigt ab 50 stark an.

In den letzten zehn Jahren ist die Erkrankungshäufigkeit erfreulicherweise um 20 Prozent gesunken, die Sterblichkeitsrate sogar um 30 Prozent. Diese Tendenz ist eindeutig auf die Einführung der Vorsorgecolonoskopie (Dickdarmspiegelung) zurückzuführen, was sowohl in internationalen Studien, aber auch in Österreich eindrucksvoll nachgewiesen werden konnte.

Darmspiegelung ist die effektivste Vorsorgeuntersuchung für Darmkrebs

Voraussetzung für eine sinnvolle Vorsorgeuntersuchung sind: häufiger, gefährlicher Tumor, langsame Entstehung aus ungefährlichen Vorstufen, gute Therapierbarkeit der Vorstufen und der frühen Tumorstadien. All dies ist beim Darmkrebs gegeben. Ungefähr 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entstehen sporadisch aus kleinen Schleimhautpolypen, sogenannten Adenomen. Die Zeit bis zur Entwicklung eines bösartigen Tumors beträgt etwa zehn Jahre.

Zweite wesentliche Voraussetzung ist eine qualitätsvolle Durchführung der Darmspiegelung. Dies wird in Österreich unter anderem durch das Qualitätszertifikat „Vorsorgecolonoskopie“ sichergestellt. Die teilnehmenden Ordinationen, Kliniken und Ambulatorien werden laufend hinsichtlich Adenomentdeckungsrate, Vorbereitungsqualität, Sedierung, Polypabtragungsrate und Komplikationsrate überprüft mit dem Ziel, die Qualität der Untersuchung und die Sicherheit für die untersuchten Personen zu verbessern.

Kann ich persönlich mein Darmkrebsrisiko senken?

Die Häufigkeit der Darmkrebsentstehung ist nachweislich mit Ernährungsfaktoren assoziiert. Ballaststoffarme Ernährung und häufiger Genuss von rotem Fleisch (Cholesterin!) gelten als risikosteigernd, hingegen werden viel Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Ernährung als risikosenkend empfohlen. Übergewicht gilt als wichtiger Risikofaktor, ebenso wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum.

Besondere Risikogruppen

Neben dem sporadischen Auftreten von Darmkrebs gibt es seltener auch klar definierte Risikogruppen. Das sind einerseits PatientInnen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Diese werden in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf in engmaschigere Vorsorgeprogramme eingeschlossen.

Eine zweite wichtige Gruppe sind die PatientInnen mit einem erhöhten genetischen Risiko. Daran denken sollte man, wenn enge Verwandte in sehr jungen Jahren, also vor dem 45. Lebensjahr an Darmkrebs erkrankten.

Muss ich mich vor der Darmspiegelung fürchten?

Zu jeder modernen Colonoskopie gehört ein Gesamtpaket an Maßnahmen: Information, Aufklärung, Angebot an schmerzstillenden und beruhigenden Medikamenten, Videocolonoskopie sowie Dokumentation und Nachsorge. Die Rate an gefährlichen Komplikationen liegt trotz Polypenabtragung unter 1/1000 Untersuchungen, während man in 20–30 Prozent der Fälle bereits Polypen entdeckt, abtragen kann und somit Krebs verhindert. In den allermeisten Fällen kann die Untersuchung in Ordinationen durchgeführt werden. Nur Personen mit schlechtem Allgemeinzustand und schweren Begleiterkrankungen sollten in Kliniken untersucht werden.

Alle Personen ab 50 zur Vorsorgecolonoskopie

Die erstmalige Vorsorgeuntersuchung mittels Darmspiegelung sollten alle Personen beginnend ab dem 50. Lebensjahr in Angriff nehmen. Bei negativem Befund, also ohne Polypennachweis bei guter Vorbereitungsqualität, sollte die Darmspiegelung nach zehn Jahren wiederholt werden. Beim Vorliegen von Polypen wird ein Kontrollintervall abhängig von Anzahl, Größe und Histologie individuell festgelegt. Eine erstmalige Colonoskopie ist bei sonst gesunden Personen durchaus bis zum 75. oder 80. Lebensjahr sinnvoll.

Wenn erstgradige Verwandte an Darmkrebs erkrankt sind, sollte man bereits zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen zur ersten Darmspiegelung gehen.

Derzeit nehmen in Österreich erst 20–30 Prozent der geeigneten Personen am Darmkrebsvorsorgeprogramm teil. Damit es ein voller Erfolg mit Vermeidung von schwerwiegenden Folgen wie Operation, Chemo- oder Strahlentherapie wird, sollten sich noch mehr Menschen einen Ruck geben. Die hohe Qualität der österreichischen Vorsorgecolonoskopie bietet die besten Voraussetzungen für eine sichere, gut verträgliche und effektive Krebsvorsorge.