Ich war erleichtert. Dachte ich doch, dass man mit dem Erkennen des Problems auch die Lösung hätte. Seither sind zehn Jahre vergangen und ich habe viel gelernt. Unter anderem, dass die Lösung komplizierter ist. Der Crohn hat viele Gesichter, verläuft bei jedem anders. Was bei mir wirkt, hilft einem anderen gar nicht und kann beim nächsten mal schon wieder anders sein.

Frage der Bewertung

Nicht immer ist es der Crohn, der wehtut. Soziale, psychische, finanzielle und physische Nebenwirkungen schmerzen gleichfalls. Vieles davon ist gesellschaftlich bedingt. Doch die Zeiten, in denen der Crohn in Remission ist – wie man die schubfreie Phase nennt – haben eine besondere Wertigkeit. Das Wort "gesund" bekommt eben eine andere Bedeutung, wenn man mit einer unheilbaren Autoimmunerkrankung lebt.

Frage der Entwicklung

Was ich noch lernte, war, dass es ok ist, wenn ich "scheiße drauf" bin. Im Schub lässt sich das kaum vermeiden und dazwischen kann es ein Warnschuss sein, der mir die Überforderung aufzeigt, ehe diese beginnt weh zu tun. Darüber reden? Crohn ist nicht sexy und für den Small Talk ungeeignet, cool ist anders. Scheiße sagen ist ok, darüber reden ein No-Go.

Als Crohnie muss man das aber. Speziell, wenn man mit seinen Ärzten spricht. "Man kann damit 100 werden," hat eine Ärztin gesagt. Immer mehr Menschen werden mit CED diagnostiziert, damit sind Medikamentenentwicklung und Forschung rentabler geworden und die Medizin erzielt Fortschritte.

Frage des Umgangs

Woher der Crohn kommt, warum oder wann er ausbricht, das weiß man bis heute nicht. Aber wenn er da ist, dann weiß ich mittlerweile, dass es nicht hilft, wenn man ihm die Tür versperren will. Er findet immer einen Weg herein. Da habe ich ihn lieber im Blick und behalte so die Kontrolle. Der Rest ist Leben, in seiner ursprünglichsten Form: im Augenblick.