Alles soll perfekt sein: Karriere, Freundeskreis, Familie, Figur, Urlaub. Alles schön und vorzeigbar. Doch das Leben ist alles andere als perfekt und das ist okay so. Es ist nicht klar durchschaubar, woher der soziale Druck zum Perfektionismus kommt. Niemand spricht ihn aus, trotzdem ist er irgendwie da.

Das Ergebnis: Manche Menschen jagen einem Ideal hinterher, das nicht realistisch ist. Die Kombination aus Job und Privatleben kann zur Doppelbelastung werden – gerade dann, wenn einer der Bereiche anstrengend wird. Wenn einem alles über den Kopf wächst, dann ist es menschlich, dass man vor der Situation fliehen möchte.

Der leichte Griff zum Weinglas

Die Folgen übermäßigen Drucks und einer fehlenden Balance sind gefährlich und können im Extremfall ganze Leben zerstören. Die jahrelange Belastung in einem stressigen Job oder einer ungelösten privaten Situation kann Menschen in ein Burnout treiben oder Krankheiten wie Schlafstörungen, Tinnitus oder Depressionen auslösen. Die Liste der Krankheitsbilder ist lang.

Um den Schmerz zu lindern, ist der Griff zu Alltagsdrogen naheliegend. Schlaftabletten, Zigaretten und Alkohol sind überall verfügbar und gesellschaftlich weitestgehend akzeptiert. So gelingt es, ein paar Stunden Ruhe für den Kopf zu gewinnen. Problematisch ist, dass die Betäubung nur kurze Zeit anhält und die Probleme am nächsten Tag alle wieder da sind.

Vielleicht sind sie sogar größer geworden, denn verkatert kann die Welt noch trüber aussehen. Suchtverhalten entwickelt sich schleichend: Aus einem Glas Wein nach einem schwierigen Tag wird irgendwann ein routiniertes Glas Wein nach der Arbeit. Irgendwann reicht ein Glas nicht mehr und es wird eine halbe Flasche.

Lässt man zu, dass die Droge Teil des täglichen Lebens wird, hat man schnell ein Problem mehr als vorher. Das ursprüngliche Problem – die Depression oder die Schlafstörung – wird überlagert durch die Sucht. Schließlich wird der Berg der Probleme größer und man verliert die Kontrolle. Die Überforderung nimmt zu, obwohl sie eigentlich durch den Wein weniger werden sollte. Ein gefährlicher Trugschluss.

Einmal alles auf Null setzen

Es stellt sich die Frage, wie es langfristig gelingen kann, für Balance und Ruhe im Kopf zu sorgen – ohne Drogen. So individuell wie Menschen sind, so individuell können Lösungen aussehen. Eine Konfrontation mit der Liste der Probleme ist ein guter Startpunkt. Manchen Menschen gelingt es in Alleinregie mit Hilfe von Büchern und Gesprächen eine Verbesserung zu erreichen. Sport, Meditation und regelmäßige Hobbys können helfen, persönlichen Ausgleich zu schaffen.

Manche Menschen bevorzugen externe Hilfe. In jedem Fall sollte man keine Zeit verstreichen lassen. Wenn man sich selbst nicht in der Lage fühlt, sein Leben aufzuräumen, dann hilft der Weg zum Arzt. In einer depressiven Situation, in der das Leben eine Sackgasse zu sein scheint, können Therapeuten wichtige Wegbegleiter sein. Sie helfen, Fragen zu beantworten und dem Leben eine Struktur zu geben. Auch stationäre Aufenthalte in Kliniken oder Kuren können sinnvoll sein.

Manchmal ist es gut, alles auf Null zurückzusetzen und sein Leben kritisch zu hinterfragen: Wo ist der Ursprung meiner Unzufriedenheit? Schlummern Dinge im Verborgenen, die man aufarbeiten muss? Meist ist es möglich, Probleme innerhalb weniger Monate oder Jahren zu lösen – ein relativ kurzer Zeitraum, verglichen mit einem lebenslangen Leidensweg.

Sich nicht verbiegen

Um dauerhaft gesund zu bleiben, hilft Ehrlichkeit mit sich selbst: Was möchte man gern tun? Was bereitet einem Freude? Und vor allem: Was möchte man nicht? Sei Du selbst, denn auf Dauer bringt es nichts, sich zu verbiegen. Wenn das Leben einem nicht gut tut, muss man es ändern und es so gestalten, dass es wieder lebenswert ist.