Angelika Widhalm
Vorsitzende der Hepatitis Hilfe Österreich © HHÖ-Painer

Was versteht man unter einer Hepatitis?

Hepatitis heißt Leberentzündung. Realität ist: Jeder Mensch kann schon betroffen sein, er weiß es nur noch nicht! Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Beispiel: Laut WHO sind ca. 380 Millionen Menschen an viraler Hepatitis B erkrankt und ca. 2 Milliarden sind Träger des Virus. An viraler Hepatitis C sind ca. 180 Millionen Menschen chronisch erkrankt. In Österreich sprechen wir von ca. 60.000 Hepatitis-B und ca. 80.000 Hepatitis-C-Betroffenen. Man rechnet, dass erst ca. 25 – 30 % identifiziert sind.

Wie kommt es zu einer Hepatitiserkrankung?

Eine Hepatitis entsteht durch die Entzündung der Leber durch Viren oder toxische Substanzen. Nichtbehandlung einer Hepatitiserkrankung führt oft zur Leberzirrhose (Leberschrumpfung) und in Folge zum Leberkrebs (HCC).

Welche verschiedenen Arten der Hepatitis gibt es? Was ist der Unterschied?

Es gibt verschiedene Arten von Hepatitis: virale Hepatitiden (A, B, C, D, E, …), toxische Hepatitis (giftige Substanzen wie z.B. Pilze oder verdorbenes Essen), nicht alkoholische Hepatitis (NASH – non alcoholic steatohepatitis), die aus der Fettleber (NAFLD – non alcoholic fatty liver disease) und die alkoholbedingte Hepatitis (ASH – alcohol steatohepatitis), die Autoimmunhepatitis (AIH), ebenso durch ererbte Erkrankungen ausgelöste Hepatitis wie Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) und Haemochromatose (Eisenspeicherkrankheit).

Welche Übertragungswege der viralen Hepatitisarten gibt es?

Hepatitis A und E (HAV und HEV) werden via Schmierinfektion durch mangelnde Hygiene übertragen (Behandlung symptomatisch). Hepatitis B und D (HBV und HDV) über alle Körperflüssigkeiten (100 x infektiöser als HIV). Hepatitis C (HCV) wird nur über Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen (weniger infektiös als HIV).

Mit welchen Vorurteilen sind Patienten konfrontiert?

Zu wenig seriöse Aufklärung ist schuld an Unwissenheit und Unverständnis. Vorurteile und Stigmatisierung sind die Folgen, die den Betroffenen schwer schaden. Ausgrenzung, Kündigung, Nichteinstellung, Abweisung im Kindergarten und Schulen, Meidung von Kontakten u.v.m. sind oft verantwortungslose Folgen.

Wie sieht eine Behandlung/Therapie aus?

Hepatitis A und E: Therapie erfolgt symptomatisch.
Hepatitis B: meist lebenslange, sehr effektive medikamentöse Therapie verfügbar.
Hepatitis C: bisherige Standardtherapie mit pegyliertem Interferon und Ribavirin, mit oft extremen Nebenwirkungen. Die neuen interferonfreien Therapien gegen Hepatitis C wirken direkt auf das Virus. Die anderen Lebererkrankungen werden individuell behandelt.
Lebertransplantation: Hepatitis B/C und bedingt durch die weltweite Zunahme der Fettleber sind die häufigsten Gründe für Lebertransplantationen.

Welchen Fortschritt gibt es bei Therapien? Wie wirkt sich das auf die Sozialfähigkeit aus?

Bei Hepatitis C bewirken die neuen Therapien echte Heilung (demnächst bis zu 99,9 %), sie haben so gut wie keine Nebenwirkungen und eine wesentlich kürzere Behandlungsdauer. Dadurch besteht für die Betroffenen keine Gefahr mehr, in das soziale Netz zu fallen, sie können gesellschaftlich und sozial voll im Leben bleiben.

Wie kann man einer Hepatitis vorbeugen?

Gesunde ausgeglichene Ernährung und Bewegung sind die Grundlage gegen die meisten nicht infektiösen Lebererkrankungen. Gegen virale Hepatitis A und B gibt es eine Impfung, jeder in Österreich sollte geimpft sein. Virale Hepatitis B-Impfung ist im österreichischen Impfprogramm drinnen und wird bis zum 15. Lebensjahr von der öffentlichen Hand bezahlt. Impfung ist die billigste Vorbeugung gegen Leberkrebs (HCC).
Gegen virale Hepatitis C gibt es keine Impfung, Prävention ist nur durch Vermeidung von Blut-zu-Blut-Kontakt möglich (steriles Arbeiten). Bis 1990 war eine Übertragung durch Bluttransfusionen, Blutprodukte und im medizinischen Bereich möglich. Heutzutage sind die Übertragungswege in diesem Bereich in Österreich so gut wie ausgeschlossen, jedoch beim gemeinsamen Gebrauch von Drogenbesteck (Needle-Sharing) häufig. Aber auch im Lifestyle, (Tatoo, Piercing, Fusspflege, ...) ist durch unsauberes (nicht steriles) Arbeiten eine Infektion möglich.
Unser Aufruf: Nichtbehandlung einer Hepatitiserkrankung führt oft zur Leberzirrhose und in Folge zum Leberkrebs (HCC), welcher unbehandelt in rund 6 Monaten zum Tod führen kann. Tests sollten selbstverständlich sein. Heilung und Verbesserung der Lebensqualität für Betroffene und eine volkswirtschaftliche Ersparnis müssen unsere gemeinsamen Ziele sein.