Dr. Karl Dorfinger
Facharzt für Urologie und Andrologie, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen

Wer kennt sie nicht, die lästigen Blasenbeschwerden: Häufiger, plötzlicher Harndrang, ungewollter Harnverlust, schmerzhaftes urinieren, Unterbauchbeschwerden u.ä.m. Diesen Symptomen können ganz harmlose, aber auch sehr ernste Ursachen zugrunde liegen. Daher ist die Abklärung von Blasenproblemen bei dem Blasenspezialisten schlechthin, dem urologischen Facharzt, empfehlenswert.

Die Harnblase ist ein Speicherorgan. Nach dem Urinieren sollte sie entleert sein. Mangelhafte Entleerung äußert sich mit der Bildung von Restharn, dessen Menge langsam zunehmen kann, ohne dass der Betroffene das wahrnimmt. Generell fasst die menschliche Harnblase maximal 500 Milliliter Harn. Wird diese Menge beim Urinieren überstiegen, sollte man die Blasenfunktion untersuchen lassen. Maximal acht Entleerungen pro Tag werden als normal eingestuft, die Gesamtharnmenge pro Tag sollte etwa 1.5 bis 2 Liter pro Tag betragen. Harndrang in der Nacht ist ein mit zunehmendem Alter häufigeres Problem. Wenn man nur einmal pro Nacht aufstehen muss, ist das aber weniger bedenklich. Behandelt wird nur, wenn Wohlbefinden bzw. Schlaf dadurch gestört werden.

Probleme leicht vermeidbar

Die Blase ist Spiegel der Seele. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen innerer Anspannung und Blasenproblemen. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass die Blasenfunktion vom so genannten vegetativem Nervensystem gesteuert wird. Wenn wir einer konzentrierten
Tätigkeit nachgehen, merken wir den Harndrang erst, wenn die Blase ganz gefüllt ist. Umgekehrt kann in entspannten Situationen der Harndrang früher empfunden werden.
Auch für die Harnblase gilt, dass Vorsorge besser als Nachbehandlung ist. Mit richtigem Verhalten kann man so manches Blasenproblem vermeiden. Hier sind zunächst die richtigen Trinkmengen zu beachten.

Generell gibt es die Regel, dass man so viel trinken sollte, um etwa 1,5 Liter Harnmenge pro Tag zu erzielen. Da gibt es aber große individuelle, geographische und kulturelle Schwankungen. Viele Menschen können auch in heißen Regionen mit geringeren Trinkmengen auskommen und bleiben dabei trotzdem gesund. Die Wahl des Getränks ist ebenfalls wichtig. Reines Trinkwasser ist natürlich am besten. Fruchtsäfte und Limonaden enthalten oft einen sehr hohen Zuckeranteil. Kohlensäurehaltige Getränke sollten in Maßen genossen werden. Koffein ist zwar nach heutigem Stand des Wissens gesund, kann aber bei zu häufigen Konsum die Blase belasten. Sie antwortet dann mit häufigen, oft auch nächtlichem Harndrang. Daher gilt besonders für Kaffee & Co: Weniger ist mehr!

Vorsorge ist vielfältig

Ein weiterer Punkt ist die Blasenentleerung. Allgemein wird empfohlen, die Harnblase besser rechtzeitig zu entleeren und den Harn nicht zu lange zurückzuhalten. Der häufig gehörte Rat, den Beckenboden für bessere Sexualität zu trainieren, indem man beim Urinieren den Harnstrahl durch Kneifen unterbricht, ist falsch. Dadurch kann ungenügende Blasenentleerung antrainiert werden. Dieselbe Beckenbodenübung kann aber selbstverständlich unabhängig vom Wasserlassen durchgeführt werden. Blasenentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Meist stecken bakterielle Erreger dahinter, die eine Unterkühlung oder sonstige Abwehrschwäche des Organismus für eine Infektion nutzen. Auch Infektionen kann man/frau vorbeugen: Richtige Trink- und Ernährungsgewohnheiten, regelmäßige Bewegung und das Vermeiden von Unterkühlungen unterstützen unsere Abwehrkraft!

Vielfach unbekannt ist die Tatsache, dass Raucher nicht nur leichter Blasenkrebs bekommen, sondern die Erkrankung bei ihnen oft bösartiger ist und leichter wiederkehrt. Und wenn wir schon beim Blasenkrebs sind: Viele unangenehmen oder gar gefährliche Erkrankungen der Blase pirschen sich leise an. Gehen Sie lieber rechtzeitig zum Arzt!