Zu wenig Zeit für die wöchentlichen Fitnessstunden und viel Frust über zu geringen Trainingseffekt oder das Fehlen von professioneller Anleitung und Betreuung sind die am häufigsten angegebenen Gründe für die Vernachlässigung des eigenen Körpers. Eine mögliche Alternative stellt die Elektromuskelstimulations-Methode dar.

Reizende Kleidung

Beim EMS-Training braucht man weder Hantelbank noch Beinpresse. Stattdessen arbeitet die elektronische Muskelstimulation mit Reizstrom. Dafür werden Elektroden in speziell leitende Funktionskleidung implementiert, die aus einer verkabelten Weste, einem Hüftgurt sowie Manschetten für Arme und Beine besteht. Das Outfit ist zu Beginn feucht, so leitet der Strom besser.

Der Trainierende muss nacheinander isometrische Halteübungen für einzelne Muskelgruppen durchführen, zugleich werden diese Muskeln über die Elektroden durch die Haut mit einem niederfrequenten Strom stimuliert. Dadurch ist es möglich, mehrere Muskelgruppen gleichzeitig anzusprechen und zu trainieren.

Die Folge: In der Zeit, in der bisher nur einzelne Muskelgruppen trainiert werden konnten, bietet EMS ein hocheffektives Ganzkörpertraining – und das für jedermann, vom Anfänger bis zum Leistungssportler. Die Intensität ist variabel und wird im besten Fall von einem Personal Trainer genau an die Fitness des Trainierenden angepasst.

Auch muskuläre Dysbalancen oder fehlende Rumpfstabilität gehören der Vergangenheit an. So verbessert das Training mit EMS neben der Fitness zudem das allgemeine Körpergefühl.

Wechselstöße

Mithilfe des EMS-Geräts werden Elektroimpulse an die Muskeln abgegeben – vier Sekunden lang, dann folgen vier Sekunden Pause. Während des Impulses werden die Übungen absolviert. Diese können je nach individuellem Ziel variieren, umfassen häufig aber alle großen Muskelgruppen.

Durch den Reizstrom wird die natürliche Kontraktion der Muskeln von außen verstärkt, die Anstrengung ist deutlich erhöht und selbst vermeintlich leichte Kniebeugen können je nach Impulsstärke zur Zitterpartie werden. Dafür erreicht der Strom auch tieferliegende Muskelschichten.

Bei solch intensiver Muskelbearbeitung reichen im Normalfall ein bis zwei Trainingseinheiten pro Woche mit einer Dauer von je 20 Minuten aus. Unbedingt anzuraten ist eine gesteigerte Flüssigkeitszufuhr, da die Nieren in höherem Maße Stoffwechselendprodukte durch die erhöhte Muskelaktivität ausleiten müssen.

Therapeutischer Ursprung

Der Einsatz von Strom zum Aufbau von Muskeln ist seit Langem etabliert: Physiotherapeuten setzen Strom seit 50 Jahren ein, um gezielt einzelne Muskeln aufzubauen oder Muskelschwund vorzubeugen. So lässt sich damit zum Beispiel nach einer Knie-OP die schwache Muskulatur wieder stärken und der Patient kommt schneller wieder auf die Beine.

In EMS-Studios kommen dagegen Geräte zum Einsatz, die alle Muskeln im Körper stimulieren. Durch diese Kombination wird eine hundertprozentige Auslastung des Muskels erreicht und er wird so zum Wachsen angeregt. Auch viele Leistungssportler nutzen das EMS-Training, um ihre Leistung auf diese Weise zu erhöhen.

Für Gesunde ist es prinzipiell unbedenklich, wenn das Training nicht übertrieben wird. Die Impulse aktivieren lediglich die quergestreifte Muskulatur (Skelettmuskulatur). Die Herzmuskulatur sowie die glatte Muskulatur (Organmuskulatur) werden dabei nicht angesprochen. Generell ist EMS-Training dennoch nicht für Schwangere und Menschen mit Epilepsie und Herzschrittmachern geeignet.

Das Ende vom Lied

Verschiedene Studien an deutschen Universitäten haben gezeigt, dass das EMS-Training tatsächlich effektiv sein kann: Schneller Muskelaufbau, Lösen von Verspannungen, Linderung von Rückenschmerzen oder die Festigung einer schlaffen Beckenbodenmuskulatur – denn hier werden Kraftpakete beansprucht, an die man sonst nicht so leicht rankommt.

Eine Untersuchung der Sporthochschule Köln zeigte ein Muskelwachstum von 14 Prozent nach sechsmonatigem EMS-Training. Insbesondere eine schwache Rückenmuskulatur soll von dem Training profitieren. Allerdings raten viele Experten von einem reinen EMS-Training ab. Ausdauersport, normales Krafttraining, vor allem aber auch Koordinationsübungen dürfen für eine ausgewogene Fitness nicht fehlen.

Außerdem kann beim EMS viel schneller als bei anderen Sportarten ein Übertraining passieren, da der Impuls für die Muskeln von außen kommt, vom Trainer beeinflusst wird und sich der Trainierende weniger anstrengt. Ganz wichtig sind deshalb ausreichende Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten.