Radfahren macht Spaß. Sich an einem schönen Tag den Wind um die Nase wehen zu lassen, bedeutet Freiheit. Auf dem Rad nimmst du deine Umgebung viel bewusster wahr als in einem Auto. Du riechst das frisch gemähte Gras, den Wald nach einem Regen, den Geruch der Großstadt. Doch in vielen Fällen ist es besonders Menschen mit Beeinträchtigung –  egal, ob physisch oder psychisch – nicht möglich, ein Rad zu fahren.

Oder zumindest glaubt man das. Dass es sehr wohl geht und dass wirklich fast jeder auf einem Fahrrad den frischen Wind um die Nase spüren kann, beweisen Fahrradhersteller, die sich darauf spezialisiert haben, ganz besondere Drahtesel zu entwickeln. Doch welche Möglichkeiten bestehen eigentlich und worauf sollte man achten, wenn man sich als Beeinträchtigter ein Fahrrad besorgen möchte?

Das „klassische“ Dreirad?

Jeder kennt sie, die klassischen Dreiräder. Werden sie doch immer noch ganz gern für Menschen genommen, die Probleme dabei haben, das Gleichgewicht zu halten. Auch für all jene, die etwas wackelig auf den Beinen sind und sich daher schwer tun, bei einem zweirädrigen Fahrrad auf- und abzusteigen, bieten sich Dreiräder an. Und genau da beginnt schon das Problem. Die meisten Dreiräder sehen nämlich stabiler aus als sie sind.

Durch ihre Bauweise liegen die Sitzposition und damit auch der Schwerpunkt sehr hoch. Das mag zwar gut für die Übersicht über den Straßenverkehr sein, aber sonst ergeben sich dadurch fast nur Nachteile. Eine hohe Sitzposition bedeutet einen beschwerlichen Aufstieg, insbesondere, wenn man sowieso schon beeinträchtigt ist. Und ein hoher Schwerpunkt sorgt für ein kippeliges Fahrverhalten, besonders in Kurven.

Gut, dass es Dreiräder gibt, deren Rahmen einen Tiefeinstieg und damit eine stabile, niedrigere Sitzposition ermöglicht. Der tiefere Schwerpunkt, die Sitzfläche mit Rückenlehne und die Lenkerposition vermitteln dabei ein deutlich sichereres Fahrgefühl. Durch eine nach vorn gerichtete Tretbewegung und eine Rahmenfederung erhöht sich als positiver Nebeneffekt auch noch der Fahrkomfort.

Radeln mit Rollstuhl?

Und wenn klassisches Radeln gar nicht möglich ist, weil der Betroffene den Rollstuhl nicht verlassen kann? Dann fällt die Option eines Radausflugs mit der Familie flach, oder? Nein, natürlich nicht! Auch im Rollstuhl muss niemand mehr auf einen gemeinsamen Radausflug verzichten. Gibt es doch dafür speziell entwickelte Rollstuhl-Fahrräder. Diese sind optisch einer klassischen Rikscha durchaus ähnlich, können aber viel mehr.

An der Vorderseite des Fahrrads ist ein Sitz für den Rollstuhlfahrer und Co-Piloten angebracht. So hat der Fahrer von hinten einen guten Überblick über die Straße und seinen Passagier. Die Vorderräder mit leichtem Radsturz verleihen dem Fahrrad dabei zusätzlichen Fahrkomfort und vor allem Stabilität bei flotter Kurvenfahrt. Und das vordere Teil kann optional einfach vom Fahrradteil abgekoppelt und vor Ort als Rollstuhl verwendet werden. 

Und für all jene, denen ein Transfer vom Rollstuhl auf das Fahrrad nicht möglich ist, besteht die Möglichkeit eines Rollstuhl-Transport-Rades. Ohne Hebehilfe und vor allem ohne großen Kraftaufwand wird der Rollstuhlfahrer auf die kippbare Plattform  an der Front des Fahrrades gefahren und dort mit der Verriegelung sicher befestigt.

Zu zweit auf einem Rad?

Die Idee eines Tandems, sprich eines Fahrrads für zwei Passagiere, ist ja grundsätzlich nicht neu. Und doch eignet es sich optimal für Menschen mit Beeinträchtigung. So ist ein klassisches Tandem eine ideale Lösung für Menschen mit Sehbehinderung, die so auch in den Genuss einer Radtour kommen können. Aber auch für geistig behinderte Menschen kommt ein Tandem gerade recht.

Stellt für sie doch meist nicht das Radfahren an sich ein Problem dar, sondern das oftmals zu komplexe Verkehrsgeschehen. In diesem Fall kümmert sich der sogenannte Käpt’n auf dem Vordersitz ums Lenken und der Passagier auf dem Rücksitz kann die Ausfahrt unbeschwert genießen. Auf dem Tandem können selbst leichte Gleichgewichtsstörungen des Mitfahrers gut ausgeglichen werden.

Und natürlich besteht auch bei dieser Art Fahrrad die Option eines Rahmens mit speziellem Tiefeneinstieg, um es auch Menschen mit verminderter Beweglichkeit zu ermöglichen, ohne Probleme sicher auf- und wieder abzusteigen. Doch muss es nicht zwangsweise sein, dass die Radler auf dem Tandem hintereinander sitzen.

Bei sogenannten Parallel-Tandems mit drei Rädern können Fahrer und Passagier nebeneinander sitzen. Der Fahrer lenkt und beide treten. So besteht für den Fahrer die Möglichkeit, den Mitfahrer im Auge zu behalten und der Passagier hat freie Sicht auf all die schönen Dinge, die da des Weges kommen.

Gut, dass eine Beeinträchtigung in der heutigen Zeit kein Hindernis mehr darstellt, am Leben und vor allem auch an den Freizeitaktivitäten teilnehmen zu können: Mit den Spezialrädern steht einer gemeinsamen Radtour nichts mehr im Wege.