Primar Universitäts-Professor Dr. Heinrich Resch
ist Facharzt für innere Medizin, Rheumatologie und Gastroenterologie sowie Osteologe DVO am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien.

Ältere Damen, ein krummer Rücken, eine schiefe Hüfte – das ist es, was weitläufig mit Osteoporose bildlich verbunden wird. Tatsächlich beschreibt der medizinische Terminus einen Knochensubstanzverlust, der ein erhöhtes Frakturrisiko ohne adäquates Trauma bedeutet und bereits frühzeitig, noch vor dem Auftreten erster Beschwerden, erkannt und behandelt werden kann. Doch woher weiß man, dass man ein erhöhtes Risiko hat, an Osteoporose zu erkranken? Bemerkt man es nicht meist erst, wenn es schon zu spät für Vorsorge ist?

 

Messung der Knochendichte

Die International Osteoporosis Foundation, kurz IOF, hat sich dieser Frage von Patienten angenommen und stellt auf Ihrer Website den so genannten „One-Minute- Risk-Test“ zur Verfügung. Er besteht aus zehn sorgfältig durch Langzeitstudien ermittelten Fragen, die die wichtigsten Risikofaktoren für Knochenschwund enthalten. Der Test liefert der betroffenen Person somit einen zuverlässigen Hinweis darauf, ob weitere Untersuchungen getätigt werden sollten. „Wenn drei von zehn Fragen positiv beantwortet wurden, ist es sinnvoll, den Arzt aufzusuchen.“ meint Dr. Heinrich Resch. Der Arzt hat in weiterer Folge drei Möglichkeiten zur Messung des Krankheitsrisikos: Den FRAXKalkulator, der den Prozentsatz an Frakturrisiko ähnlich dem One-Minute- Risk-Test abwägt, Laboruntersuchungen wie die Vitamin D-Spiegel- Messung oder eine Hormonspiegelmessung, die eine Erhöhung von Werten misst, die bei Knochenabbau frei werden, oder eine Knochendichtemessung, die das gängigste Instrument darstellt. Die Brüchigkeit des Knochens wird zwar nicht nur durch die Dichte definiert, sondern auch durch die Struktur, die Materialqualität und die Eigenschaften der Calciumverteilung innerhalb der knöchernen Strukturen, dennoch ist die Messung der Dichte ein sehr verlässliches Verfahren zur Feststellung des zukünftigen Frakturrisikos.

 

”Osteoporose betrifft jede 3. Frau nach der Menopause”

 

Gründe für Osteoporose

Die Gründe für die Abnahme der Stabilität von Knochen sind vielfältig. „Hormone sind der wichtigste Faktor in der Erhaltung der Knochenmineralisation und der Knochenmasse. Immer dann, wenn der Hormonschutz nachlässt – wie in der Menopause – kommt es zu Osteoporose und das passiert zumindest bei jeder dritten Frau in den ersten zehn Jahren nach dem Klimakterium.“ so Dr. Heinrich Resch.

Die weiteren Faktoren sind das genetische Risiko, mangelnde Mobilität, einseitige Ernährung, zu wenig Vitamin D, Defekte auf Materialebene des Knochens sowie Medikamente, die zu sekundärer Osteoporose führen. Risikoreduktion Vitamin D, das wir durch den Genuss von Sonnenlicht zu uns nehmen, ist ein wichtiger Faktor in der Mineralisation des Knochens und führt zum Aufbau von Knochensubstanz, ebenso wie regelmäßige Bewegung. Die am Knochen sitzenden Muskeln sorgen bei Kontraktion für den Stimulus, der dem Substanzabbau entgegenwirkt. Die Ernährung sollte möglichst basisch sein, da Säure die Eigenschaft besitzt Calcium aus dem Mineral herauszubrechen. Zu wenig Calcium im Knochen wiederum bedeutet, dass die Stoffe nicht mineralisieren und somit keine Knochenbildung stattfinden kann. Es ist daher wichtig darauf zu achten, dass dem Körper auch genug Calcium zugeführt wird.

Ebenso wirkt sich der Konsum von Phyto- Östrogenen wie Soja positiv auf die Knochenmineralisation aus. Sollten Untersuchungen ergeben, dass der Patient zu wenig Hormon besitzt, kann der Gynäkologe eine Hormontherapie empfehlen, die jedoch aufgrund eines möglicherweise erhöhten Brustkrebs und Thrombose-Risikos stets unter strenger ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden sollte. 

 

Osteoporose Therapiemöglichkeiten

Für bereits an Osteoporose erkrankte Personen gibt es laut Dr. Resch „Gottseidank sehr viele Therapiemöglichkeiten. Und es werden jährlich mehr.“ Diese wirken einerseits über die Senkung des Knochenabbaus, wie Biphosphonate oder Denosumab, oder aber über gezielten Knochenaufbau mit Hilfe einer Kombinationstherapie