Nach einem ihrer Entdecker wird die entzündliche rheumatische Erkrankung Spondylitis anyklosans auch Morbus Bechterew (MB) genannt. Sie betrifft vornehmlich die Wirbelsäule, die schlimmstenfalls versteifen kann.

Die Ursache von Morbus Bechterew ist unbekannt. Nach heutigem Erkenntnisstand handelt es sich um eine Fehlsteuerung, die das Immunsystem dazu bringt, nicht nur eingedrungene Krankheitserreger abzuwehren, sondern auch Körperzellen anzugreifen. Bekannt ist auch, dass MB insbesondere dann ausgelöst wird, wenn zwei Dinge zusammenkommen:

  • eine Infektion, zum Beispiel des Verdauungs- oder Harntrakts
  • eine erbliche Veranlagung: Träger des Erbmerkmals HLA-B27 erkranken auffallend häufig an Morbus Bechterew, gleichwohl sie auch bei Menschen ohne HLA-B27 vorkommt.

Anzeichen

Neben der Wirbelsäure befällt Morbus Bechterew auch andere Knochenstrukturen, insbesondere Gelenke. Auch innere Organe können darunter leiden. Meist entzünden sich zuerst die Iliosakralgelenke: Sie verbinden Kreuzbein (Wirbelsäule) und Darmbein (Beckenknochen).

Das merken die Betroffenen mit auffallend tief sitzenden Kreuzschmerzen, die frühmorgens am stärksten sind. Betroffene werden von den Schmerzen wach und fühlen sich dann sehr steif. Je länger der Patient liegt, ruht oder hart sitzt, desto stärker werden die Beschwerden. Typisch für einen Morbus Bechterew ist, dass die Schmerzen länger als drei Monate andauern. Handelt es sich um einen höchst aggressiv verlaufenden MB, versteifen die Hüftgelenke innert weniger Monate.

Diagnose und Therapie

Bis zur Diagnose Morbus Bechterew ist es für viele Betroffene ein langer und schmerzvoller Weg, denn die Krankheit zeigt sich individuell sehr unterschiedlich. Verdachtsfälle sollten unbedingt einem erfahrenen Rheumatologen vorgestellt werden, der die Diagnose unter anderem über einen Bluttest (Faktor HLA-B27) und eine Magnetresonanztomographie (MRT) absichern kann.

Bei Morbus Bechterew haben sich

  • physikalische,
  • medikamentöse
  • und Radontherapien

bewährt. Bewegungstherapien helfen, die zunehmende Unbeweglichkeit zu bremsen und beeinflussen die Entzündung positiv. Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (sogenannte NSARs) hemmen die Entzündungen und stillen die Schmerzen.

Kommen NSARs nicht mehr gegen die Schmerzen an, gibt es jetzt die Biologika-Therapie mit den derzeit stärksten verfügbaren Entzündungshemmern (via subkutane Injektion oder Infusion). Auch das radioaktive Edelgas Radon hemmt – niedrig dosiert – Entzündungen und lindert Schmerzen.

5 Fakten zu Morbus Bechterew

  • In Österreich leidet ein halbes Prozent der Bevölkerung an Morbus Bechterew.
  • Frauen und Männer erkranken zwar in etwa gleich oft, aber bei Männern überwiegen die schwereren Verläufe der Krankheit.
  • Bewegung wirkt der Versteifung entgegen, geeignete Sportarten sind Skilanglauf, Rückenschwimmen und Nordic Walking.
  • Rauchen fördert den Krankheitsverlauf.
  • Eine speziell Rheuma-Diät mit wenig Fleisch, viel Gemüse und Fisch bremst die körpereigene Prostaglandine-Produktion aus, die Entzündungen aufrechterhält.

 

1. Rheuma-online.at (2009). Morbus Bechterew. https://www.rheuma-online.at/fuer-oesterreich/rheuma-news-austria/artikel/morbus-bechterew-patientengeschic/. Letzter Zugriff am 16.11.2017