Was genau ist Osteoporose?
Osteoporose, im Volksmund auch als Knochenschwund bekannt, bedeutet, dass Dichte und Qualität des Knochens reduziert sind. In der Folge zeichnet sich dadurch eine Abnahme der  BMD (Bone Mineral Density = Knochendichte) ab. Wenn die Knochen poröser und zerbrechlicher werden, wird das Bruchrisiko stark erhöht. Der Verlust des Knochens erfolgt unbemerkt und progressiv, wodurch sie bis zum Auftritt einer Fraktur asymptomatisch und daher oft unerkannt und unbehandelt bleibt. 

Wieso ersetzt unser Körper das geschädigte Knochengewebe nicht einfach?
Knochen unterliegt einem permanenten Abbau und Anbau – dieser Prozess wird remodeling bezeichnet. Mit diesem lebenslangen Umsatz von Knochen, wird ein Großteil des Skeletts alle 10 Jahre ersetzt. Bis etwa zum 30. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse zu, ab dem 40. Lebensjahr überwiegt der Knochenabbau. Nach der Menopause mündet mit dem Östrogenabfall der Umbau in ein negatives Gleichgewicht, sodass zunehmend Knochen aus einem ständig abnehmenden und architektonisch gestörten Knochen abgebaut wird.

Die  Folgen sind trabekuläre (innen) Ausdünnung und kortikale (außen) Porosität.  Diese Mechanismen führen zu einem porösen, spröden und bruchanfälligen Knochen. Zu beachten ist, dass insbesondere innerhalb des ersten Jahres nach einem Knochenbruch die Gefahr weiterer Brüche besonders hoch ist.

Ist Osteoporose eine Volkskrankheit?
Die Zahlen sprechen für sich. Etwa 600.000 – 700.000 Menschen leiden in Österreich an Osteoporose oder haben ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Weltweit epidemiologische Daten belegen, dass Österreich eine der höchsten jährlichen Inzidenzrate für Hüftfrakturen unter Frauen aufweist.

Wie wird Osteoporose medizinisch festgestellt?
Laut WHO-Definition  liegt eine Osteoporose dann vor, wenn die Knochenmineraldichte in der DXA-Knochendichtemessung um 2.5 Standardabweichungen unter dem statistischen Mittelwert gesunder prämenopausaler Frauen liegt.  Weitere Möglichkeiten liegen in der Messung der Knochenstruktur mittels hochauflösender pCT -Methoden.

Neben der Erhebung der Knochendichte dienen noch radiologische Aufnahmen der Brust- und Lendenwirbelsäule sowie die laborchemische Bestimmung der Knochenstoffwechselmarker der Diagnostik.

Wie lassen sich die Risiken bestimmen?
Mittels DXA-Messung und FRAX-Score kann für jeden Patienten ein individuelles Frakturrisiko berechnet werden. Durch das "Fracture Risk Assessment Tool" (FRAX) werden  zusätzlich zu Alter und vorhergehenden Frakturen weitere  Risikofaktoren eruiert, durch die man die Einschätzung der 10-Jahres-Fraktur-Rate bestimmen kann.

Biochemische Marker des Knochenumsatzes liefern zusätzliche Informationen, um das Frakturrisiko zu bewerten. Die Feststellung einer erhöhten Knochenresorption zusätzlich zu niedriger Knochenmineraldichte bekräftigt die Therapieindikation.

Was für Folgen kann beispielsweise ein Sturz mit sich ziehen?
Das ist abhängig von der Art des Sturzes. Grundsätzlich entstehen osteoporotische Frakturen bereits nach einem minimalen Trauma oder als Spontanfrakturen. Die Mehrheit aller Hüft- und Unterarmfrakturen sind häufig Folgen von Niedrigenergie-Verletzungen.

Wirbelkörperfrakturen treten wiederum häufig ohne jegliches Trauma auf; oft reicht husten, bücken oder ausstrecken als Stressauslöser aus, um eine Fraktur zu erzeugen. Weitreichende Konsequenzen können über Schmerzen und Abnahme der Körpergröße bis hin zu gesteigerter Morbidität und Mortalität sein.

Welche weiteren therapeutischen und medikamentösen Behandlungsoptionen gibt es?
Kalzium und Vitamin D zählen zur Basistherapie. Kalzium ist ein Mineralstoff und Baustein des Knochens und wird über die Nahrung aufgenommen - Vitamin D fördert im Darm die Kalziumaufnahme und wird größtenteils bei Sonneneinwirkung in der Haut synthetisiert.

Daneben stehen zur Behandlung der Osteoporose andere spezifische Arzneimittel und Hilfsmittel aus der Medizintechnik zur Verfügung. Für  Bisphosphonate, Teriparatid und Strontium ranelat konnte eine signifikante Reduktion des Frakturrisikos nachgewiesen werden. Bei ausgeprägten Formen der Osteoporose kommen Orthesen zum Einsatz. Sie dienen der  Stabilisierung, Entlastung oder Richtigstellung von Gliedmaßen oder des Oberkörpers.