Eine Harninkontinenz liegt bei einem Verlust der Fähigkeit vor, Urin sicher in der Harnblase zu speichern und selbst Ort und Zeitpunkt der Entleerung zu bestimmen. 

 

Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz

Manchmal kommt es nur zu einem Harnverlust, wenn der Betroffene hustet oder beim Heben schwerer Lasten. Es kann nur tröpfchenweise Urin verloren gehen, es kann aber auch zu einer vollständigen Blasenentleerung kommen. Einen Harnverlust bei körperlicher Anstrengung ohne Harndrang nennt man Belastungsinkontinenz, einen mir Harndrang verbundenen unwillkürlichen Urinverlust nennt man Dranginkontinenz. Die Dranginkontinenz mit überaktivem Blasenmuskel ist die häufigste Form im Alter. Die zweithäufigste Form sind Störungen des Blasenschließmuskels. Dazwischen gibt es viele Mischformen und Sonderformen. Die Ursachen für eine Inkontinenz sind vielfältig. 

Die überaktive Blase ist definiert durch einen schlagartigen, ununterdrückbaren Harndrang, der die betroffene Person zwingt, unmittelbar eine Toilette aufzusuchen. Die Harnfrequenz liegt hier bei mindestens 8 x pro 24 Stunden. Es wird unterschieden zwischen den Drangbeschwerden mit Inkontinenz und ohne Inkontinenz. Die Dranginkontinenz kann Folge von Entzündungen der unteren Harnwege, von einengenden Veränderungen oder auch von nervlich bedingten Störungen wie z. B. Demenzerkrankungen sein.

Bei einer Belastungsinkontinenz löst der erhöhte Bauchinnendruck durch Belastung, Pressen aus den verschiedensten Gründen (Heben, Tragen, Treppensteigen, Lachen, Husten, Niesen, Pupsen) den mehr oder weniger ausgeprägten Harnverlust aus. Es werden drei Schweregrade nach Stamey unterschieden:

1 Grad: Inkontinenz beim Husten, Niesen

2 Grad: Inkontinenz bei abrupten Körperbewegungen, beim Aufstehen, Hinsetzen

3 Grad: Inkontinenz bei unangestrengten Bewegungen, im Liegen

Die Belastungsinkontinenz ist bei Frauen oft Folge mehrfacher Spontangeburten, die zu einer Überdehnung und Erschlaffung von Haltebändern und Beckenboden führen. Daraus resultiert eine Senkung der Organe des kleinen Beckens. So ist bei erhöhtem Bauchinnendruck der Gegendruck des Schließmuskels nicht mehr als Verschlussdruck für die Harnröhre ausreichend. Die Blase kann aber noch mit voller Stärke arbeiten.

 

„Harninkontinenz ist immer eine Erkrankung, deren Ursachen abgeklärt und behandelt werden sollten.“

 

Obwohl die Folgen für die Betroffenen so gravierend sein können, gehen nur etwa 15 Prozent der Betroffenen mit ihrem Problem zum Arzt. Harninkontinenz kann prinzipiell in jedem Alter auftreten, das Risiko für eine Erkrankung steigt allerdings mit zunehmendem Alter an.

 

Harninkontinenz ist immer noch ein Tabuthema

Harninkontinenz ist immer eine Erkrankung, deren Ursachen abgeklärt und behandelt werden sollte. In keinem Falle sollte diese Erkrankung einfach hingenommen oder in Eigenregie selbst behandelt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa jede 4. Frau von „Blasenschwäche“ und Harninkontinenz betroffen ist. Da aber etwa 85 Prozent der Betroffenen ihren Arzt nicht wegen ihrer Inkontinenz ansprechen, ist die »Dunkelziffer» sicher sehr viel höher.

 

Sozialer Rückzug der durch Inkontinenz Betroffenen

Inkontinenz ist in jedem Fall eine äußerst unangenehme Erscheinung. Die Betroffenen schämen sich nicht selten und verheimlichen ihr Problem sogar vor ihren Partnern. Aus Angst, dass jemand das Problem bemerkt oder dass jemand etwas riecht. Häufig führt das zu einem Rückzug in die eigenen vier Wände. Viele verlassen das Haus nur noch im Notfall und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Kein Theater, Kino oder Konzert. Keine langen Spaziergänge und kein ausgedehnter Einkaufsbummel. Viele scheuen sogar Treffen im Freundeskreis zu Hause.