Orthopädie ist jene Fachrichtung der Medizin, die den gesamten Stütz- und Bewegungsapparat und seine Funktion zum Inhalt hat, und zwar mithilfe nicht-operativer und operativer Behandlungsmethoden. Darüber hinaus fällt der fachgerechten Erkennung und vor allem der Vorbeugung von Form- und Funktionsfehlern eine besondere Bedeutung zu.

Zeitpunkt der Feststellung

Diagnose und Therapie beginnen bereits unmittelbar nach der Geburt. Verschiedenste Erkrankungen wie z.B. Klumpfüße oder die unvollständige Ausbildung der knöchernen Hüftpfanne müssen ohne Verzögerung nach der Geburt erkannt und behandelt werden. Im weiteren Wachstum steht das Verhindern z.B. von Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen), Beinfehlstellungen oder Beinlängenunterschieden im Vordergrund.

Auch die Beratung über die richtige Berufswahl aufgrund der körperlichen Konstitution kann später Problemen und einem unerwünschten Berufswechsel vorbeugen. Im mittleren Alter kommt es zu Beschwerden hauptsächlich durch berufliche oder sportliche Fehl- oder Überlastungen (z.B. Rückenschmerzen, Kniebeschwerden, usw.), während mit zunehmendem Alter Probleme aufgrund von Abnützungen an Gelenken und Wirbelsäule vermehrt auftreten.

Bandbreite der Abklärung

Stark schmerzhafte, unerklärliche Beschwerden gehören ebenso wie mehrere Wochen anhaltende Schmerzen oder auffällige Fehlstellungen fachärztlich abgeklärt. Wobei Abklärung nicht zwingend bedeutet, aufwändige Untersuchungen wie MR-Tomografien durchführen zu müssen. Ein diesbezüglicher Vorteil des Orthopäden ist die Fähigkeit der ausgedehnten manuellen Diagnostik.

Um Beschwerden in der Gesamtschau richtig einordnen zu können, müssen ÄrztInnen ihre PatientInnen „angreifen“. So werden weniger als 20 Prozent aller Wirbelsäulenbeschwerden durch die Bandscheiben verursacht. Auf der anderen Seite wissen wir, dass bei ca. 80 Prozent beschwerdefreier Menschen in der MR-Tomografie Bandscheibenschäden zu finden sind. Sich nur auf die Apparatediagnostik zu verlassen, wäre fatal. Nicht alles, was in Bildern zu sehen ist, muss Schmerzursache sein.

Alles für die Mobilität

Eine gute orthopädische Versorgung bedeutet somit kompakt: das rasche Erkennen von Schmerzursachen am Bewegungsapparat nicht nur mit bildgebenden Geräten; die schnelle Beschwerdebeseitigung mithilfe von Manualtherapie, Injektionen an die gereizte Struktur, Bandagen, Einlagen usw.; die Anleitung zur langfristigen Stabilisierung über Muskelaktivierung; und wenn notwendig, auch die richtige Operation.

Das gemeinsame Ziel ist die Steigerung der Mobilität, die Schmerzreduktion und die Verbesserung der Lebensqualität, sowohl in der Freizeit als auch im Beruf, und dadurch auch die Verringerung von Krankenstandstagen mit all seinen volkswirtschaftlichen Vorteilen.

Großartiges Wissen

Gerade die Beherrschung sowohl umfassender nicht-operativer als auch operativer Therapiemethoden am Bewegungsapparat durch Fachärzte für Orthopädie stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar. Diese Dualität beinhaltet den großen Vorteil, dass der optimale Zeitpunkt für die Indikationsstellung zum operativen Vorgehen wesentlich einfacher festgelegt werden kann. Das Risiko einer zu „raschen“ Operation oder aber auch das Verharren in alleinigen nicht-operativen Maßnahmen wird dadurch reduziert.

Unzählige Möglichkeiten

War die Orthopädie am Anfang fast ausschließlich ein nicht-operatives Fach, so ist mit den Jahren zusätzlich das operative Spektrum ausgebaut worden. Bahnbrechende Erfolge in der Endoprothetik (künstliche Gelenke) mit deutlich verbesserten Operationstechniken und damit verbundenen, verkürzten Rehabilitationszeiten sind hier zu nennen.

Oder optimierte Techniken in der Wirbelsäulenchirurgie, verbesserte Methoden bei arthroskopischen Operationen vor allem an Knie und Schulter, unglaubliche Möglichkeiten bei der Korrektur von Fehlstellungen oder Beinverkürzungen oder der Behandlung von Knochentumoren bis hin zu Innovationen wie Knorpelzelltransplantationen mit Zukunftspotenzial, um nur einige hier zu nennen.

All diese umfangreichen Möglichkeiten machen Fachärzte für Orthopädie zu Experten des Bewegungsapparates.