Laufen ist die Aktivsportart Nummer 1, ein Ausdruck von „Active Lifestyle” bei Jung und Alt. Was macht für Sie die Faszination Laufen aus?

Das Laufen ist „zeitgeistig” geworden: es ist simpel, man kann es immer und überall ausführen, die Kosten sind gering. Es liegt in der Natur des Menschen, immer an seine Grenzen zu gehen. Man ist zum Mond geflogen, jetzt möchte man den Mars erreichen. Auf der Erde haben Menschen die höchsten Berge bezwungen und sind an die tiefsten Punkte der Meere abgetaucht.

Auch das einzelne Individuum will die persönlichen Grenzen ausloten, und dafür eignet sich der Laufsport ideal, sei es beim Marathon oder im täglichen Training. Und genau das macht den Reiz und die Faszination des Laufens aus. Das Laufen hilft außerdem dabei, den eigenen Körper zu spüren.

Sich nach dem Laufen wohlzufühlen und so sein Körperbewusstsein zu steigern, ist vielen Menschen wichtig. Dieser Trend ist in den letzten Jahrzehnten ganz klar gestiegen und steigt weiterhin.

Worauf sollte man beim Laufen besonders achten?

Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, der Laufsport funktioniert deshalb so gut, weil er so viele Fehler verzeiht. Zu sagen, wie man richtig läuft, ist schwierig. Der größte Fehler aber, den viele machen, wenn sie mit dem Laufen beginnen, ist, dass sie prinzipiell zu schnell laufen. Das Tempo, die Schnelligkeit, das kommt mit Fortdauer des Trainings ohnehin automatisch dazu, deshalb sollte man langsam anfangen und auf den eigenen Körper hören.

Laufe so, dass du dich dabei wohlfühlst! Der Profiläufer trainiert verstärkt die Feinmotorik, macht Laufschulungen und, und, und. Ein Hobbysportler braucht all das nicht. Der soll lieber so laufen, wie es ihm der liebe Gott gegeben hat. Da geht es auch wieder um das eigene Körperbewusstsein. Wenn ich jetzt anfange, jedem Hobbysportler zu erklären, wie er richtig läuft, dann hört er garantiert auf.

Wie sollte man sich als LäuferIn auf ein Event wie den Vienna City Marathon vorbereiten?

Man sollte das eigene Trainingsprogramm so gestalten, wie man das für sich selbst als richtig erachtet. Es kann natürlich niemals schaden, sich in professionelle Hände zu begeben, und wenn man das möchte, sich in Richtung Trainingsberatung, Trainingssteuerung und Trainingsplan Unterstützung holen.

Wichtig ist es dann in jedem Fall, dass das Training individuell abgestimmt wird auf die eigene Person, auf die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten sowie auf die persönlichen Ziele. Will jemand einen Marathon in unter drei Stunden laufen, dann muss er anders agieren und trainieren als derjenige, der sagt, er möchte beim Marathon ins Ziel kommen, unabhängig von der Zeit.

Ich denke, dass gerade diejenigen alles richtig machen, die sich nicht auf irgendwelche Zeitvorgaben versteifen, sondern mit Freude ein Rennen laufen und dann glücklich und zufrieden das Ziel erreichen.

Eine Übersicht der Strecke:

 

Mehr als 40.000 TeilnehmerInnen allein 2016: Was macht den Vienna City Marathon so erfolgreich?

Wir haben generell erkannt, dass man eine Veranstaltung wie den Vienna City Marathon nicht nur modernisieren darf, sondern dass man ihn gleichzeitig auch inszenieren muss. Der Vienna City Marathon ist in Österreich die größte Inszenierung im öffentlichen Raum. Wir organisieren nicht nur, sondern wir versuchen jedes Jahr mit unseren Jahresthemen herauszuarbeiten, dass unsere Veranstaltung ein Erlebnis wird.

Natürlich könnten wir es uns als Veranstalter viel einfacher machen, etwa indem wir den Marathon auf die Donauinsel verlegen würden. Das wäre günstiger und logistisch einfacher. Aber dann wäre es niemals das, was es heute ist: Ein Stadtevent, wo die Laufstrecke mitten durch Wien an all den Sehenswürdigkeiten vorbeiführt und schon der Start mit dem Lauf über die Reichsbrücke für imposante Bilder sorgt.

Wir sind sehr darum bemüht, dass auch nach der Veranstaltung im Zielgelände alle Läufer gut versorgt und betreut werden können – egal, ob Profi oder Amateur. Auch da sind wir nie den einfachsten Weg gegangen, sondern immer den aus unserer Sicht bestmöglichen. Das macht für mich den Vienna City Marathon seit mehr als 30 Jahren aus.

Beim Vienna City Marathon kommen TeilnehmerInnen fast jeden Alters und aus mehr als 130 verschiedenen Nationen zusammen. Hat das Laufen für Sie einen verbindenden Charakter?

Das ist sicherlich das Besondere am internationalen Laufsport und wir sind auch stolz darauf, dass wir die Menschen nicht auseinanderdividieren, sondern sie zusammenbringen. Bei anderen Sportarten, wie beispielsweise beim Fußball, besteht immer die Gefahr, und das sieht man leider fast jedes Wochenende aufs Neue, dass der Sport Menschen gegeneinander aufbringen kann.

Das gibt es im Laufsport nicht. Beim Marathon ist es ganz egal, wer neben dir läuft, ob das Mann oder Frau ist, aus welchem Land jemand kommt oder welcher Religion jemand angehört. Es ist ein friedliches Neben- und Miteinander und ich bin überzeugt davon, dass während des Laufens schon die eine oder andere Freundschaft entstanden ist.