Unsere Knochen haben eine Fülle von Aufgaben im Körper. Sie verleihen Stabilität, schützen innere Organe, sind für die Blutbildung zuständig und sind Mineralspeicher. Gesunde Knochen können Defekte wie Risse und Brüche selbst reparieren, trotzdem stellen Knochenbrüche ein häufiges Problem alter, aber auch junger Menschen dar. Obwohl das Sturzrisiko mit dem Alter zunimmt, kommt es nicht bei allen Menschen zu Knochenbrüchen. Auch in ihrer persönlichen Umgebung haben schon Freunde und Verwandte Knochenbrüche erlitten. Andere wiederum haben auch Unfälle gehabt, jedoch ohne dass eine Fraktur aufgetreten ist.

„Knochengesundheit, wichtig für die Funktion unseres Organismus und Spiegel der Gesundheit, ist nur garantiert, wenn Ernährung, Bewegung sowie fallweise Therapie in einem ausgewogenen Kontext gesehen wird.“

Was macht den Unterschied, welche Vorgänge machen Knochengewebe bruchanfällig? Mit dem Alter kommt es zu einer stetig fortschreitenden Abnahme der Knochensubstanz und daraus resultierend zu abnehmender biomechanischer Qualität des Knochengewebes und letztlich zu gesteigerter Frakturanfälligkeit. Ist der Knochen einmal gebrochen, dann setzen Vorgänge ein, um ein vollständiges Zusammenwachsen zu ermöglichen.

Knochengesundheit ruht auf drei Säulen und ist nur garantiert, wenn über adäquate Ernährung die essentiellen Baustoffe dem Knochengewebe zeitlebens zugeführt werden und das Organ durch Bewegung in Form von ausgeglichenem physikalischem Druck und Zugkräften stimuliert wird, denn ein Knochen, der nicht gefordert wird, baut ab. Letztlich haben wir bereits Medikamente zur Verfügung, die Knochenabbau verhindern und Knochenaufbau stimulieren können. Knochengesundheit ist nur garantiert wenn alle drei Säulen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Ernährung

Man führe sich vor Augen, dass beim gesunden Menschen täglich 400 mg Kalzium über Harn und Stuhl ausgeschieden werden. Um diesen Mineralbedarf also decken zu können, muss aufgrund der relativ trägen Kalziumaufnahme im Darmbereich wesentlich mehr über die Ernährung zugeführt werden.

Da nur etwa ein Drittel des Kalziums aus der Nahrung von der Darmschleimhaut aufgenommen wird, errechnet sich für Erwachsene eine optimale tägliche Zufuhr von etwa 1200 mg Kalzium. Kinder und Jugendliche haben eine etwas effektivere Kalziumaufnahme, benötigen aber dennoch aufgrund des Mehrbedarfs in der Entwicklung Mengen um 1500 mg pro Tag. Bei älteren Menschen sind die Bedingungen der Kalziumaufnahme am schlechtesten, hier müssten Werte von 1500 mg Kalzium als unterste Grenze angesehen werden.

Es ist also ein Trugschluss zu meinen, dass „ausgewachsene“ Menschen weniger Kalzium benötigen. Geht man von einem täglichen Bedarf von 1500 mg Kalzium aus, entspricht das einer Menge von jeweils:

  • 1,2 l Milch,
  • 1,2 l Joghurt,
  • 19 dag Edamerkäse,
  • 17 dag Tilsiterkäse,
  • 14 dag Emmentalerkäse,
  • 1,5 kg Cottagekäse,
  • 1,5 kg Topfen,
  • 37 Eiern,
  • 2,6 kg Weizenbrot,
  • 4 kg Kopfsalat
  • 6 kg Nudeln
  • 10 kg Kalbfleisch,
  • 13 kg Reis
  • 16 kg Kartoffel,
  • 34 kg Apfelmus,
  • 50 l dunkles Vollbier

Es ist unschwer zu erkennen, dass alle Milchprodukte absolute Spitzenreiter unter den Kalziumlieferanten sind. Für eine adäquate Kalziumversorgung sind Milch und Milchprodukte also unentbehrlich.

Bewegung

Bewegungsmuster, in deren Rahmen es zu einer Krafteinwirkung auf das Skelettsystem kommt, wirken dem Knochenabbau entgegen und sind sogar in der Lage, die Knochenneubildung durch Muskelzug direkt am Knochengewebe zu fördern. Aus diesem Grund ist auch in Hinblick auf die Knochengesundheit die Fitnesswelle nach Kräften zu unterstützen. Ein kombiniertes Konzept aus Bewegung und gezieltem Krafttraining sind für die Erhaltung eines robusten Knochens essentiell. Bestens geeignete Sportarten, die auch im höheren Lebensabschnitt durchgeführt werden können, sind unter anderem Laufen und Nordic Walking.

Medikamente

Als Basismedikation sind Vitamin-D-Präparate ganz wichtig für die Knochenmineralisation, vor allem vor dem Hintergrund, dass mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung und somit auch der Österreicher viel zu niedrige Vitamin-D-Konzentrationen im Blut haben und somit weder eine adäquate Mineralisation, noch eine optimale Medikamentenwirkung zulassen. Prinzipiell unterscheidet man Medikamente, die Knochenabbau hemmen (Bisphosphonate, Denosumab, Raloxifen) von denen, die Knochenaufbau stimulieren (PTH). Eine Hormontherapie rechtzeitig begonnen, zählt zu den wenigen Medikamenten, mit denen nachweislich echte Osteoporose-Prophylaxe betrieben werden kann.

Drei-Säulen-Konzept

Eine zufriedenstellende Vorbeugung, aber auch Therapie der Osteoporose kann nur erreicht werden, wenn alle drei Säulen gleichermaßen berücksichtigt werden. Die meisten sogenannten Therapieversager erklären sich aus der Tatsache, dass Patienten unter Therapie zu wenig Kalzium und Vitamin D zu sich genommen haben oder keinerlei regelmäßiger Bewegung nachgekommen sind. Deutlich wird das am Beispiel von Patienten mit Essstörungen oder langer Immobilisation, vor allem vor der Tatsache, dass Bewegung alleine bis zu 3 Prozent Knochenzuwachs bewirken kann.