Dr. Karl Dorfinger
Facharzt für Urologie und Andrologie, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen

Praktisch jeder von uns wird im Laufe seines Lebens mit urologischen Problemen konfrontiert. Ob es nun Nierenfunktionsstörungen, schmerzhafte Harnsteine, fieberhafte Harnwegsinfekte, Prostataleiden, Hormonstörungen, Harninkontinenz, Erektionsstörungen oder Blasentumore sind: stets führt der Weg zum urologischen Facharzt. Dabei sind Frauen fast so häufig davon betroffen wie Männer: 40Prozent der urologischen Patienten sind Frauen. 

Viele urologische Erkrankungen sind prinzipiell vermeidbar. Die Bildung von Harnsteinen beispielsweise kann man mit ausreichendem Trinken zumindest reduzieren. Regelmäßige körperliche Aktivität ist für die Sexualfunktionen wichtig, das Wachstum der Prostata scheint stark von der Ernährung abzuhängen. Ganz besonders schädlich aber für urologische Organe ist das Rauchen. Hier zeigen neuere Forschungsergebnisse, wie wichtig es vor allem für starke Raucherinnen ist, ihr Laster aufzugeben. Sie können damit Blasenkrebs, der oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, vermeiden oder reduzieren. 

 

Medizinischer Fortschritt

Freilich kann man nicht jede Erkrankung durch gesunde Lebensweise verhindern. Aber rechtzeitig entdecken kann man sie, um so eine Heilung zu ermöglichen. Auch hier sind in der medizinischen Forschung neue Erkenntnisse gemacht worden. Die Bedeutung des umstrittenen PSA-Bluttests zur rechtzeitigen Erkennung des häufigsten Tumors beim Mann, dem Prostatakarzinom, ist in der urologischen Fachwelt unbestritten. Es kommt auf die Schlüsse an, die man aus mehreren PSA-Werten zieht, denn einer alleine ist von geringer Aussagekraft. Auch die Zeitintervalle zwischen Vorsorge-PSA-Tests können umso größer gewählt werden, je niedriger der Basiswert ist. Man spricht von „intelligenter Früherkennung“. Die wahllose PSA-Bestimmung bei jedem Mann muss diesem neuen Konzept weichen.

 

„Besondere Herausforderungen benötigen neue Konzepte. Mit der Qualitätspartnerschaft Urologie wurde ein Forschungsnetzwerk zur Sicherung der Behandlungsqualität und zur Sammlung von Daten für die Wissenschaft geschaffen.“ 

 

Androcheck

Auch in Zukunft wird es darauf ankommen, gesundheitsbewussten Männern die Möglichkeit der Früherkennung zu geben. Wenn auch in den vergangenen Jahren die Zahl derjenigen gestiegen ist, sind ihnen die Frauen in der Gesundheitsvorsorge nach wie vor weit voraus. Männer wissen auch weniger um ihren Körper Bescheid. Die Österreichische Urologie wird daher in Zukunft vor allem Männer verstärkt informieren und auf Gesundheitsvorsorge aufmerksam machen. „Richtige Männer leben länger“ – so lautet das Motto des sogenannten „Androcheck“, bei dem auf die Gesundheit des gesamten Harn- und Geschlechtstrakts geachtet wird, einschließlich der Prostata und des Hormonhaushalts. 

Gerade beim Prostatakarzinom sind in den vergangenen Jahren völlig neue Strategien erforscht worden. Im Frühstadium kann man mittlerweile den Männern die aktive Überwachung des Tumors anbieten. Da durch Früherkennungsmaßnahmen auch weniger gefährliche Tumore entdeckt werden, können dadurch Operation oder Bestrahlung vermieden oder hinausgezögert werden. Die Operationstechniken sind ebenfalls in den letzten Jahren verbessert worden. Große Verbesserungen wurden beim fortgeschrittenen Prostatakrebs gemacht. Mithilfe neuer, nebenwirkungsarmer Medikamente zur Hormonblockade können so manchen Männern die bedrohlichen Folgen dieser Erkrankung längere Zeit erspart bleiben.

 

Interdisziplinäre Medizin

Alle diese neuen Behandlungskonzepte erfordern aber viel Wissen und enge Zusammenarbeit sowohl zwischen den Ärzten als auch mit nichtärztlichen Gesundheitsberufen bzw. mit Gesundheitsinstitutionen. Mit der Qualitätspartnerschaft Urologie wurde ein Forschungsnetzwerk ins Leben gerufen, das dazu beiträgt, einerseits die Behandlungsqualität zu sichern und andererseits Daten für neue Erkenntnisse zu gewinnen. Es liegt nun an uns Urologinnen und Urologen, diese neuen Konzepte im Alltag anzuwenden, um damit den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.