In Österreich ist Prostatakrebs die häufigste Tumorerkrankung bei Männern. Welche möglichen Ursachen können hier zugrunde liegen?

Das ist richtig! In Österreich erkranken pro Jahr mehr als 5.000 Männer daran. Die gute Nachricht ist: Viele Erkrankungen werden rechtzeitig, also im Frühstadium, entdeckt. Und dadurch erhöhen sich die Heilungschancen. Als mögliche Risikofaktoren gelten beispielsweise ein familiäres Risiko und ethnische Herkunft.

Welche Risikofaktoren gibt es außerdem noch, beziehungsweise inwiefern hat der Lebensstil Einfluss auf ein erhöhtes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken?

Krebserkrankungen nehmen mit steigendem Lebensalter zu. Somit liegt der Verdacht nahe, dass die Reparaturmechanismen des Körpers ineffektiv werden und somit die Tumorzellen durch das körpereigene Immunsystem nicht mehr identifiziert beziehungsweise eliminiert werden können.

Wie Sie bereits erwähnt haben: Je früher ein Prostatakarzinom erkannt wird, desto besser. Welche Behandlungsmöglichkeiten beziehungsweise Therapieoptionen gibt es aktuell?

Prinzipiell hängt die Therapie vom Tumorstadium und vom Aggressivitätsgrad ab. Bei kleinen Tumoren der Prostata, die auch nicht so aggressiv werden, wird ein „Active Surveillance“-Programm angeboten. Hier wird der Tumor regelmäßig kontrolliert und je nach Entwicklung wird dann eine kurative Therapie eingeleitet oder nicht. Anders verhält es sich bei aggressiven Tumoren.

Hier steht eine operative Sanierung im Vordergrund. Dabei stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung: die Operation durch die Bauchdecke, über den Damm und mit der sogenannten „Schlüssellochtechnik“, zu der auch die Technik mit der Roboter-assistierten Prostataentfernung zählt. Alle Methoden sind nach den Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) gleichwertig.

Es ist die Erfahrung der einzelnen Operateure, die über Erfolg beziehungsweise Misserfolg der einzelnen Techniken entscheidet. Als Alternative bei kleinen, auf die Prostata begrenzte Tumore ist auch eine Strahlentherapie eine sehr gute Option. Hier werden einerseits Teletherapie (von außen) beziehungsweise Brachytherapie (von innen) angeboten. Auch hier ist die Wahl der Mittel von der Entität des Tumors abhängig.

Mit welchen Ängsten sehen sich Patienten konfrontiert – gerade hinsichtlich sexueller Aspekte – und wie können Patienten auch emotional begleitet werden?

Durch die Erfahrung des Operateurs und durch verbesserte Techniken ist der bleibende, unwillkürliche Harnverlust (Inkontinenz) nach der Operation zum Glück recht selten geworden. In der ersten Zeit nach der Operation ist der Harnverlust nicht ungewöhnlich, es sollte aber nach zirka sechs Wochen eine zufriedenstellende Kontinenz auftreten. Auch hier besteht die Möglichkeit, mit weiteren operativen Eingriffen eine zufriedenstellende Lebensqualität herbeizuführen.

Der Perseveranz der Erektionsfähigkeit („nervschonende Operationstechnik“) hängt vom Tumorstadium beziehungsweise auch vom Aggressivitätsgrad des Tumors ab und kann und darf nicht versprochen werden. Auch hier gilt: Sobald wie möglich mit einem „Schwellkörpertraining“ zu beginnen.

Es kann aber bis zu achtzehn Monate dauern, bis wieder eine zufriedenstellende Erektion vorhanden ist. Sowohl nach Strahlentherapie als auch nach der Operation können die Dauer und die Qualität der Erektion beeinträchtigt sein. Es ist aber auch bekannt, dass mit steigendem Alter die Erektionsfähigkeit abnimmt.

Welche präventiven Maßnahmen können Männer nun setzen?

Gehen Sie rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung! Sie werden dadurch nicht vor dem Krebs geschont, er kann aber rechtzeitig erkannt werden. Es geistern im Internet zahlreiche Substanzen herum, die vor Krebs schützen sollen und zahlreiche Wunderheiler bieten Heilung an. Seien Sie vorsichtig, Sie haben nur ein Leben!