In seinem Hit "Wann ist ein Mann ein Mann?" sang Herbert Grönemeyer 1984 über die verletzliche, aber unersetzliche Männerwelt. Wie würden Sie den heutigen Mann beschreiben?

Vor über 30 Jahren war das vielleicht ganz lustig – ich hatte damals gerade maturiert und erinnere mich, über den Hit milde gelächelt zu haben. Die Überheblichkeit der Jugend: wer sich für unsterblich hält, macht sich auch keine Gedanken darüber, wann er ein Mann ist oder nicht. Er ist es einfach.

Zwischenzeitlich ist aus dieser Frage ein gesellschaftlicher Wandel hervorgegangen und mir scheint, so manche Frau zweifelt, ob das eine so gute Idee war, nach dem weichen, verständnisvollen und sanften Mann zu rufen. Ich glaube, Frauen kultivieren wieder eine Art Sehnsucht nach dem starken Geschlecht und hätten zum Frauenversteher ganz gerne auch wieder den ganzen Kerl.

Gibt es Ihrer Meinung nach Freuden, Ängste, Herausforderungen, die vorwiegend der Männerwelt vorbehalten sind? Betreffen diese auch Sie persönlich?

Natürlich gibt es das! Die Unsicherheit des modernen Mannes über seinen Platz in einer Gesellschaft, in der Frauen und Männer mehr mit Genderwahn beschäftigt sind als mit einem natürlichem Selbstverständnis für ihre Rollen, ist nachvollziehbar. Ich persönlich sehe das eher pragmaisch und setze auf selbstbewussten Umgang mit diesen Themen. Gelassenheit schafft Platz für das, was Menschen instinktiv eigentlich sehr gut können, nämlich kommunizieren.

Auch wenn man es Ihnen nicht ansieht, haben Sie im vergangenen Jahr Ihren 50. Geburtstag gefeiert. Haben Sie das Gefühl, dass sich dadurch in Ihrem Leben etwas geändert hat?

Nein, ich könnte jetzt nicht sagen, dass sich etwas geändert hat. Für richtig junge Menschen ist man ja auch schon mit 30 ein alter Sack und für jene, die bereits ein paar nachhaltige Erfahrungen im Leben gemacht haben, relativiert sich Alter ohnedies spätestens dann, wenn man sich mit den maßgeblichen Eigenschaften einer Person beschäftigt.

Natürlich ist Aussehen, vor allem junges Aussehen, heute wichtiger als früher, zumal man manchmal den Eindruck hat, die moderne Welt legt überhaupt nur noch auf Äußerlichkeiten Wert. Aber auch da halte ich es wieder mit Gelassenheit. Ich kann es eh nicht ändern und dass ich mich mit Sport, Ernährung und Lebensstil versuche fit zu halten, hat mehr mit einem Lebensgefühl zu tun. Wenn das Aussehen auch davon profitiert, soll es mir nur recht sein.

Aus Ihrem Privatleben und von zahlreichen TV-Auftritten weiß man, dass Sie einen sehr sportlichen, aktiven Lebensstil pflegen. Wie wichtig sind Ihnen Themen wie Gesundheit, Ernährungsbewusstsein oder Vorsorge?

Diese Themen sollten jedem wichtig sein, der Wert auf Lebensqualität legt. Es ist ja nicht so, dass man sich mit einem bewussten Lebensstil etwas zumutet. Ich höre oft, dass jemand keine Zeit für dieses oder jenes hat. Dann frage ich mich, als was z.B. die Stunden vor dem Fernseher zählen? Ich weiß, es ist nicht einfach, mit Sport oder einer Ernährungsumstellung zu beginnen, wenn man damit gar nichts anfangen kann, bin aber gleichzeitig sicher, dass es in kleinen Schritten jedem gelingen kann. Das Wichtigste ist, sich nicht zu überfordern, man kann nicht von heute auf morgen alles gleichzeitig verändern. Vor allem aber sollte man sich keine falschen Vorbilder suchen: Profisportler, Models und Hollywoodstars repräsentieren nicht die Realität!

Autos und Motorsport spielen für Sie sowohl beruflich als auch privat eine große Rolle. Sehen Sie diese Bereiche noch als Männerdomäne oder ist diese Ansicht mittlerweile überholt?

Es gibt wenige Frauen im Motorsport, das stimmt, aber ich glaube das hat weniger mit den Frauen zu tun, als mit den Männern, die sich da nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen. Manchmal glaube ich auch, dass es Frauen schlicht zu blöd ist, im Kreis um die Wette zu fahren.

Das Auto an sich ist sicher keine Männerdomäne mehr: statistisch gesehen treffen Frauen viel öfter die Kaufentscheidung, auch wenn später ausschließlich der Mann damit fährt. Selbst reparieren kann man an modernen Autos kaum mehr etwas, Reservereifen blasen sich von selbst auf und das Waschen wird auch schon weitgehend vollautomatisch erledigt - es braucht also im übertragenen Sinne nicht unbedingt einen Mann, um mit einem Auto zurecht zu kommen.

Und die Frage, wer besser fährt, ist so sinnlos lächerlich, dass man sich als Mann vielleicht einfach von den Stammtischargumenten verabschieden und statt im Auto zu telefonieren, besser nach vorne schauen sollte.