Was ist Schnarchen eigentlich?

„Unter Schnarchen versteht man ein Atemgeräusch, das in den oberen Luftwegen während des Schlafens entsteht. Wenn der Luftstrom zwischen Nasenspitze und Kehlkopf nicht ideal verläuft, kommt es zum Vibrieren der betroffenen Weichteile, man schnarcht.“, erläutert Univ. Prof. Dr. Andreas Temmel, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Die Ursachen für dieses Phänomen sind zahlreich.

Angefangen bei einer altersbedingten Schwächung der Nasenflügel, einer sogenannten Flügelinsuffizienz, über eine verkrümmte Nasenscheidewand oder ein schlaffes Gaumensegel kann Schnarchen viele verschiedene Ursachen haben. „Auch ist es möglich, dass der Zungengrund im Falle einer allgemeinen Gewichtszunahme ebenfalls zunimmt und dadurch der Platz zum Atmen im Hals eng wird. Übermäßiger Konsum von Alkohol führt auch dazu, dass die Muskulatur von Zunge und Gaumen leichter kollabiert.“, so Prof. Temmel. 

 

Welche Arten von Schnarchen gibt es?

Das Phänomen Schnarchen lässt sich laut dem Experten in zwei große Arten einteilen. Die harmlose Form des Schnarchens, von der im Laufe des Lebens beinahe jeder Zweite betroffen ist, stellt lediglich ein soziales Problem dar und ist nicht gesundheitsschädlich oder bedenklich. „Diese Schnarcher machen nur Lärm.“, scherzt Prof. Temmel. Die zweite Form des Schnarchens, das obstruktive Schnarchen, ist deutlich gefährlicher und sollte in jedem Fall zügig behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden. „Beim obstruktiven Schnarchen kann die Sauerstoffsättigung während des Schlafens durch zu lange Atempausen absinken und so Langzeitschäden verursachen. Eine solche Schlafapnoe schädigt das Herz-Kreislaufsystem.“ Im Geschlechtervergleich zeigt sich, dass Männer tendenziell häufiger vom Schnarchen betroffen sind als Frauen. Die Gründe dafür liegen meist im Lebenswandel.

 

Wie werde ich das Schnarchen los?

„Bei der harmlosen Art des Schnarchens, die lediglich ein soziales Problem darstellt, muss der Wunsch der Beseitigung des Schnarchens von Seiten des Patienten kommen“, stellt Prof. Temmel klar. „Wenn jemand hingegen Atemaussetzer hat, wird die Therapiepflicht vom Arzt entschieden.“ Mögliche Therapien beginnen bei einer Gewichtsreduktion und der Verringerung des Zigaretten- und Alkoholkonsums. „Bei anatomischen Problemen im Bereich der Nase reichen Nasentropfen nicht aus, da deren Wirkung zeitlich limitiert ist. In diesen Fällen müsste man eine operative Therapie empfehlen“, so Prof. Temmel.

„Bei Problemen im Bereich des Gaumens kann man sowohl mit Schnarchschienen als auch chirurgisch mit einer operativen Verkleinerung des Gaumensegels agieren.“ Die Chirurgie kann aber laut dem Experten kein Versprechen auf Heilung abgeben, da der Faktor Mensch einen großen Teil der Verantwortung trägt und stark am Behandlungserfolg mitwirkt. Eine Aufbissschiene, die den Unterkiefer nach vorne zieht, empfiehlt sich bei Problemen im Bereich des Zungengrundes. 

 

Vom harmlosen Ärgernis zum Gesundheitsrisiko?

„Kontinuierliches Schnarchen ist meist harmlos.“, stellt der Experte klar. „Ein plötzliches, unvermitteltes Aufgrunzen des Patienten ist jedoch ein Warnsymptom für Atemaussetzer während des Schlafens. Der Übergang vom harmlosen Schnarchen zur Schlafapnoe ist meist fließend.“ Spätestens dann ist es Zeit, einen Arzt aufzusuchen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen.