Diagnose Prostatakrebs – wie sieht der nächste Schritt aus?

Heutzutage werden Prostatakarzinome glücklicherweise meist nicht in einem fortgeschrittenen, sondern in einem lokal begrenzten Stadium entdeckt. Das bedeutet, dass es noch keine Absiedelungen gegeben hat. Schon in diesem Fall gibt es mehrere Optionen. Es gibt auch Karzinome, bei denen man davon ausgeht, dass sie sehr wahrscheinlich für den Mann keine konkrete Bedrohung darstellen. In diesem Fall braucht man keine Therapie, sondern setzt strikte Überwachungsmaßnahmen, um im Fall des Falles doch rechtzeitig behandeln zu können.

Wovon hängt die Entscheidung zu einer Behandlung ab?

Bei der Therapieentscheidung spielen viele Faktoren mit: Welches Alter hat der Patient, wie mobil und belastbar ist er? Wie aggressiv ist der Tumor? Zudem müssen natürlich die Vorstellungen des Patienten – auch in Bezug auf seine Lebensqualität – mitgedacht werden. Manchmal kann es eine Herausforderung sein, sich über alle Optionen zu informieren und zu entscheiden.

Wichtig sind das Gespräch mit dem Arzt und eine gute Aufklärung. Angstmache ist hier fehl am Platz. Denn die positive Nachricht ist: Heutzutage bestehen viele Möglichkeiten.

Wie gut sind die Heilungschancen bei Prostatakrebs?

Heutzutage erkennen wir etwa 75 Prozent der Erkrankungen in einem lokal begrenzten Stadium. Diese Patienten haben – je nach Konstellation – zwischen 60 und 90 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass sie vollständig geheilt werden. Vor allem Operation und Bestrahlung sind hier die zwei Hauptbehandlungsoptionen.

Und die anderen 25 Prozent mit Prostatakarzinom?

Diese Patienten benötigen sehr wahrscheinlich auch eine systemische Therapie wie etwa eine Hormontherapie oder eine Chemotherapie. Aber es ist behandelbar und die Chance ist gut, dass diese Patienten noch relativ lange leben. Aber ich kann wahrscheinlich nicht sagen: „Danke, Sie sind geheilt, gehen Sie nach Hause.“ Man muss das Prostatakarzinom dann wie eine chronische Erkrankung begreifen.

Wie läuft die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium des Prostatakrebs ab?

Es gibt selten nur eine einzige Möglichkeit und alles andere ist falsch. Einer der Grundpfeiler der Prostatakarzinom-Therapie ist die Hormontherapie, bei der dem Patienten Testosteron entzogen wird. Wirkte die Therapie früher nicht, dann gab es eigentlich keine sinnvolle Weiterbehandlung mehr. Heute sind für dieses Erkrankungsstadium zwei Chemotherapien und zwei Formen der weiterführenden Hormontherapie zugelassen. Neue Therapien werden derzeit erforscht.

Chemotherapie ist oft negativ besetzt und wird als Mittel der letzten Wahl gesehen?

Chemotherapie ist nur ein Baustein unter vielen, sie wird unter anderem eingesetzt, wenn die Hormontherapie nicht mehr wirksam ist. Beim Prostatakarzinom ist sie meist gut verträglich, verlängert das Leben und lindert die Beschwerden. Aber selbst wenn man nicht darauf anspricht, bedeutet das nicht das Behandlungsende.