Als Urologe legen Sie in Ihrer Arbeit einen Schwerpunkt auf Prostatakrebs. Wie sieht die aktuelle Situation in Österreich aus?

Prostatakrebs ist der häufigste Tumor beim Mann – sowohl in Österreich als auch allgemein in Europa und in den USA. Jeder vierte Tumor, der neu in Österreich entdeckt wird, ist Prostatakrebs. Das entspricht zirka 4.500 neuen Fällen pro Jahr. Wir gehen davon aus, dass aktuell 50.000 Männer in Österreich davon betroffen sind, wobei jährlich zirka 1.200 Männer an dieser Erkrankung sterben.

Prostatakrebs ist hinsichtlich der Risikofaktoren erblich und hat – obwohl man es nicht exakt feststellen kann – wahrscheinlich mit unserem Lebensstil, insbesondere mit unserer Ernährung, zu tun. Interessanterweise erkranken Europäer und Amerikaner viel häufiger an Prostatakrebs als Asiaten. Wenn Asiaten allerdings in Europa oder Amerika leben, besteht ebenso eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken. Das heißt, dass Prostatakrebs nicht nur rein genetisch, sondern auch durch unseren Lebensstil bedingt ist.

Was kann „Mann“ nun präventiv tun?

Bei einer Vorsorgeuntersuchung kann man Prostatakrebs frühzeitig erkennen. Heutzutage wird dies ab dem 45. Lebensjahr, bei familiärer Vorbelastung ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Das ist insofern wichtig, dass dann die meisten Tumore in einem sehr gut heilbaren Status sind. Die Früherkennung umfasst im Wesentlichen eine Tastuntersuchung sowie die Bestimmung des PSA-Wertes im Labor. Je höher dieser Wert ist, desto eher könnte ein Prostatakarzinom vorliegen. Das ist nicht ganz unumstritten, da der Test nicht exakt ist. Allerdings führt der Test nachweislich dazu, dass die Sterblichkeit rückläufig ist.

Welche Therapieoptionen gibt es?

Es gibt viele Möglichkeiten, etwa eine OP oder eine Strahlentherapie. Heute gibt es schon nachweislich sehr wirksame Medikamente auf dem Markt, um auch fortgeschrittene Tumore zu behandeln. Für Patienten ist es wichtig, dass sie nach einer OP in einer Reha körperlich und seelisch nachversorgt werden. Wir haben an allen Punkten die Möglichkeit, vielfältig anzusetzen und den Patienten über viele Jahre sehr wirksam zu therapieren.

Es hat sich in der Therapie in den letzten Jahren einiges getan und im Moment tut sich auch sehr viel. Die Nebenwirkungen der Therapie sind viel geringer als früher und wir können auch bei fortschreitenden oder wiederkehrenden Tumoren viel sanfter behandeln, als das noch vor zehn Jahren der Fall war. Es gibt zahlreiche nationale und internationale Kongresse und Fortbildungen, bei denen wir neue Tumortherapien oder Operationstechniken diskutieren. Der Bedarf ist groß, das Angebot aber auch!

Wie kann man Patienten nach der Diagnose Prostatakrebs Mut machen?

Das hängt von der Konstellation des Patienten ab. Bei sehr früh entdeckten Tumoren hat man eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit geheilt zu werden. Etwa zehn Prozent der frühzeitig entdeckten Tumore müssen wir heute gar nicht mehr behandeln. Diese Patienten werden einfach nur überwacht. Wenn man einen fortgeschrittenen Tumor diagnostiziert, dann ist es natürlich schwieriger, so positiv darüber zu sprechen.

Aber man kann dem Patienten auf jeden Fall sagen, dass es viele Therapiemöglichkeiten gibt und man in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt hat. Diese Erkrankung ist zwar nicht heilbar, wird aber über viele Jahre stabil gehalten und gleicht einer chronischen Erkrankung. So wie man heutzutage auch Diabetes oder Bluthochdruck nicht heilen, aber sehr gut behandeln kann.

Was können Sie Patienten außerdem noch ans Herz legen?

Ich möchte darauf hinweisen, dass es sehr gefährlich ist, sich nur im Internet zu informieren. Viele Informationen, etwa über Therapiemethoden oder Behandlungsmöglichkeiten, sind einfach falsch. Patienten werden meiner Meinung nach dadurch stark verunsichert. Wichtig ist, zum Facharzt zu gehen und alles in Ruhe zu besprechen.