Dr. Karl Dorfinger
Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen

Beim häufigsten bösartigen Tumor des Mannes, dem Prostatakarzinom gibt es gleich mehrere neue Entwicklungen: Zunächst ist hier die medikamentöse Behandlung von Knochenmetastasen zu nennen.

Patienten mit zumeist knochenauflösenden Prostatakarzinommetastasen hatten früher starke Schmerzen und neigten häufig zu schwer behandelbaren Knochenbrüchen.

Mit der Erkenntnis, dass ein Signal-Eiweiß maßgeblich zur Knochenauflösung im menschlichen Körper beiträgt, gelang die Entwicklung eines monoklonalen Antikörpers, der dieses Protein unschädlich machen kann.

 

 

Neue Erkenntnisse

Eine weitere wichtige Innovation beim Prostatakrebs dürften neue Hormontherapiepräparate darstellen, von denen das erste seit wenigen Monaten für die Behandlung des metastasierten Prostatakarzinoms auch in Österreich zugelassen ist. Diese Substanzen, greifen in den inneren Stoffwechsel der Krebszelle ein und hemmen dort die Wirkung männlicher Geschlechtshormone im Zellkern. Weitere, ähnliche Medikamente warten auf ihre Zulassung. Wenn sich in der langfristigen Behandlung bestätigt, was aus den bisherigen Studien zu erwarten ist, kann man davon ausgehen, dass diese Medikamente die Behandlung des Prostatakarzinoms völlig revolutionieren und in wenigen Jahren zugunsten einer weniger aggressiven Therapie verändern werden.

 

Tabu-Themen

Das Thema Erektionsstörungen wurde durch die bahnbrechende Entdeckung der Phosphodiesterase-Hemmer neu definiert und damit dem meist stillen Leiden vieler Männer ein Ende gesetzt. Diese Medikamentengruppe hemmt den Abbau von Stickstoffmonoxyd, einem wichtigen Molekül für die Gefäßweitstellung im Schwellkörper des männlichen Gliedes. In jüngster Zeit hat sich herausgestellt, dass eines dieser Medikamente auch die Symptome der gutartigen Prostatavergrößerung lindert. Damit können nun beide oft gemeinsam auftretende Störungen, mit einem Medikament behandelt werden.

Die Symptome der überaktiven Blase sind häufiger, plötzlicher, manchmal auch schmerzhafter Harndrang bis zur Harninkontinenz. Seit Jahrzehnten werden dagegen krampflösende Medikamente erfolgreich eingesetzt. Eine relativ neue Substanz aus dieser Gruppe zeigt sich hier nicht nur sehr wirksam, sondern auch vergleichsweise nebenwirkungsarm. 

 

„Gute Nachrichten für Männer: Neue Entwicklungen in der Urologie können ihr Leben verlängern und verbessern.“

 

Und auch für kleine Männer hat die Urologie gute Nachrichten: Das nächtliche Einnässen ist besonders für Buben ab dem 5. Lebensjahr sehr belastend. Mit einer kinderfreundlichen Schmelztablette, die man einfach unter der Zunge auflösen lassen kann, müssen die Kinder das Medikament nicht mehr mit einem unangenehmen Nasenspray zu sich nehmen, was durch häufige Atemwegsinfekte oft mit schlechter Wirkstoffaufnahme verbunden war. 

 

Operative Urologie

Aber auch in der operativen Urologie gibt es zahlreiche Erfolge zu nennen, wie die modernen endo- und laparoskopischen Operationstechniken oder die stark verbesserten Eingriffstechniken bei Harninkontinenz oder bei Prostatakrebs. Der wissenschaftliche Fortschritt in der Urologie hat dazu beigetragen, das Leben der  betroffenen Männer zu verlängern, vor allem aber auch zu verbessern. Am besten geschieht das aber durch einen gesunden Lebensstil. Die Österreichischen Urologen haben ein entsprechendes Beratungsangebot für Rat Suchende bereit.

 

Jetzt müssen lediglich noch die Männer Ihrer Urologin oder ihrem Urologen die Chance dazu geben, indem sie spätestens ab dem 40. Lebensjahr  zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Denn: Richtige Männer leben länger!