Das Attribut „männlich“ hat für Sie welche Bedeutung?

Der Reflex ist, gleich mal Stereotypen zusammenzusammeln, körperliche (Muskelkraft), charakterliche (Risikobereitschaft, Disziplin, Selbstkontrolle, Mut), mentale (Dominanz, Rationalität, Vision). Ups, die Liste ist unvollständig; wäre sie auch, wenn sie vollständig wäre. Es regt sich Widerstand: „Stimmt nicht!“, „Kann man nicht verallgemeinern!“

Die Bedeutung des Attributs „männlich“ ist nicht so einfach einzugrenzen, sonst könnte man die Formel schützen und eine Guideline „Dann ist ein Mann ein Mann“ für alle rausgeben. Die gibt's aber für keinen von uns! Männlich sein bedeutet also, über weite Strecken ohne Kompass auf instabilem Untergrund zur eigenen Männlichkeit zu navigieren. Und DAS – das Gegenteil der Idee, das Leben kontrollieren zu können – heißt es lieben zu lernen.

Wir alle hatten Rollenvorbilder, die uns nach bestem Gewissen Landkarten mit auf den Weg gaben. Nur verändert sich die gesellschaftliche Landschaft ständig und die Landkarten stimmen nicht mehr. Beispiel: Sich dem Thema Gefühle intensiv zu widmen, würde man als weiblich ansehen, richtig?

Ich könnte allerdings ohne diese intensive Widmung meinen Job als Seminartrainer nicht machen, denn in unseren Formaten ist das Thema Körper und Gefühle elementar. Trotzdem (oder deshalb?) haben wir einen hohen Männeranteil. Also: alles nicht so eindeutig, alles in Bewegung.

Wie aktuell sind die traditionellen Rollenbilder noch? Welchen Einfluss hat die Gesellschaft darauf?

Tradierte Rollenbilder wirken noch immer in uns und durch uns hindurch, was uns mehr oder weniger bewusst ist. Und gleichzeitig erweitert sich das Rollenrepertoire ständig, das macht die Sache komplex. Der gestrige Tag in meinem Leben: Den Kids abends vorlesen, der Kleinen die Windel wechseln (besser als in der Nacht das Bettzeug ;-).

Seichter Schlaf mit drei Damen im Bett (Partnerin, Töchter 4 / 2,5). Zeitig raus – Adventkalender-Türl-Öffnen, Liveshow Schneeschaufeln, Kindergarten-Taxi, den Fisch aus der Gefriertruhe holen. Dann Büro, Telefonate, eine Coaching-Session, eine Stunde Langlaufen und für einen Vortrag nach Linz fahren. Spät wieder heim, noch kurz erzählen wie's war, meditieren, schlafen.

Ziemlich viele Rollen, an einem Tag, oder? Ich liebe meinen Alltag, er ist straff wie bei vielen und ehrlich: auseinanderzuklauben, was männliche und weibliche Rollenanteile sind und ob das Verhältnis passt, geht sich da nimmer aus. Geht sich für unsere Gesellschaft aktuell auch nur so intensiv aus, weil uns zum Glück keine existenzielleren Themen davon abhalten.

Körper & Psyche – welchen Herausforderungen muss sich ein Mann heute stellen?

Körper und Psyche sind untrennbar miteinander verbunden und die Verbindung ist das wichtigste Werkzeug, egal, was wir im Leben tun. Aus eigener Erfahrung und meiner Erfahrung mit Tausenden Menschen in unseren Trainings und Seminaren: Regelmäßig eine Stunde Bewegung an der frischen Luft ist, so banal es klingt, die Basis, um fit für ziemlich jede Herausforderung des Alltags zu sein.

Hält Sport auch mental fit?

Ja! Das ist durch unzählige Studien bewiesen! Dass die Politik bei der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen wie Bildung, Gesundheit, Integration auf die Ressource Sport und Bewegung nicht mehr zugreift, verrät viel über's System. Bis jetzt scheint eine mental fitte Gesellschaft noch nicht das bessere Geschäft zu sein…

Ihr Rat für alle Männer da draußen?

Ja, hätte ich einen (auch für Frauen!): Mehr von dem, was nützt und nährt, und weniger von dem, was schadet und uns an dem hindert, was uns wichtig ist. Diese Lebensqualität finden wir in der Präsenz – nicht gestern, nicht morgen. Wie meine Trainerkollegin Anna Demel immer sagt: „Im Jetzt ist wenig los.“