Den Mann erwartet während seiner Lebensspanne ein weit größeres Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und an Krebs. Die Wahrscheinlichkeit von Unfällen, von hohem Alkohol- und Nikotinkonsum und Suizid sind weitere signifikante Faktoren, die seine Lebenserwartung verringern. Während maximal ein bis zwei Jahre der unterschiedlichen biologischen Ausstattung zuzuordnen ist, weisen die restlichen Jahre der unterschiedlichen Lebenserwartung recht nüchtern auf besorgniserregende männliche Verhaltensweisen hin.

Männer ernähren sich ungesünder als Frauen sowohl in Bezug auf  Menge als auch auf die Auswahl der Nahrungsmittel. Die Folge ist eine Neigung zu Adipositas in jungen Jahren, zu Hypertonie, erhöhtem Cholesterinspiegel und Übergewicht, was Männer besonders für Herz-Kreislauf-Erkrankungen prädistiniert.

Männer nehmen viel später Krankheitszeichen am eigenen Körper wahr und beteiligen sich auch viel weniger an Screening-Aktionen, was wiederum ihr Krebsrisiko erhöht.

Auch können Männer weniger leicht soziale Unterstützung annehmen - weder im privaten Bereich noch in Form professioneller Hilfe. Physischer und psychischer Stress wird von ihnen eher mit Alkohol und Nikotin kompensiert, als dass sie das Gespräch suchen. Im Endeffekt liegt hier auch die größere männliche Suizidrate begründet. Schließlich ist das männliche Risikoverhalten für die größere Unfallhäufigkeit gerade jüngerer Männer verantwortlich.

Fragen der Männlichkeit

Diese männlichen Verhaltensweisen stehen in engem Zusammenhang mit den Normen und Werten eines gesellschaftlich dominanten Männerbildes. Dieses Bild forciert den leistungsbereiten und -fähigen Mann, der sich unabhängig und selbstbewusst durchsetzt und sein Leben in Griff hat. Seine größten Herausforderer sind die männlichen Geschlechtskollegen, mit denen er um Prestige, Status und Anerkennung rittert. Mit ihnen ist er in Konkurrenz und Hierarchie verbunden.

Die Eigenart dieser männlichen Konkurrenz ist, dass sie nicht nur trennt, sondern auch verbindet. Pierre Bourdieu hat für diese Form der männlichen Bezogenheit das Gegensatzpaar „Partner-Gegner“ geprägt. Er brachte damit treffend die Gleichzeitigkeit von tiefer Solidarität unter Männern, die jedoch immer auch das Gefühl der Konkurrenz durchzieht, zum Ausdruck.

Diese Männlichkeitsnormen üben auch großen Einfluss auf die Beziehung von Männern zum eigenen Körper aus. Der Körper wird funktionalisiert und zum Mittel, um in einer Männerwelt bestehen zu können. Ein nachhaltiger und vorsorgender Umgang mit ihm steht in diesem Männerbild ebenso wenig im Vordergrund wie auf persönlichen Austausch beruhende partnerschaftliche Beziehungen.

Ausweiten der Aufmerksamkeit

Für immer mehr Männer wird diese an Konkurrenz und Hierarchie unter Männern orientierte Lebensform zum einengenden Korsett. Sie suchen nach freieren und erfüllteren Formen, ihr Mannsein zu leben. Die Sorge um andere und um sich selbst wird zunehmend zu ihrem Anliegen. Sie versuchen ihr einseitig an Beruf und Karriere orientiertes Leben um Bereiche zu erweitern, in denen sie sich verstärkt um persönliche Beziehungen kümmern und in Selbstsorge zu einem gelingenden und genussfähigen Leben kommen wollen.

Wandeln der Werte

Für diese Männer stellt die Kampagne „Für Männer“ eine wertvolle Unterstützung dar. Sie wirkt an dem unter Männer begonnen Wertewandel mit, indem sie Themen wie Gesundheit, Vorsorge, Hygiene und Pflege in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Gleichzeitig stellt sie Perspektiven für ein genussvolles Männerleben vor, wenn sie Sport, Fitness und andere Objekte männlichen Begehrens aufgreift.

Schließlich wendet sie sich dem so wichtigen Bereich der Männergesundheit zu. Ausführlich behandelt sie männliche Herausforderungen, wie die erektyle Dysfunktion, urologische Erkrankungen und Probleme des alternden Mannes und zeigt Wege des Umgangs damit auf. Die Kampagne „Für Männer“ ist ein wertvoller Beitrag auf dem Weg zu neuen, an nachhaltiger Sorge orientierten Männlichkeitsbildern.