Dr. med. univ. Darius Chovghi
Facharzt für Allgemeinmedizin

Für wen ist Beckenbodentraining sinnvoll?

Mit den Jahren wird der Beckenboden bei allen Menschen schwächer. Vor allem Frauen sind davon betroffen, sie haben anatomisch gesehen einen schwächeren Beckenboden und sind durch Geburten einer zusätzlichen, wesentlichen Belastung ausgesetzt. Vorbeugend ist das konsequente Training für jeden sinnvoll, vor allem aber wenn bereits Beschwerden aufgetreten sind. Die Studienlage zeigt eindeutig: Je früher man beginnt, desto besser ist die Prognose.

Welche Möglichkeiten habe ich, den Beckenboden zu kräftigen?

Eine Variante ist die Beckenbodengymnastik, die man praktisch überall machen kann – selbst in der U-Bahn. Nach einer einmaligen Einschulung durch einen Fachmann, sind die notwendigen Übungen zuhause in jede Form der Gymnastik integrierbar, die Anspannungsübungen kann man teilweise auch unbemerkt im Büro erledigen. Sinnvoll ist es, zumindest zwei- bis dreimal die Woche zu üben und das etwa fünf bis zehn Minuten. Gymnastik eignet sich vor allem zur Prävention.

Und wenn bereits Probleme des Beckenbodens bestehen?

Eine Möglichkeit ist es, mit repetitiver peripherer Muskelstimulation (rPMS) zu arbeiten. Die Beckenbodenmuskulatur wird dabei mit Hilfe eines starken Magnetfeldes zu Kontraktionen angeregt. Diese Kontraktionen sind deutlich intensiver als dies willentlich möglich ist. Somit entspricht diese Therapie einem intensiven und deutlich effektiveren Krafttraining. Diese Form der Muskelstimulation ist eine ideale Option zu Beginn den Beckenboden intensiv zu kräftigen, um im Anschluss mit Beckenbodengymnastik den positiven Effekt zu erhalten.

Wann kann man sich auf die ersten Erfolge freuen?

Bei rPMS braucht es meistens vier bis fünf Sitzungen bis eine erste Besserung eintritt, insgesamt kann man mit etwa zehn bis zwanzig Sitzungen rechnen. Bei der Gymnastik in Eigeninitiative braucht es etwas länger. Konsequent durchgeführt, mindestens dreimal die Woche, zeigen sich  nach drei bis vier Wochen Effekte.

Werden die Kosten für die Muskelstimulation zur Stärkung des Beckenbodens von der Krankenkasse übernommen?

Noch ist das eine reine Privatleistung. Für die Behandlung benötigt man eine ärztliche Freigabe, um etwaige Kontraindikationen wie etwa Metallimplantate oder Herzrhythmusstörungen auszuschließen.

Gibt es Risikogruppen, denen Sie ein vorbeugendes Beckenbodentraining auf jeden Fall ans Herz legen würden?

Frauen, die eine oder mehrere natürliche Geburten hatten, sind besonders anfällig für Harninkontinenz. Hier eignet sich rPMS auch als Training zur Rückbildung nach einer Schwangerschaft. Grundsätzlich müssen Frauen eher an die Prävention denken. Übergewicht oder ein schwaches Bindegewebe sind weitere Faktoren, die das Auftreten von Inkontinenz im Alter begünstigen. Männer sind vor allem nach Prostataoperationen gefährdet. Oft gehen damit auch Schwächungen in der Gesäß- und Rückenmuskulatur einher, diese sollte dann ebenfalls mittrainiert werden.