Was ist eine „erektile Dysfunktion“ - eine Erektionsstörung?

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn bei sexueller Erregung keine oder nur eine schwache Erektion (Gliedversteifung) zustande kommt oder wenn eine Erektion vor dem Höhepunkt nachlässt.

Wie häufig tritt eine derartige Störung auf?

Störungen der Erektion sind ein häufiges Problem und können in unterschiedlicher Verteilung in fast allen Altersstufen angetroffen werden. Es sind zwischen 5 und 50 Prozent der Männer in unterschiedlich schwerer Ausprägung betroffen.

Jeder dritte Mann wird erfahrungsgemäß im Laufe seines Lebens zumindest vorübergehend eine Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit erleiden! Hiervon können auch jüngere Männer betroffen sein.

Aufgrund steigender Begleitfaktoren werden Probleme mit der Erektion mit steigendem Alter häufiger, sie können jedoch mit Hilfe von modernen andrologischen Untersuchungstechniken genau untersucht und an den Patienten angepasst gut behandelt werden. Derzeit muss man davon ausgehen, dass mehr als 600.000 Österreicher regelmäßig Potenzprobleme haben.

Dabei genügt vielfach nur eine schwach ausgeprägte Störung, um sich aus Scham und Angst aus dem Sexualleben zurückzuziehen.

Sind Erektionsstörungen (un-)gefährlich?

Erektionsstörungen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. In keinem Falle sollten sie einfach selbst behandelt oder übergangen werden- hier warne ich explizit vor einer "Selbsttherapierung" über das Internet. Vielmehr sollten sie als Warnzeichen des Körpers verstanden werden, da sie oft das erste Anzeichen einer bis dahin unerkannten anderen Erkrankung, wie einer Zuckerkrankheit oder einer koronaren Herzerkrankung darstellen können.

Was sind die Ursachen für eine derartige Störung?

Als Hauptursachen gelten Störungen des Gefäß- und des Speichersystems des Penis, gefolgt von Ursachen, die die Steuerung des Erektionsvorganges betreffen. Diese generellen Ursachen können weiter unterteilt werden. Hier sind Erkrankungen des zuführenden Gefäßsystems (wie zum Beispiel Arteriosklerose), des abfließenden Systems (wie zum Beispiel ein so genanntes "Venöses Leck", in diversen Fachschriften  von mir genauer ausgeführt) oder der kleinen Gefäße im Schwellkörper durch Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) besonders häufig.

In jungen Jahren sollte man vor allem nach Nervenerkrankungen (wie zum Beispiel Multiple Sklerose), Hormonstörungen oder nach Unfällen forschen.

Weiterhin sind viele Medikamente in der Lage, eine Erektionsstörung durch Beeinflussung der Nervenreizübertragung zu verursachen. Obwohl die Liste der Medikamente sehr lang ist, gehören vor allem Mittel gegen Bluthochdruck und Psychopharmaka dazu. Oft ist nicht bekannt, dass ein Medikament, das zum Beispiel gegen eine völlig andere Erkrankung (wie zum Beispiel gegen Magengeschwüre) eingenommen wird, das Problem hervorrufen kann. Gelegentlich ist auch eine Kombination von Faktoren verantwortlich für den Zustand.

Hierbei ist es auch wichtig die persönlichen Lebensumstände und weitere Risikofaktoren wie persönlicher oder beruflicher Stress, Rauchen, Fettleibigkeit, Mangel an sportlicher Aktivität oder Prostatabeschwerden entsprechend zu würdigen. Vielfach kann die Reduktion dieser zusätzlichen Faktoren zu einer Verbesserung führen, in jedem Falle  - sollte eine weitere Verschlechterung der Situation verhindert werden.

Was ist denn mit dem Kopf?

Auch wenn eine organische Ursache in vielen Fällen gefunden wird, darf der Patient aber mit den psychischen Auswirkungen einer derartigen Erkrankung nicht allein gelassen werden. Denn plötzlich „nicht mehr zu können“ ist eine starke seelische Belastung für alle Betroffenen! Aus der Angst und dem inneren Druck, den eigenen Ansprüchen und denen des Partners nicht mehr genügen zu können, kann ein unterbewusster Teufelskreis entstehen, der sich dann langfristig auf das ganze persönliche Umfeld ausweitet. Soziale und Beziehungsprobleme sind vorprogrammiert und oftmals schwerwiegende Folgen von Impotenz. Im Bedarfsfalle sollten psychologische Hilfestellungen angeboten werden.

Wie geht’s weiter?

Die bloße Behandlung mit Tabletten oder Spritzen ist in keinem Falle ausreichend! Es sollte immer eine eingehende Befragung und Untersuchung durchgeführt werden, um mögliche Ursachen zu erkennen und eventuell gezielt behandeln zu können.

Neben den langläufig bekannten Behandlungen mit Tabletten und Injektionen stehen aber seit einiger Zeit auch andere Therapiemöglichkeiten, wie die Stoßwellentherapie oder interventionelle/operative Maßnahmen zur Verfügung.

Hierzu dienen ganzheitliche Konzepte der Behandlung einer Erektionsstörung in einem ausgefeilten Stufenschema, die auch die Reduktion von Risikofaktoren beinhaltet.