Mutterglück, Vaterglück, Elternglück? Das sind Stichwörter, die Paare mit Fertilitätsproblemen wohl als Sehnsuchtsbegriffe innerlich manifestiert haben. Wer sich in der Lage befindet, gerne ein Kind bekommen zu wollen, es aber trotzdem nicht mit einer Schwangerschaft klappt, steht vor einer schier unüberwindbaren Hürde. Schuldzuweisungen, emotionaler Stress oder psychischer Druck können in dieser herausfordernden Phase die Beziehung zusätzlich belasten.

Dabei kann heute, dank moderner medizinischer Techniken, dem Kinderwunsch nachgeholfen werden. Zunächst gilt es allerdings herauszufinden, warum es zu keiner Schwangerschaft kommt. Die Ursachen für Unfruchtbarkeit können dabei sowohl bei der Frau als auch beim Mann liegen. Obwohl Frauen oft im Fokus stehen, wenn es darum geht, schwanger – oder eben nicht schwanger – zu werden, kann es entgegen weitläufigen Meinungen genauso gut am Mann liegen.

Künstliche Befruchtung

Die Ursachen für männliche Infertilität können von Problemen mit der Samenqualität über (Vor-)Erkrankungen bis hin zu emotionalen Faktoren reichen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind dabei abhängig von der individuellen Situation. Ist es aber für ein Paar nicht möglich auf natürlichem Wege ein Kind zu zeugen, ist die umgangssprachlich genannte „künstliche Befruchtung“ eine Option.

Seit die ersten Methoden zur In-Vitro-Fertilisation in den 1960er- und 1970er-Jahren getestet wurden, hat sich die moderne Medizin enorm weiterentwickelt.

Mittlerweile gibt es verschiedene Arten der In-Vitro-Fertilisation (IVF), welche in Spezialzentren, die im besten Fall nicht nur mit medizinischer Expertise glänzen, sondern auch nach ethischen Grundsätzen arbeiten, durchgeführt werden. Klassischerweise werden bei der IVF die weiblichen Eizellen, die zuvor aus dem Eierstock entnommen werden, in einem Reagenzglas mit den männlichen Samenzellen befruchtet.

Anschließend wird der daraus entstandene Embryo wieder in die Gebärmutter eingesetzt, was medizinisch als Embryo-Transfer bezeichnet wird.

Eizelle + Spermium = Kind?

Der Samenqualität kommt im IVF-Prozess eine zentrale Rolle zu. Liegt die Unfruchtbarkeit nämlich an der schlechten Samenqualität des Mannes, die wiederum durch verschiedene Faktoren oder Erkrankungen beeinflusst wird, kommt die Intracytoplasmische Spermieninjektion (ICSI) zum Einsatz. Dabei wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert. Um den Samen für diesen Vorgang gewinnen zu können, werden invasive Eingriffe am Hoden durchgeführt.

Finden sich im Samen gar keine oder nur sehr wenige Samenzellen, wird die Testikuläre Spermien Extraktion, kurz TESE, angewendet. Ist hingegen der Samenleiter verschlossen, bringen SpezialistInnen die Testikuläre Spermien Aspiration, kurz TESA, zum Einsatz. Offensichtlich wird dabei, dass der scheinbar simple Prozess der Empfängnis medizinisch gesehen durchaus komplex und nicht immer einfach zu verstehen ist.

Doch genau dafür sind SpezialistInnen in den diversen Kinderwunschzentren da. Selbst Paaren, die früher das Schicksal Unfruchtbarkeit einfach so hinnehmen mussten, kann so dank intensiver Forschung heute geholfen werden.