Wie sind Sie mit der Diagnose Hodenkrebs umgegangen?

Überraschend für mich selber! Als ich die Diagnose erhalten habe, ist mir an Ort und Stelle bewusst geworden, dass ich jetzt überhaupt keine andere Wahl habe, als positiv auf das Ganze zuzugehen. Mir war sofort klar, dass ich so aktiv wie möglich und gemeinsam mit den Ärzten mein Bestmögliches tun werde, um durchzukommen. Die zweite Option wäre gewesen, niederzubrechen, sich leid zu tun und das Ende kommen zu sehen. Doch das bringt niemanden weiter!

Wer oder was hat Ihnen dabei Kraft gegeben?

Meine damalige Freundin, mittlerweile Frau, war mir damals eine fantastische Stütze! Man braucht Menschen, die für einen in diesem Moment da sind und sich auch die Zeit dafür nehmen. Genau das hab ich übrigens auch gemacht. Als Selbständiger habe ich zuerst, unabhängig der finanziellen Konsequenzen, aufgehört zu arbeiten und mich auf dieses Projekt konzentriert. Ich hatte wahrscheinlich auch viel Glück, weil es sehr frühzeitig erkannt wurde.

Es hat Gott sei Dank alles funktioniert und mich in gewisser Art und Weise auch stärker gemacht. Denn: Wenn man so etwas einmal in den Griff kriegt, dann schreckt einen nicht mehr so schnell etwas.

Wie haben Sie es geschafft, mental durch diese Zeit zu kommen?

Ein paar Jahre davor habe ich mit Freunden auf Bali Surfen gelernt. Eine der Weisheiten, die mir die Jungs damals beigebracht haben, war, dass Surfen eine Lebensphilosophie ist. Wenn man surft, rollen ein paar Tonnen Wasser auf einen zu und die interessieren sich überhaupt nicht für dich, wenn du hilflos und ängstlich auf einem Surfbrett liegst.

In diesem Moment hast du eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder du kämpfst dagegen an, doch die Welle wird höher und es wird unangenehm. Oder du akzeptierst, dass es unangenehm werden könnte, drehst dich aber um, beginnst zu paddeln.

Im besten Fall stehst du dann auf, reitest auf der Welle und hast dabei auch noch eine echt gute Zeit! Diese Weisheit hab ich mir damals gemerkt und bin genauso an die Erkrankung heran gegangen. Es bleibt einem ja sowieso nichts anderes über!

Das heißt, Surfen ist für Sie Lebensphilosophie und hat Ihnen auch Weisheiten für schwere Zeiten eröffnet?

Ob aus Kunst, Sport oder anderen Bereichen, man kann aus vielen Quellen Kraft schöpfen. Für mich war Surfen in diesem Moment das Passende. Das erste Bild, das mir gekommen ist, war, dass der Krebs als Welle auf mich zurollt und ich mich entweder mit Händen und Füßen wehren oder eben umdrehen und aufstehen kann.

Ich bin in dieser Zeit drauf gekommen, dass man Ärzte ganz viel fragen sollte, um zu verstehen, was da gerade im Körper passiert. So kann man damit im Kopf arbeiten und aktiv am Heilungsprozess teilnehmen.

Sie haben die Krankheit überwunden. Wie sehr hat das Ihren Blickwinkel auf das Leben verändert?

Ich habe ein paar Verhaltensmuster, die vielleicht schwachsinnig, energieraubend oder unnötig waren, abgelegt. Für mich war es aber auch eine gute Bestätigung, wie ich mein Leben bis dorthin gelebt habe. Ob ich jetzt 30, 80 oder 100 Jahre zu leben habe, ich wollte nicht am Ende dastehen und denken, dass ich lieber etwas anderes gemacht hätte, mich aber nur nie getraut habe, weil es irgendjemand von mir anders erwartet hätte. Ein Jahr nach meiner Erkrankung ist mein Sohn zur Welt gekommen. Er ist jetzt drei Jahre alt und ich kann sagen: Ein Kind verändert den Blickwinkel auf das Leben noch viel mehr!

Mit den Schnauzer-Portraits von Prominenten haben Sie „Movember“, eine Awareness-Aktion für Hoden- und Prostatakrebs, in Österreich bekannt gemacht. Inwiefern kann Fotografie Menschen bewegen?

Ich bin absolut davon überzeugt, dass man mit Fotografie Menschen bewegen kann! Wir sollten aber alle mit dem, was wir können, Menschen bewegen. Nicht nur wir in den kreativen Berufssparten, sondern in jedem Job! Mir ist im Krankenhaus klar geworden, dass ich mit meiner Vorgeschichte bei Ö3 einfach mein Telefonbuch zur Hand nehmen und Prominente bitten könnte, sich für ein Movember-Foto einen Schnauzer zu rasieren. Movember hat zu diesem Zeitpunkt ja eigentlich niemand in Österreich gekannt. Wir konnten mit den Foto- und Kalenderprojekten ja nicht nur Geld sammeln, sondern vor allem Aufmerksamkeit erzielen.

Bei der Movember-Aktion geht es stark um die Sensibilisierung für Männergesundheit. Mit Ihrem Engagement sind Sie mit Ihrer Krankheit sehr offen umgegangen. War das eine Art Verarbeitungsstrategie?

Nein, gar nicht! Mir war zwar klar, dass über kurz oder lang auch der Fokus auf mich gerichtet sein wird, aber das war eigentlich nie das Ziel. Öffentlich so etwas zu verarbeiten, ist wahrscheinlich keine gute Idee! Mich stört es aber nicht, öffentlich darüber zu reden. Ich habe ja nichts verbrochen und es ist nichts, worüber man nicht reden kann. Das ist ja der Punkt und genau daraus resultiert dieses idiotische Männerverhalten! Ich habe im Krankenhaus die Zahlen von Neuerkrankungen gelesen, die von Jahr zu Jahr mehr werden. Es kann daher nur gut sein, das zu thematisieren. Lasst es uns gemeinsam verhindern!

Wie können Sie anderen Menschen Mut machen, die gerade Ähnliches wie Sie durchmachen oder durchgemacht haben?

Die Situationen, in denen die Menschen stecken, sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Ich weiß, wie sich so eine Situation anfühlt, wenn man völlig im Ungewissen ist. Im Nachhinein kann ich eigentlich nur sagen, dass man alles daran setzen soll, positiv an die Sache heranzugehen und aktiv mitzuarbeiten. Außerdem sind Freunde und Familie ganz wichtig!

Man sollte nicht einen Kampf gegen die Krankheit führen, sondern alles in positive Lebensenergie stecken und so dem Krebs entgegentreten. Man kann ganz viel im Kopf mitentscheiden, was sich im Körper so tut. Ein Kampf ist immer etwas Anstrengendes und nach vorne gerichtete Energie ist im Gegensatz dazu positiver Stress – und das ist immer besser als negativer Stress.

Also alles in positive Lebensenergie stecken! Was hab ich letztens auf Facebook gelesen? Ach, ja: Für leiwand und gegen oasch!