Die Sonne kitzelt Johanns Nase. Der Junge springt aus dem Bett und reißt die Vorhänge auf. Der neue Tag blendet, jeder Sonnenstrahl wird von unendlich vielen Schneekristallen gebrochen und reflektiert. Über Nacht hat sich die Welt verändert: Haus und Garten sind in Weiß gehüllt. Johann starrt und staunt.

Dann weckt er Maria und Toni, die sofort raus wollen. Hand in Hand stürmen die Kinder ins Schlafzimmer der Eltern: „Wir wollen raus! Es hat geschneit! Alles ist weiß! Die Sonne scheint! Aufwachen!“ Max und Sara brauchen etwas, um die aufgeregten Kinder zu verstehen. Max schaut flehend zu Sara, er würde gern noch schlafen. Sara hat eine Idee: „Heute frühstücken wir mitten im Schnee!“

Rollladen rauf!

Als Max schlaftrunken dem Duft frisch gebrühten Kaffees folgend in die Küche stolpert, ist dort kein Mensch zu sehen. Auch Kater Carlos Lieblingsplatz ist leer. Dafür hört Max irgendwo im Haus Bestecke klappern und Stimmen plappern. Er geht den Geräuschen nach und traut seinen Augen kaum: Seine Familie sitzt im Wintergarten auf einer rot-weiß gepunkteten Picknickdecke wie mitten im Schnee – und frühstückt!

Sara hat die Rollläden des Wintergartens komplett raufgefahren, sodass die Morgensonne den Glasanbau durchflutet. Max schenkt sich Kaffee ein und quetscht sich neben Carlos auf die Decke: Der Kater aalt sich im Sonnenschein.

Rollladen runter!

Während Max mit den Kindern rodelt, sitzt Sara in ihrem Lieblingssessel im Wintergarten und steckt ihre Nase in ein Buch. Ab und zu schweift ihr Blick in den Garten. Hinter den Glasscheiben glitzert der Schnee. Sara lächelt dankbar für diesen Moment mitten in der Natur und doch geschützt vor der Winterkälte.

Als die Mittagsonne es zu gut mit ihr meint, lässt Sara die Rollläden auf der der Sonne zugewandten Seite per Fernbedienung herunter. Carlos – plötzlich im Schatten – sucht sich ein neues Sonnenplätzchen.

Nach dem Mittagessen bauen die Kinder eine Schneefamilie im Garten. Max hat genug vom weißen Nass und setzt sich zu Sara in den Wintergarten, das Laptop auf dem Schoß, ein Fußballspiel auf dem Schirm. Irgendwann nickt er darüber ein.

Rollladen rauf!

Als die Schatten länger werden, stehen draußen fünf Figuren mit Kohleaugen und Karottennasen. Max fährt die Rollläden ganz ein, um den Sonnenuntergang ungestört zu genießen. Sara lockt die Kinder mit heißer Schokolade ins Warme. Begeistert schaut die Familie auf ihr Ebenbild aus Schnee. Nur Carlos lässt der Schneekater kalt. Er macht es sich in der Ecke des Wintergartens bequem, direkt am Ende des letzten Sonnenstrahls.

Rollladen runter!

Am Abend kommen Gäste: Sara tischt im Wintergarten auf, während Max die Kinder bettfertig macht. Beim Abendessen geht es laut und fröhlich zu. In den Scheiben des Wintergartens spiegeln sich die Kerzenlichter. Johannes fährt die Rollläden herunter und schließt neugierige Blicke der Nachbarn aus. Zugleich bleibt so die Wärme im Glashaus.

Rollladen rauf!

Die Gäste sind fort, die Teller und Gläser leer. Der Mond lässt den Schnee im Garten silbern leuchten. Johannes fährt die Rollläden des Wintergartendachs ein. Es ist, als stünden er und Sara plötzlich unter freiem Sternenhimmel.