Über Jahrtausende hat der Mensch seine Augen genutzt, um in der Ferne nach Raubtieren zu spähen. Oder beim Streifen durch Felder und Wälder nach Leckerbissen Ausschau zu halten. Heute fällt der Blick oft nur noch auf den Bildschirm oder das Smartphone bei künstlichem Licht in nicht einmal einer Armlänge Entfernung ­– unsere Lebensumstände haben sich drastisch verändert.

Vor allem Vielleser und Schreibtischtäter, die am Bildschirm arbeiten, sind davon betroffen. Unser wichtigstes Sinnesorgan bekommt wenig natürliche Abwechslung und kaum Entspannung. Doch ständige Anspannung erzeugt Verspannung. Wenn diese dann den Augapfel verformen, entstehen zunehmend Fehlsichtigkeiten. Doch die meisten Sehschwächen sind reversibel.

Es ist möglich, die eigene Sehleistung aktiv zu verbessern und möglicherweise sogar auf Sehhilfen verzichten zu können. Dennoch soll bei häufigen Augenbeschwerden und Nachlassen der Sehkraft unbedingt ein Augenarzt aufgesucht werden. Achten Sie auch auf günstige Arbeitsbedingungen zur Augenschonung, wobei vor allem der Bildschirmstandort eine wesentliche Rolle spielt.

Geringer Aufwand, große Wirkung

Der Bildschirm sollte nicht vor einem Fenster positioniert werden oder so, dass sich Lichtquellen darin spiegeln. Im Handel gibt es eigens dafür spezielle Blendschutzfolien. Auch können die Helligkeit und der Kontrast jedes Bildschirms nachgeregelt werden. Wichtig ist auch die regelmäßige Erholung der Augen, Überlastungserscheinungen sind brennende, trockene Augen oder Kopfschmerzen.

Entspannend für's Sehen wirkt schon das minutenlange Blinzeln und in die Ferne schauen. Wurden die Augen extrem mit Bildschirmarbeit belastet, können vielleicht auch kühlende Kompressen oder die altbekannten Gurkenscheiben zusätzlich Linderung schaffen. Mit dem sogenannten „Palmieren“, bei dem Sie die geschlossenen Augen für einige Minuten mit vorher gegeneinander geriebenen und dadurch erwärmten Handflächen abdecken, können Sie wundervoll entspannen.

Auch das sogenannte Augensonnen hat diesen Effekt: ein kurzer Blick mit geschlossenen Augen in die Sonne, aber nicht die Mittagssonne, wärmt und lindert Schmerzen. Soforthilfe verspricht auch Akupressur: mit Daumen und Zeigefinger die Punkte seitlich vom Nasenflügel drücken, da wo sonst die Brille sitzt. Das Pressen und Reiben unterhalb der Augen, wo die Wangenknochen beginnen, macht müde Augen wieder munter.

Hundert Jahre Augentraining

Augenübungen verbessern zudem die Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Augen, die Linse gewinnt zunehmend ihre ursprüngliche Flexibilität zurück und das Sehvermögen verbessert sich deutlich. Besonders das Augentraining nach William Bates ist hier die Methode der Wahl. Der amerikanische Augenarzt entwickelte in den 1920er-Jahren ein Sehtraining, das die Augenmuskeln stärken und die Entspannung fördern soll.

Der bekannte Schriftsteller und Philosoph Aldous Huxley konnte mit den von Dr. Bates entwickelten Augenübungen seine Augen vor dem Erblinden retten und gewann seine Sehkraft auf einem Auge vollständig wieder. Er beschreibt diesen Heilprozess in seinem Buch: „Die Kunst des Sehens“. Eine Reihe von Therapeuten und Heilpraktikern unterstützen mittlerweile mit sogenannten Sehtrainings orthoptische und pleoptische Behandlungen.

Etablierte Augentrainer gehen ganzheitlich vor und erfassen Stressoren und individuelle Lebensumstände genauso wie den Zustand von Nacken, Schultern, Wirbelsäule und Bewegungsmuster  beispielsweise, um Zusammenhänge zu finden, die zur Sehbeeinträchtigung führten, und wirksame Maßnahmen dagegen zu setzen.

Auch kardiovaskuläre Auffälligkeiten, wie zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, und Stoffwechselanomalien wie Diabetes haben Auswirkungen auf die Sehschärfe. Sehtrainer wissen um diese Zusammenhänge und können mitunter beeindruckende Abhilfe leisten.

Augenyoga

Mit einigen, einfachen Übungen kann man ja schon mal auf Tuchfühlung gehen. Sie bedürfen nicht mehr als einer Minute, denn deren regelmäßige Ausführung ist vor allem entscheidend. Zum Beispiel:

Für strahlende Augen

Halten Sie den Kopf ganz still. Atmen Sie ruhig ein und aus. Lassen Sie Ihren Blick gezielt nach oben und unten, nach links und rechts wandern. Lassen Sie sich etwas Zeit dabei, wenn Sie diese Augenübung zu schnell machen, kann Ihnen schwindlig werden.

Wiederholen Sie die Übung drei bis viermal und wechseln Sie dabei die Reihenfolge Ihrer Blickrichtungen. Schon nach einer sehr kurzen Übung können Ihre Augen spürbar entspannen. Damit ist diese Augenübung auch ideal geeignet, um sich von der anstrengenden Bildschirmarbeit zwischendurch zu entspannen.

Bewegungen im Dunkeln

Schließen Sie die Augen. Richten Sie dann Ihren Blick bei geschlossenen Augen abwechselnd nach unten und oben – Sie bewegen also nur Ihre Augen, in jede Richtung etwa zehn Mal. Dann blicken Sie nach links und rechts, auch wieder zehn Mal. Abschließend machen Sie mit Ihren Augen Kreisbewegungen. Die Steigerung dieser Übung erfolgt dann mit offenen Augen.

Scharfer Blick

Fixieren Sie mindestens eine Minute lang einen Gegenstand in ca. 20 cm Abstand, lassen Sie dann den Blick in die Ferne schweifen und wiederholen Sie das Ganze mehrmals.

Augenmassage

Fassen Sie mit Daumen und Mittelfinger Ihre Nasenwurzel an, da wo die Brille auf der Nase sitzt, und legen Sie gleichzeitig den Zeigefinger zwischen die Augenbrauen. Führen Sie dann mit den drei Fingern leichte Bewegungen durch.

Für eine weitere Variante legen Sie die Mittelfinger beider Hände etwa auf die Mitte der Stirn und führen dort gleichförmige Kreisbewegungen durch. Bewegen Sie dabei die Finger langsam jeweils seitlich über die Schläfen und dann nach unten, dicht an den Ohren entlang bis zu den Ohrläppchen.