„Mit Tränen in den Augen ist man blind“, trällerte Julio Iglesias in den frühen Achtzigern. Sicherlich kein angenehmer Zustand. Ein großer Teil der Bevölkerung kann aber auch ein Lied davon singen, dass ein zu geringer Anteil an Tränenflüssigkeit alles andere als angenehm ist. Betroffen sind davon überwiegend Frauen und ältere Menschen, da die Tränenmenge mit zunehmendem Alter allmählich abnimmt und die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre die Bildung der Tränenflüssigkeit beeinflusst.

Was sind die Ursachen trockener Augen?

Das sogenannte Sicca-Syndrom (lateinisch siccus: trocken) wird als Störung der Tränen und Augenoberflächen definiert. Für das Aufreißen des Tränenfilms gibt es im Wesentlichen zwei mögliche Ursachen: erstens eine Unterversorgung des Auges mit Tränenflüssigkeit aufgrund zu geringer Produktion oder verminderten Lidschlags und zweitens eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit.

Der Tränenfilm auf unserem Auge besteht aus drei Schichten. Die innere Schicht sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit am Auge haften bleibt. Die mittlere wirkt entzündungshemmend und versorgt die Hornhaut mit Flüssigkeit und Nährstoffen. Über dieser liegt eine Fettschicht, die für eine gleichmäßige Verteilung des Tränenfilms sorgt.  Wird die Hornhaut nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit versorgt, fühlt sich das Augen weniger glatt an – viele kennen das als Fremdkörpergefühl – und die Qualität des Sehens nimmt ab.

Die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff wird durch eine Veränderung der Tränenflüssigkeit erschwert. In diesem Fall übernehmen die Blutgefäße der Bindehaut diese Aufgabe. Das passiert auch, wenn wir schlafen und sieht dann genauso aus: Die Augen sind gerötet. Durch den aufreißenden Tränenfilm kommt es zu einer Austrocknung von Horn- und Binde­haut, in deren Folge Entzündungen möglich sind.

Vielfältige Auslöser des Syndroms

Häufig treten trockene Augen im Kontext von Diabetes, Schilddrüsenleiden und chronischem Rheuma auf. Heuschnupfen und andere allergische Erkrankungen können ebenso gerötete Augen hervorrufen. Auch die Einnahme hormonell wirksamer Medikamenten kann die Tränenflüssigkeit verändern. Das betrifft Schlaftabletten, Antidepressiva, Antibabypille und Östrogentherapie, aber auch Betablocker und Antihistamin-Präparate.

Weitere mögliche Auslöser können gesundheitliche Probleme sein, die eine verminderte Lidtätigkeit nach sich ziehen, wie die Lähmung der Gesichtsnerven nach einem Schlaganfall oder Morbus Parkinson. Auch die konzentrierte Arbeit am Computerbildschirm vermindert die Frequenz des Lidschlags.

In manchen Fällen kann eine Laserbehandlung gegen Kurzsichtigkeit zu einer Schädigung der Hornhautnerven führen, in deren Folge eine verminderte Tränenproduktion entsteht. Der Mangel an Vitamin A, der den Stoffwechsel der Zellen der Augenoberfläche stark beeinträchtigt, kann ebenfalls zu einem trocken Auge führen.

Häufig haben die Ursachen trockener Augen auch mit unserer Umwelt zu tun. Das reicht von Ozon- und Abgasbelastung bis hin zu trockener Raumluft – Heizen und Kühlen entziehen der Luft Feuchtigkeit und lassen den Tränenfilm schneller verdunsten. Ohne ausreichende Belüftung oder Luftbefeuchtung ist die Heizperiode besonders belastend für unsere Augen.

Behandlung: Ursachen- und Symptombekämpfung

Die Behandlung trockener Augen beginnt mit der Suche nach deren Auslöser. Wurde die zugrunde liegende Erkrankung erkannt und erfolgreich therapiert, sollten die Symptome abklingen. Ist das nicht möglich, wird versucht, die Benetzungsstörung durch künstliche Tränenflüssigkeit zu therapieren. In den meisten Fällen sind das Augentropfen. Die Präparate variieren in Form – Salben, Gel, Spray, Tropfen – und Zusammensetzung. Welches Präparat zum Einsatz kommt, ist individuell verschieden. Ist es notwendig, ein Mittel längerfristig anzuwenden, sollte dieses frei von Konservierungsmitteln sein, da diese den Tränenfilm beeinträchtigen und zu Entzündungen führen können.

In vielen Fällen kann auch eine Lidmassage zu Verbesserungen führen. Diese unterstützt die Drüsentätigkeit und trägt zu einer verbesserten Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit bei.

Nichts ersetzt den Arztbesuch

Generell gilt, bei länger bestehenden Problemen mit trockenen Augen unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Die Austrocknung der Augen kann zu Entzündungen und diese zu irreparablen Folgeschäden führen. Man kann aber vorbeugende Maßnahmen ergreifen, wie trockene Luft durch regelmäßiges Lüften zu vermeiden. An die frische Luft zu gehen und der Verzicht auf Zigaretten wirken sich ebenso positiv aus, wie genügend Schlaf, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sowie ausgewogene Ernährung und Bewegung. Besonderes Augenmerk sollte auf die Reinigung von Lidern und Lidrändern gelegt werden. Für Menschen, die häufig Make-up tragen, gilt das umso mehr. Also aufgepasst, selbst der schönste Lidschatten kann einen rotglühenden Augapfel nicht ungesehen machen.