Ing. Filip Sienko
Optikermeister

Antwort: Mit sogenannten Nachtlinsen wird das Wirklichkeit. Nachts Linsen tragen und den ganzen Tag scharf sehen.

Stundenlange Bildschirmarbeit in Verbindung mit zu wenig Entspannung für unsere Augen sorgen für erhöhte Anforderungen, die oft eine Korrektur einer möglichen Fehlsichtigkeit notwendig machen, egal ob bei Jung oder Alt. Wer sich aus unterschiedlichen Gründen nicht mit einer Brille behelfen will, kann mit Kontaktlinsen dafür sorgen, wieder den vollen Durchblick zu bekommen. Doch worauf kommt es bei Kontaktlinsen an und ist diese Möglichkeit der Sehhilfe für alle Betroffenen eine Option?
 

Linsen tragen – aber richtig

„Ob man als Brillenträger grundsätzlich für Kontaktlinsen geeignet ist, erfährt ein Betroffener bei einer sogenannten Kontaktlinsen-Anpassung“, erklärt Ing. Filip Sienko, Optikermeister und Kontaktlinsen-Spezialist aus Wien. „Bei dieser Vermessung werden die Hornhaut, die Sehstärke und die Passung einer Linse auf der Hornhaut angeschaut und Bilder der Hornhaut erstellt. Auf denen lässt sich genau feststellen, ob das jeweilige Auge für Kontaktlinsen geeignet ist oder nicht.“ Der nächste wichtige Schritt ist laut dem Optikermeister das richtige Handling einer Kontaktlinse. Das richtige Ein- und Aussetzen der Linsen will gelernt sein, am besten unter professioneller Aufsicht. „Das Wichtigste dabei ist zu lernen, wie die Augenlider festzuhalten sind. Wenn man mit einem Fremdkörper in Richtung Auge kommt, schließen sich die Lider reflexartig. Gut so, nur für Linsenträger nicht“, scherzt Ing. Sienko. „Der erste Schritt ist zu lernen, wie die Lider richtig zu halten sind, ohne sich wehzutun. Dabei sollte man ja auch noch die Linse richtig einsetzen. Im Idealfall sollte eine Fachkraft solange mit dem Linsenträger üben, bis das richtige Handling der Linse einwandfrei sitzt.“
 

Linsen für Tag oder Nacht

Grundsätzlich gibt es laut dem Optikermeister zwei Arten von Kontaktlinsen. Harte bzw. weiche Tageslinsen und sogenannte Nachtlinsen, auch Orthokeratologie-Linsen genannt. „Harte und weiche Linsen korrigieren die Sehschwäche während des Tages, wohingegen die Orthokeratologie-Linse die Sehschwäche während des Nachtschlafs korrigiert. Im Idealfall sind dann untertags keine Sehhilfen mehr notwendig“, erklärt Ing. Sienko die Wirkungsweise der Nachtlinse. „Die Nachtlinse modifiziert während des Schlafens die Hornhaut so, dass das Auge bis auf null, das heißt auf normales Sehen, korrigiert wird. Man sollte diese Orthokeratologie-Linsen im Idealfall jede Nacht tragen, mindestens vier bis sechs Stunden lang für die beste Wirkung über den gesamten nächsten Tag.“ Für jede Fehlsichtigkeit ist eine solche Nachtlinse aber nicht geeignet. Bei Weitsichtigkeit etwa funktioniert das Verfahren laut dem Kontaktlinsen-Experten nur bedingt. „In Frage kommt eine Nachtlinse für Kurzsichtige bis -4,5 Dioptrien mit Hornhautverkrümmungen bis 2,0 Dioptrien. Unter Umständen können auch Weitsichtige korrigiert werden, aber ich persönlich bin da zur Zeit sehr vorsichtig.“

So neu ist das Prinzip der Nachtlinse gar nicht. „Erfunden wurde es schon 1964 in den USA. In den Niederlanden wird das Prinzip seit mittlerweile 20 Jahren sehr erfolgreich eingesetzt und ich arbeite damit auch schon seit 1996. Meine Erfahrungen mit den Orthokeratologie-Linsen sind durchwegs positiv. Es funktioniert sehr, sehr gut“, erklärt der Experte. Durch den regelmäßigen Einsatz der Nachtlinsen ergibt sich unter tags eine Vielzahl an Vorteilen für den vormaligen Brillen- bzw. Kontaktlinsenträger. „Bei unterschiedlichen Sportarten wie dem Schwimmen etwa muss ich mir keine Sorgen mehr um die Brille oder um meine Linsen machen. Oder ich kann den ganzen Tag vor dem Computer sitzen, ohne mir Gedanken machen zu müssen, dass die weiche Kontaktlinse austrocknet“, stellt der Optikermeister klar. Bei richtiger Handhabung sorgt die Nachtlinse wieder für vollen Durchblick. Den ganzen Tag.