Mediaplanet: Was ist Fehlsichtigkeit und welche Arten gibt es?

Dr. Michael Radda: Fehlsichtigkeit bedeutet, dass man nicht mehr so gut oder scharf sehen kann. Man unterscheidet zwischen Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit sowie Stabsichtigkeit. Die Ursache von Fehlsichtigkeit beim kurzsichtigen Auge ist, dass der Augapfel länger und die Hornhaut stärker gewölbt ist.

Beim weitsichtigen Auge ist der Augapfel kürzer und die Hornhaut flacher. Kurzsichtige Menschen sehen in der Ferne schlecht, können aber in der Nähe gut lesen – bei Weitsichtigen ist es genau umgekehrt. Stabsichtige sehen sowohl in der Nähe als auch in der Ferne unscharf. Für die Entstehung von Fehlsichtigkeit spielen Gene eine entscheidende Rolle.

 

MP: Wie wird Fehlsichtigkeit korrigiert?

M.R.: Prinzipiell wird eine Fehlsichtigkeit durch eine Brille korrigiert, wobei der Augenarzt zwischen einer subjektiven und einer objektiven Refraktionsbestimmung unterscheidet. Bei der subjektiven Brillenbestimmung bekommt der Patient etwas vorgehalten und sagt dem Arzt wie er besser sehen kann – so kann auch die Hornhautkrümmung bestimmt werden.

Bei der objektiven Brillenbestimmung werden die Augen des Patienten eingetropft und mittels einer Skiaskopie die Fehlsichtigkeit vom Augenarzt bestimmt. Sinnvoll ist so eine Untersuchung zum Beispiel bei Kleinkindern oder PatientInnen, die nicht lesen und somit keine Angaben machen können.

 

MP: Welche Optionen gibt es für PatientInnen?

M.R.: Die Brille ist nach wie vor die erste Wahl, weil sie den Vorteil hat, dass kein Fremdkörper auf das Auge aufgebracht wird. Die zweite Möglichkeit sind Kontaktlinsen. Hier kann zwischen Tageslinsen, die am Abend weggeworfen werden und Linsen mit einer längeren Tragedauer, sogenannten Monatslinsen, gewählt werden.

Kontaktlinsen sind vor allem für PatientInnen geeignet, bei denen eine Differenz von über drei Dioptrien vorliegt. Wichtig ist bei Kontaktlinsen zu erwähnen, dass es durch Missachtung der Hygienerichtlinien zu schweren Augenentzündungen kommen kann. Man sollte die Kontaktlinse nur angreifen, wenn man sich vorher die Hände gewaschen hat. Die Linse vor der Benutzung beispielsweise einfach abschlecken – ein No-Go!

 

MP: Wie sieht es mit operativen Möglichkeiten aus?

M.R.: Vor 22 Jahren habe ich als erster Chirurg in Österreich eine Laseroperation für Kurzsichtige durchgeführt. Damals bin ich – auch im Kollegenkreis – noch sehr angefeindet worden, dass die Operation zu gefährlich sei. Die Laseroperationsmethode ist mittlerweile aber eine weltweit durchgeführte und anerkannte Methode.

Das soll nicht heißen, dass sie komplett komplikationsfrei ist. Wenn die Operation aber von einem gewissenhaften Arzt und bei einem renommierten Institut durchgeführt wird, dann liegen die Komplikationen im Promille- und nicht Prozentbereich. Generell kann eine Laseroperation ab dem 20. Lebensjahr sowie bei PatientInnen, bei denen über ein Jahr die Fehlsichtigkeit stabil bleibt, durchgeführt werden.

 

MP: Welche Präventivmaßnahmen können Sie empfehlen?

M.R.: Ganz wichtig ist, dass man regelmäßig zum Augenarzt geht. Dieser untersucht schon beim Kind die Augen. Die Kurzsichtigkeit entwickelt sich meistens in der Pubertät oder auch schon früher im Volksschulalter. Weitsichtigkeit kann von Kindern durch Anstrengung des inneren Augenmuskels akkomodiert werden. Das heißt, sie merken nichts, klagen aber beispielsweise über Kopfschmerzen. Durch objektive Refraktionsbestimmung kann der Augenarzt feststellen, ob eine Weitsichtigkeit vorliegt.

Diese Bestimmungsmethode wird auch bei schielenden Kindern angewandt, um geeignete Behandlungsmöglichkeiten abzuklären – am besten nicht zu spät, sondern bereits im Vorschulalter. Weitsichtigkeit beim Kleinkind kann sich übrigens „auswachsen“ – Kurzsichtige bleiben hingegen kurzsichtig.

Erwachsene sollten vor allem zum Augenarzt gehen, weil es Erkrankungen gibt, die keine Beschwerden hervorrufen, aber gefährlich sind, wie der Grüne Star. Dieser wird nur entdeckt, wenn der Arzt den Augendruck misst. Außerdem kann man durch die Untersuchung des Augenhintergrundes beispielsweise Zuckererkrankungen oder erhöhten Blutdruck erkennen. Der Augenarzt kann also schon so einiges feststellen, das über die Augen hinausgeht.