Sie sind Teil unseres Alltags geworden, die jungen schönen Frauen mit ihren vollen Lippen und perfekten Körpern, die uns jeden Tag aus dem Fernseher und den Magazinen anlächeln und auch die nicht mehr ganz so jungen Männer, die trotzdem noch blendend aussehen, kaum Falten, aber dafür volles Haar haben. Die Stars aus dem Showbusiness leben es uns vor. Bereits seit Jahrzehnten ist es unter Schauspielern und Musikern gang und gäbe, der eigenen Schönheit mit Operationen ein wenig nachzuhelfen. In den letzten Jahren schwappte diese Entwicklung von den Schönen und Berühmten auf den Normalbürger über. Immer mehr
Österreicher legen sich unter das Messer, um ihr Aussehen zu verändern.

Unzufriedenheit mit sich selbst

Oft sind Menschen mit dem eigenen Aussehen nicht zufrieden oder wollen dem fortschreitenden Altern entgegenwirken. Dadurch erklärt sich auch die steigende Zahl der Schönheitsoperationen. Genaue Statistiken gibt es nicht, aber die österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie geht von rund 40.000 Schönheitsoperationen und Behandlungen im Jahr aus. Überhaupt Eingriffe, bei denen keine chirurgischen Maßnahmen notwendig sind, sind im Steigen begriffen. Das Aufspritzen von Falten liegt dabei an erster Stelle. Auch deshalb, weil sogenannte Permanent-Filler in Österreich verboten sind. Um den gewünschten Effekt, eine glatte Haut, beibehalten zu können, müssen also halbjährlich immer wieder Botox oder ähnliche Stoffe injiziert werden. Auch der Anteil von Männern, die Eingriffe vornehmen lassen, wird immer größer. Auch wenn die Schönheitschirurgie auf Patientenseite noch immer eine Frauendomäne ist.

Was nicht gefällt

Laut einer IMAS-Studie von 2013 haben zwölf Prozent der Österreicher generell Interesse an einer Schönheitsoperation. Acht Prozent der Frauen sind sehr bzw. einigermaßen an einer künstlichen Verschönerung interessiert. Bei den Männern sind es weniger als die Hälfte, nur drei Prozent. Auffällig ist auch, dass vor allem die Gruppe der  16- bis 29-jährigen ein gesteigertes Interesse an Schönheitschirurgie hat.
Was die Menschen in Österreich gerne an sich ändern möchten, variiert wieder nach Geschlecht. Während sich Frauen dünnere Oberschenkel und weniger Falten wünschen, halten Männer mehr Muskeln und mehr Körpergröße für erstrebenswert. Geschlechter übergreifend ist der Wunsch nach einem geringeren Körpergewicht. 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung (ab 16 Jahren) wünscht sich das.

Tabu und Depressionen

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper kann weitreichende Folgen haben. Wenn sich die Personen im eigenen Körper nicht wohl fühlen,
wirkt sich das stark auf ihr soziales Leben aus. Sie ziehen sich teilweise aus der Gesellschaft zurück und gehen immer weniger aus dem Haus. Dies kann zu einer psychischen Belastung führen, die im schlimmsten Fall in einer Depression endet. In Ausnahmefällen stellen psychische Gründe sogar die Grundlage für eine Kostenübernahme durch Krankenkassen dar.
In Österreich wird das Thema Schönheitschirurgie allerdings noch stark tabuisiert. Menschen, die sich einem solchen Eingriff unterziehen, wird oft ein krankhafter Wahn zur Perfektion oder ein zu schwaches Selbstwertgefühl unterstellt. Auf anderen Kontinenten sieht es da etwas anders aus. In Asien beispielsweise ist der Umgang mit dem Thema viel offener. Auch wenn es dort Eingriffe gibt, die für Europäer etwas seltsam wirken. So lassen sich in Japan die Menschen neue Lebenslinien in die Handflächen lasern.