Dr. Sophie Kellner-Rechberger
Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie, Facharztzentrum Votivpark Wien - Foto: Mag. Barbara Ederer, www.photosandmore.at

„Im Alter wird alles schlechter, da kann man nichts machen.“ Solche Aussagen höre ich als Augenärztin sehr oft. Meistens stimmen sie nicht.

Augenvorsorge ein Leben lang

Wer rechtzeitig und regelmäßig zu Augenvorsorgeuntersuchungen geht bzw. seine Kinder dorthin bringt, kann vermeidbare Sehbehinderung  und ihre Folgeerscheinungen wie z. B. erhöhtes Sturz- und Unfallrisiko oder Lernschwierigkeiten verhindern.
Von Geburt an schlecht sind zum Glück nur sehr wenige Augen. Wenn Fehlsichtigkeit und Schielen im Kleinst- und Kleinkindesalter entdeckt und behandelt werden, kann ein vermeintlich „schlechtes Auge“ ein sehr gutes Auge werden. Die Schwachsichtigkeit, Amblyopie genannt, ist oft vermeidbar.
Auch im Erwachsenenalter bleibt es wichtig, auf seine Augen zu schauen. Erste Anlaufstelle bei merkbarer Sehverschlechterung ist oft der Optiker, dem eine bedeutsame Aufgabe zufällt. Denn seriöse Optiker machen ihre Kunden auf die wichtige Vorsorge-untersuchung aufmerksam und schicken sie umgehend zum Arzt, wenn Verdacht auf  eine Augenerkrankung besteht. Denn nur der Augenarzt kann mithilfe verschiedener Untersuchungen eine oft schleichend auftretende Erkrankung erkennen und rechtzeitig therapieren. Eine gute zentrale Sehschärfe allein schließt ein fortschreitendes Augenleiden leider nicht aus.
 

Der stille Dieb des Augenlichts

Das Glaukom (der grüne Star) wird nicht zu Unrecht „der stille Dieb des Augenlichts“ genannt. Ein zu hoher Augendruck oder zu niedriger Durchblutungsdruck des Sehnervs lässt das Sehen langsam, aber unwiederbringlich schwinden - und zwar schmerzlos. Meistens wäre das einfach durch die simple Verwendung von drucksenkenden Augentropfen zu verhindern. Leider wissen die wenigsten Menschen darüber Bescheid. Hier warten auf die Entscheidungsträger im Gesundheitswesen noch große Herausforderungen.

 

„Die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung hilft, Erkrankungen früh zu erkennen und schlimme Verläufe zu verhindern.“


Der grüne Star wird noch immer allzu oft mit dem grauen Star (Katarakt), einer zunehmenden Trübung der Augenlinse verwechselt.  Dieser Star ist operativ zu heilen und das verlorene Sehvermögen kann zurückgewonnen werden. Wer allerdings wartet, bis der graue Star „reif“ ist, also die Trübung die Linse so hart wie Stein hat werden lassen, riskiert ein höheres Komplikationsrisiko bei der Operation und jahrelang ein unnötig erhöhtes Sturz- und Unfallrisiko. So mancher Schenkelhalsbruch hätte bei klarer Sicht nicht passieren müssen.

Unter Umständen ist auch nicht nur der eine oder andere „Star“ an der abnehmenden Sehleistung schuld. Auch eine Makuladegeneration ist jedoch heutzutage kein unabwendbares Schicksal mehr.  Die regelmäßige  Vorsorgeuntersuchung hilft, schlimme Verläufe zu verhindern und moderne Therapien können die Sehkraft  lange erhalten.
 

Sehbehinderung macht abhängig

Sehbehinderung macht nicht nur abhängig und einsam, sondern bringt auch Folgekrankheiten mit sich. Viele sonst gesunde Menschen müssen deshalb in Invaliditätspension gehen, ihre Lebensgewohnheiten, z.B. das Autofahren, aufgeben und sind viel zu früh auf fremde Hilfe angewiesen. Das kostet auch die Allgemeinheit viel Geld.

Es ist in unser aller Interesse, dass Menschen auf ihre Augen schauen. Dem Busfahrer, der die Kinder zur Schule bringt, dem LKW-Fahrer, der neben uns auf der Autobahn fährt, den Passanten, die die Straße vor uns queren .....Wir wünschen ihnen und uns ein gutes Sehvermögen.