Herr Dr. Jirak, kann man Altersweitsichtigkeit vorbeugen?

Nein, leider nicht. Das Eintreten der Alterssichtigkeit ist ein natürlicher Prozess, der eigentlich bereits bei der Geburt beginnt und sich meist ab ca. dem 45. Lebensjahr bemerkbar macht. Es kommt im Lauf der Zeit zu einem Verlust der Linsenelastizität. Ist die Linse nicht mehr verformbar, kann auch keine Anpassung des Auges auf die Nähe mehr erfolgen. Anfangs kann man sich noch behelfen, indem man Schriftstücke ein wenig weiter weghält. Irgendwann wird aber der Arm zu kurz und eine Lesebrille notwendig.

 

Schwächt die vermehrte Bildschirmarbeit im Alltag unsere Augen oder passen sich diese der Belastung an?

Bis zu einem gewissen Grad passen sich die Augen der Belastung an. Dennoch kann vermehrte Bildschirmarbeit zur Ermüdung der Augen führen und Symptome eines trockenen Auges verschlechtern. Ein optimaler Fehlsichtigkeitsausgleich, Bildschirmpausen, bewusstes Blinzeln und ein gut angepasster Arbeitsplatz können hier helfen. Auf die Entwicklung der Alterssichtigkeit hat dies jedoch keinen Einfluss.

 

Welche Möglichkeiten gibt es zur Behandlung von Presbyopie? 

Die einfachste Möglichkeit zur Korrektur ist eine Lesebrille. Auch Gleitsichtbrillen und -kontaktlinsen kommen häufig zum Einsatz, dauerhafte Lösungen bieten jedoch nur chirurgische Eingriffe. Die Möglichkeiten sind in den letzten Jahren enorm gewachsen und reichen von Laserverfahren bis hin zu Inlays, die direkt in die Hornhaut platziert werden, und Linsenimplantaten. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, ist individuell von Patient zu Patient verschieden und muss in genauen Voruntersuchungen bestimmt werden. 

 

Welche Vorteile haben chirurgische Eingriffe, wie zum Beispiel das Einsetzen von permanenten Linsen direkt in das Auge?

Ganz besonders erfolgsversprechend ist die Implantation einer torischen Multifokallinse. Ähnlich wie bei der Operation des Grauen Stars wird hier eine spezielle Linse ins Auge eingesetzt, die nicht nur die Fehlsichtigkeit, sondern auch die Hornhautverkrümmung ausgleicht und gleichzeitig die Alterssichtigkeit korrigieren kann. In sehr vielen Fällen kann so eine komplette Brillenund Kontaktlinsenunabhängigkeit erzielt werden. Lediglich bei sehr anspruchsvollen Tätigkeiten, bei wenig Licht, etc. kann unter Umständen eine Ergänzungsbrille notwendig sein. Die implantierte Kunstlinse ist im Auge nicht zu spüren, die Beschwerden nach der OP sind gering und nur von kurzer Dauer. Auch die Heilungsphase ist kurz und das gewünschte Ergebnis stellt sich rasch ein. 

 

Wann empfehlen Sie chirurgische Eingriffe zur Behebung einer Sehschwäche?

Immer dann, wenn ein Patient eine OP wünscht und die Voraussetzungen für eine sichere Operation erfüllt! Niemand lässt sich operieren, wenn er keine Probleme hat. Ein chirurgischer Eingriff muss, trotz der sehr guten Ergebnisse und der geringen Komplikationsrate, sorgfältig geplant und überlegt werden – denn ein sicheres und präzises Ergebnis ist nur durch eine umfassende und genaue Voruntersuchung gewährleistet. Deswegen ist ein ausführliches, persönliches Gespräch sehr wichtig, um dem Patienten das gewählte Verfahren mit allen Vor und Nachteilen verständlich zu machen.