Dr. Walter Gutstein MSc
Optometrist & Augenoptiker-meister

Nicht nur die Sonne strahlt blaues Licht aus, sondern auch moderne Technik wie Bildschirme, Smartphone-Displays oder Fernseher. „Mittels speziellen Brillengläsern kann man die davon möglicherweise ausgehende Gefahr deutlich minimieren“, erklärt Dr. Walter Gutstein, Optometrist in Wien.

Unser Spektrum des sichtbaren Lichts geht von Blau über Grün über Gelb bis Rot, daraus mischen sich alle Farben. Im Auge gibt es drei Farbrezeptoren, die für die Farbauflösung wichtig sind. Nebst den Rezeptoren für das lang- und mittelwellige Licht (Rot und Grün), ist der Blau-Gelb-Rezeptor für das kurzwellige Licht zuständig. „Wir wissen, dass bei Beeinträchtigungen an der Netzhaut immer der Blaurezeptor als erster betroffen ist. Leider ist das aber auch der Rezeptor, der bei einiger Schädigung die meiste Beeinträchtigung mit sich bringt, da er nicht nur Blau und Gelb anzeigt, sondern auch den Kontrast reguliert“, erklärt Dr. Gutstein und ergänzt, dass sich Schäden an diesen Rezeptoren viel stärker bemerkbar machen, weil wir im Vergleich zu den anderen davon die wenigsten haben.
Schädigungen an der Netzhaut haben aber auch Folgen für die benachbarten Zellen. „Die kaputten Zellen sondern toxische Stoffe ab, welche dann kaskadenartig auch die umliegenden Zellen beeinträchtigen. In der Netzhaut sitzen nicht nur die Rezeptoren, sondern auch das erste, zweite und dritte Neuron, welche für die Bildverarbeitung wichtig sind“. In der Folge werden die Informationen schlechter in Parallelverarbeitung  zum Cortex weitergeleitet, was eine Sehverschlechterung zur Folge hat.
 

Risiko durch moderne Geräte

Das blaue Licht teilt sich in einen hochenergetischen blauvioletten Anteil um bis 435 nm, dieser Frequenzbereich ist für die Netzhautzellen am schädlichsten. In jedem Computermonitor, jeder LED-Leuchte oder Smartphone-Displays ist das Blaulicht vorhanden. „Das ist ein Risikofaktor“, sagt Dr. Gutstein und relativiert: “Nicht jeder, der raucht, kriegt auch Lungenkrebs. Natürlich ist die Sonne viel licht-intensiver als beispielsweise ein Monitor, aber über die Lebensdauer kumuliert sich das Risiko und kann eine Schädigung hervorrufen. In Studien wurde zudem festgestellt, dass das hochenergetische blaue Licht ein Risikofaktor für altersbedingte Makuladegeneration ist, welche die Hauptursache für die Erblindung von Menschen über 50 Jahren in der westlichen Welt ist. Eine einfache und gute Strategie wäre, das blaue Licht wegzufiltern, um die Rezeptoren zu schützen. „Das blaue Licht benötigen wir aber für den Tag-Nacht-Rhythmus und die Pupillensteuerung. Die Augen wären dann besser geschützt, aber als Folge hätte der Betroffene eine Art permanenten Jetlag“, erklärt Dr. Gutstein. Brillenglas-Hersteller haben deswegen Technologien entwickelt, welche das blaue Licht nur selektiv wegfiltern.
 

Schutz durch Brillenglas

„In der Optometrie ist es wichtig, das Sehen so lange wie möglich zu erhalten“, erklärt Dr. Gutstein. Je früher man sich zu schützen beginnt, desto besser. Verschiedene Hersteller von Brillengläsern filtern das Blaulicht in verschiedenen Stufen, diese Blocker werden in die Entspiegelungsschicht von Gläsern eingebaut. Für Kontaktlinsen-Träger gibt es noch keine eingebauten Lösungen, es ist jedoch gut möglich, dass auch Kontaktlinsenhersteller in naher Zukunft solche Linsen anbieten werden. Zusätzlich sei es natürlich von Vorteil, wenn die Kunststoffgläser auch über einen UV-Schutz verfügten, was bei einem Brechungsindex über 1.5 der Fall sei. Zudem sollte man besonders Kinderaugen vor UV- und kurzwelligem Licht schützen. Das Auge befindet sich in den ersten beiden Lebensdekaden noch in Entwicklung und lässt viel mehr schädliches Licht zur Netzhaut durchdringen. „Kinder verbringen immer früher und längere Zeiten am Computer und Smartphones. Deshalb ist es in jungen Jahren besonders wichtig, die Augen angemessen zu schützen.“