Dr. Edvin Turkof
Universitäts-Professor, Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie

Richtlinien für Plastische Chirurgen

Schon einige Monate davor hatte die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie ethische Richtlinien herausgegeben, um den medialen Wildwuchs und den für unsere Fachgruppe rufschädigenden, z.T. hemmungslos kommerziell orientierten Handlungsweisen einiger Kollegen entgegen zu treten. Unter anderem wurden markschreierische Selbstdarstellungen und Verlosungen von Operationen für inakzeptabel erklärt. Da es sich jedoch nur um Richtlinien handelt, würde Zuwiderhandelnden ‚höchstens’ der Ausschluss aus der Gesellschaft drohen.

Minister Stöger ging da viel weiter: er forderte ein klares Gesetz dafür, welcher Facharzt was machen darf. Bis auf einige Ausnahmen sollen ästhetische Eingriffe den Plastischen Chirurgen vorbehalten bleiben. Der ratsuchende Patient braucht sich dann nicht mehr fragen, ob sein Arzt auch wirklich die entsprechende fachliche Voraussetzung erfüllt.

Aufklärung und Information des Patienten

Weiters muss die Patientenaufklärung optimiert werden, meinte Stöger. Aber auch diese Forderung ist nicht neu: wir Plastische Chirurgen müssen schon seit vielen Jahren der Patienteninformation besondere Beachtung schenken. Jedes noch so unwahrscheinliche Problem, jede noch so seltene Komplikation muss dem Patienten vor dem Eingriff mitgeteilt werden, weil der Eingriff medizinisch nicht notwendig ist. So kann der Ratsuchende auf eine unrealistische Erwartungshaltung hingewiesen und unliebsame Überraschungen werden vermieden.

Ratgeber-Serie "Enzyklopaedia Aesthetica"

Aber auch in Sachen Patientenaufklärung wurde schon vor dem des Vorstoß des Ministers eine Initiative gesetzt: die ‚Enzyklopaedia Aesthetica’. Unter dem Motto ‚wichtig zu wissen’ haben wir in 3 Jahren 13 Bücher verfasst. Diese Serie gilt weltweit als der umfassendste Patientenratgeber auf dem Gebiet der Ästhetischen Chirurgie. In jedem Band (100-160 Seiten) wird jeweils nur ein (oder 2) Eingriff(e) beschrieben, wobei verschiedene OP-Methoden, Ihre Machbarkeit, alle Risken und mögliche Nebenwirkungen genau erklärt werden. OP-Skizzen und unverfälschte Vorher-Nachher-Bilder zeigen die aktuellen Operationstechniken und mögliche Behandlungsergebnisse. Damit unterscheidet sich diese Ratgeber-Serie grundlegend von allen anderen bislang erschienen Büchern, wo immer mehrere (alle) ästhetischen Eingriffe in gekürzter Form gemeinsam beschrieben werden und daher in Bezug auf einen bestimmten Eingriff niemals ausführlich genug sein können. Und da sich statistisch 92% aller ästhetisch-chirurgischen PatientInnen in ihrem Leben nur 1x operieren lassen, sind etwa 95% des Inhalts der anderen Ratgeber für den Leser vollkommen uninteressant...

Anspruchsvolle Lektüre versus plakative Darstellung in den Medien

Für Österreichs Ratsuchende in Sachen Ästhetische Chirurgie war dieses Werk natürlich ein Novum, es unterscheidet sich doch sehr deutlich von den bislang bekannten Informationsquellen wie Fernsehen oder Boulevardpresse. Der Patient wird angehalten, Verantwortung zu übernehmen und für seine Operation den Aufwand einer aufmerksamen Lektüre auf sich zu nehmen. Es ist eben nicht das gleiche, im Fernsehen eine plakative Selbstdarstellung zu verfolgen oder sich einer kritisch dargestellten, anspruchsvollen Materie zu widmen.

Umdenken benötigt Zeit – von Juli 2008 bis Dezember 2010 wurden nur knapp 2500 Bücher verkauft, und mit Dezember 2011, also nur ein Jahr später, überschritten wir die 10 000er Marke! Offenbar folgen die Patienten der Trendwende…