Die Erkrankung beginnt oft schleichend, Zeichen wie Müdigkeit und grippeartige Symptome stehen oft am Anfang. Schreitet sie fort, kommt es zum Auftreten von oft lebensbedrohlichen Infektionen und Blutungen. Die Diagnose wird über eine Blutbild- und Knochenmarkuntersuchung an einem spezialisierten Zentrum gestellt. In der großen Mehrzahl der PatientInnen mit akuter Leukämie lassen sich keine spezifischen Ursachen erkennen.

Verschiedene Arten

Akute Leukämien werden in lymphatische und myeloische Formen eingeteilt (ALL, akute lymphatische Leukämie; AML, akute myeloische Leukämie), je nachdem, von welchen Vorläuferzellen des Knochenmarks sich die Erkrankung entwickelt. In jedem Fall kommt es zu ausgeprägten Umbauvorgängen des genetischen Apparates, wobei Veränderungen der Chromosomen als auch einzelner Gene („Mutationen“) beobachtet werden.

Diese genetischen Veränderungen dienen uns einerseits dazu, bestimmte Untergruppen von akuten Leukämien exakt zu definieren, andererseits sind sie wesentliche Parameter der Risikostratifizierung wie auch Therapieplanung geworden. So werden sowohl bei ALL als auch bei AML Niedrigrisiko- von Hochrisikoformen unterschieden, die unterschiedliche Therapiekonzepte zur Folge haben.

Forschung der letzten Jahre hat überdies gezeigt, dass mit neuen, hochsensitiven Analysemethoden diese genetischen Veränderungen sehr gut zur Verlaufskontrolle herangezogen werden können. Mit einer Sensitivität von bis zu 0,1 Prozent (d.h. Nachweis einer einzigen Leukämiezelle unter 1000 gesunden Zellen) kann minimale Resterkrankung nachgewiesen werden, die Auswirkungen auf Prognose und gegebenenfalls Therapie hat.  

Bessere Aussichten

Bis vor wenigen Jahrzehnten hat es keine wirksame Therapie gegen akute Leukämie gegeben, das Überleben der PatientInnen betrug oft nur wenige Monate. Nunmehr gilt es, zuallererst gemeinsam mit PatientIn und Angehörigen das Therapieziel festzulegen.

Hier unterscheiden wir zwischen einer potenziell kurativen Therapie (eine Heilung ist prinzipiell möglich), einer nicht-intensiven Therapie (Zurückdrängen der Erkrankung, Besserung von Symptomen, evtl. Verlängerung der Lebenszeit) und „best supportive care“ (unterstützende Therapie zur Verbesserung des Allgemeinzustandes).

Die Säulen der intensiven Therapie sind nach wie vor die Chemotherapie, wobei in vielen Fällen die Stammzelltransplantation mit verwandten und unverwandten Knochenmark-/Stammzell-Spendern zum Einsatz gelangt. Mit Hilfe dieses Ansatzes sind Heilungsraten bis zu 50 Prozent bei PatientInnen mit akuter Leukämie möglich, in manchen Subgruppen sogar bis über 90 Prozent (z.B. akute Promyelozytenleukämie).

Aktuelle Therapieformen

Neue Entwicklungen zielen darauf ab, gegen leukämiespezifische, genetische Veränderungen Medikamente zu entwickeln, die im Allgemeinen mit der Chemotherapie kombiniert werden und zu noch besseren Überlebens-/Heilungsraten führen. Ein Beispiel ist das Molekül „Midostaurin“, dass gegen eine AML-spezifische Aberration gerichtet ist („FLT3-Mutation“) und das mediane Überleben von PatientInnen mit dieser Leukämieform von 25 Prozent auf 75 Prozent gesteigert hat.

Auch die Immuntherapie akuter Leukämien hat bereits Erfolge gezeigt. So konnte mittels des Antikörpers „Blinatumomab“, der Leukämiezellen mit jenen des Immunsystems zusammenführt, eine hohe Remission bei Rückfällen von ALL verzeichnet werden.

Aber auch für ältere PatientInnen, die nicht mehr für intensive Strategien tauglich sind, wurden neue Therapieformen entwickelt. „Hypomethylierende Substanzen“, wie Azacitidin oder Decitabine, können ambulant verabreicht werden, weisen wenige Nebenwirkungen auf und führen gehäuft zu ausgezeichneter Remission, die oft jahrelang mit gutem Allgemeinzustand der PatientInnen einhergeht.

Klärung der Ursache

Zusammenfassend zeigen sich auf dem Gebiet akuter Leukämien ausgezeichnete Fortschritte. Grundlage dafür war die Aufklärung des „Leukämie-Genoms“ innerhalb des letzten Jahrzehnts. Deren Erkenntnisse werden nun in Form von personalisierter Medizin in effektivere Therapiestrategien übersetzt, was zu höheren Remissionen, besserer Lebensqualität und verlängertem Überleben führen wird.