Wieso ist ein intensives Beratungsgespräch vor einer Schönheitsoperation so wichtig?

Ästhetische Chirurgie ist absolute Maßarbeit. Das Aufklärungsgespräch für eine Operation sollte mindestens 30 Minuten betragen. Es muss ja ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Nur wenn ich die genauen Vorstellungen und Motive kenne, kann ich für die Patienten die richtige Behandlung finden. Individuelle Wünsche und medizinische Machbarkeit gehen leider manchmal weit auseinander. Auch muss für mich klar erkennbar sein, dass lange genug über den Eingriff nachgedacht wurde und dass kein Druck vom Partner ausgeübt wird. Ebenso muss das gesundheitliche Risiko bei chirurgischen Eingriffen ausreichend abgeklärt werden.

In Österreich werden etwa 40.000 Schönheitsbehandlungen pro Jahr durchgeführt. Gibt es tatsächlich einen Boom in der Schönheitschirurgie?

Die Zahl der Schönheitsbehandlungen steigt weltweit um etwa elf Prozent pro Jahr. Auch in Österreich ist ein kosmetischer Eingriff kein Tabu mehr. Das Bedürfnis nach Schönheit ist so alt wie die Menschheit selbst. Heute gibt es eben sehr viele und auch schonende Behandlungsmöglichkeiten. Das ist verlockend. Umso mehr liegt hier eine große Verantwortung bei den Fachärzten für Plastische Chirurgie sowohl in der Aufklärung als auch bei der fachgerechten Durchführung und Nachbehandlung.

Was sagen Sie zu dem neuen Gesetz für Ästhetische Operationen, das seit Jänner 2013 in Kraft ist?

Das unterstütze ich persönlich voll und ganz. Jetzt dürfen Operationen, die aus rein ästhetischen Gründen vorgenommen werden, nur mehr von Fachärzten für Plastische Chirurgie bzw. Fachärzten, die auf die OP-Region spezialisiert sind, vorgenommen werden. Auch Bezeichnungen wie Beauty-Doc sind verboten, ebenso wie marktschreierische Werbung für ästhetische Eingriffe. Zwischen Aufklärungsgespräch und OP müssen mindestens 2 Wochen liegen. All das dient der Qualitätsverbesserung und der Sicherheit unserer PatientInnen.

Was wünschen sich PatientInnen?

Die Meisten wünschen sich eine Optimierung ihres Aussehens und natürliche Ergebnisse, eine verbesserte Optik ohne operiert auszusehen – das ist die große Herausforderung. Es kommt in meiner Ordination kaum vor, dass jemand eine kosmetische Operation wünscht, wenn derjenige nicht wirklich unter seinem Aussehen leidet. Oft liegen auch körperliche Beschwerden vor, wie zum Beispiel Rückenbeschwerden bei zu großer Brust oder Sichteinschränkungen bei einem Hautoberschuss am Oberlid. Auch ein psychischer Leidensdruck, der das tägliche Leben beeinträchtigt ist eine medizinische Indikation. Nicht zu vergessen angeborene Abweichungen wie asymmetrische Brüste, ausgeprägte Fettdepots bei sonst schlanken Frauen oder abstehende Ohren, stellen die häufigsten medizinischen Gründe dar.

Welche Operationen und Behandlungen liegen im Trend?

PatientInnen möchten natürlich, frisch und gesund aussehen. Überkorrekturen wirken lächerlich. Behandlungen mit Botox und Faltenfillern sind sehr gefragt, haben aber ihre Grenzen. Ich führe sehr viele Operationen ambulant und in örtlicher Betäubung durch, wie Oberlidkorrekturen oder Miniliftings. Damit kann man einen erstaunlichen Effekt mit relativ wenig Aufwand erzielen. Auch in örtlicher Betäubung sind Fettabsaugungen oder Korrekturen der inneren Labien möglich. Brustvergrößerungen und -verkleinerungen werden in Narkose stationär durchgeführt. Relativ neu ist die Auffüllung der Brust mit Eigenfettgewebe. Damit kann die Brust dauerhaft und ganz natürlich optimiert werden.

Was bekommt man von den PatientInnen zurück?

Die größte Belohnung ist für mich das positive Feedback meiner PatientInnen. Ich helfe Menschen, die stark unter einem körperlichen Makel leiden, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen. Das gibt ihnen mehr Selbstvertrauen und damit Lebensqualität.