• Primaria Dr. Sylvia Hartl
  • Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl
  • Dr. Arschang Valipour
Prim. Ass.- Prof. Dr. Sylvia Hartl, Leiterin der 2. Lungenabteilung und der LEAD Studie der Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Interview

Im Rahmen einer großen ganzheitlichen Langzeitstudie zur österreichischen Lungengesundheit untersucht Primaria Dr. Sylvia Hartl zusammen mit ihren Kollegen auch Ursachen und Hintergründe für die immer häufiger werdende COPD. Dabei wurde unter anderem ersichtlich, dass COPD bereits in deutlich jüngeren Jahren beginnt als bislang angenommen.

Wie häufig ist COPD in Österreich?

Wir haben aufgrund der österreichischen Gesundheitsstudie LEAD (steht für Lunge, Heart, Social, Body) festgestellt, dass ungefähr 5 Prozent der Bevölkerung über alle Altersgruppen hinweg an COPD leiden. Wobei darin die schweren stationären Fälle nicht inkludiert sind, d.h. es könnte eine geringfügig höhere Anzahl sein.

Was können die wichtigsten Auslöser einer COPD sein?

Wir sehen mittlerweile, dass auch schon wesentlich jüngere Menschen als bislang angenommen, an schweren Lungeneinschränkungen leiden. Das kann aus der Kindheit resultieren, mit Rauchen in der Schwangerschaft oder später selbst sowie anderen inhalativen Schadstoffen, wie etwa Diesel zusammenhängen. Aber auch berufliche Expositionen können die Lunge schädigen.

Wissen viele PatientInnen vielleicht gar nicht, dass es COPD gibt bzw. dass sie daran leiden könnten?

Wie wir auch in der LEAD-Untersuchung herausgefunden haben, ignorieren viele aufgrund der noch relativ gut vorhandenen Lungenkapazität lange Zeit Symptome wie Husten, Auswurf oder gelegentliche Atemnot. Das ist ein Schwachpunkt! Es ist an der Zeit, dass wir mehr aufklären und alles daran setzen, dass Menschen regelhaft behandelt werden und zu einer Änderung ihres Lebensstils kommen.

Damit meine ich nicht nur die medikamentöse Therapie, sondern etwa auch mit dem Rauchen aufzuhören oder eine Berufsberatung anzubieten.

Welchen Einfluss hat die LEAD-Studie in diesem Aufklärungsprozess?

Einen sehr großen, weil wir das erste Mal eine Bevölkerungsprobe so genau untersucht haben. Wir interessieren uns dafür, ein Risikoprofil herauszuarbeiten und dementsprechend Empfehlungen an behandelnde Ärzte und Gesundheitsbehörden abzugeben.

Prim.Univ.Prof.Dr. Wolfgang Pohl, Abteilungsvorstand, Abteilung für Atmungs- und Lungenkrankheiten Krankenhaus Hietzing, Karl Landsteiner Institut für experimentelle und klinische Pneumologie

Interview

Chronischer Husten, Kurzatmigkeit, Atemnot. Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl erklärt im Interview, auf welche Warnsignale Menschen hinsichtlich einer möglichen COPD hören sollten. Darüber hinaus erläutert er, welchen Einfluss und welche Einwirkung die kleinen Atemwege auf den Krankheits- und Therapieverlauf haben.

Was sind Anzeichen für eine COPD?

PatientInnen berichten, dass sie über einen längeren Zeitraum an Husten sowie in weiterer Folge auch an Kurzatmigkeit leiden. Vor allem bei Rauchern sind das Warnsignale, dass eine Behinderung des Atemflusses besteht und PatientInnen dementsprechend auf eine COPD abgeklärt werden müssen.

Wie sieht ein typischer Krankheitsverlauf aus?

Da COPD einen schleichenden Krankheitsverlauf hat, wird dieser von PatientInnen oftmals nicht als solcher wahrgenommen. Sie haben vielleicht noch eine normale Lungenfunktion, aber in Hinsicht auf die Belastbarkeit gibt es bereits Defizite. Wichtig ist, dass eine Nikotinanamnese durchgeführt wird. Mit dem Rauchen aufzuhören, wäre dann bereits eine erste Behandlungsmaßnahme.

Im weiteren Verlauf einer COPD kommt es zur Verschlechterung der Lungenfunktion, wobei die Atemnot im täglichen Leben in den Vordergrund rückt. Dies wiederum führt zu einer Einschränkung im Aktivitätsradius im Alltag. Und im schlimmsten Fall kommt es schließlich bei PatientInnen bereits im Ruhezustand zu Atemnot.

Welche Bedeutung haben die kleinen Atemwege bei COPD?

Wie bei allen Atemwegserkrankungen leisten die kleinen Atemwege einen wesentlichen Beitrag in der Entstehung. Damit sind sie auch Wegbereiter im Fortschreiten einer Erkrankung in die größeren Atemwege. Ist ein anhaltender Entzündungsprozess nachzuweisen, löst dieser irreversible Veränderungen aus.

Bei der COPD werden bei einer zielgerichteten Therapie Substanzen in einer entsprechenden Partikelgröße in den kleinen Atemwegen deponiert und führen so zu einer Verbesserung der entzündlichen Veränderungen. Es ist nachgewiesen, dass extrafeine Formulierungen hier sicherlich einen Vorteil gegenüber anderen Inhalatoren haben.

Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Leitender Oberarzt an der I. Internen Lungenabteilung im Otto-Wagner-Spital

Interview

Lungenkrankheiten sind weltweit auf dem Vormarsch und gehören zum Fachgebiet von Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour. Im Interview spricht er über die verschiedenen Therapieformen bei COPD, worum es sich genau bei Exazerbationen handelt, und weshalb es so wichtig ist, diesen möglichst effektiv vorzubeugen.

Welche sind die wichtigsten Säulen bei einer COPD-Therapie?

Da Rauchen die häufigste COPD-Ursache ist, ist die Rauchabstinenz eine ganz wichtige Säule. Eine weitere entscheidende Säule ist die medikamentöse, inhalative Behandlung mit sogenannten Bronchodilatatoren, welche die Bronchien erweitern und anti-inflammatorischen Medikamenten, welche die Entzündung der Bronchien behandeln.

Oftmals ist eine Kombination dieser Medikamente notwendig. Die dritte Säule besteht aus körperlicher Aktivität und Lungenrehabilitation zur Steigerung der Leistungsfähigkeit. Bei fortgeschrittener Erkrankung und Verschlechterung kommen weitere Behandlungsformen wie Beatmungstherapie, Sauerstofftherapie und/oder operative Maßnahmen zur Anwendung.

Worum handelt es sich bei Exazerbationen?

Exazerbationen sind periodisch auftretende, meist mit Infekten verbundene akute Verschlechterungen der COPD, eine Art COPD-Attacke. Es kommt zu einem Anschwellen der Atemwege und die Bronchien produzieren mehr Schleim. PatientInnen bekommen schwer Luft und können sich oft gar nicht mehr bewegen.

Da ist eine akute Therapie erforderlich. Bei einer schweren COPD können Exazerbationen zwei bis drei Mal pro Jahr auftreten, bei einer leichten COPD seltener. Exazerbationen sind gefährlich, weil sie zu einer Verschlechterung führen, COPD weiter vorantreiben, die Lungenfunktion verschlechtern und die Mortalität erhöhen.

Wie kann man dem vorbeugen?

Neben der geregelten, täglichen Einnahme der verordneten Medikamente sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und körperliche Aktivität ganz entscheidend. Auch Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken helfen dabei, das Risiko für Exazerbationen zu verringern. PatientInnen müssen auch darauf geschult sein, den Inhalator richtig zu verwenden, denn man kann beim Inhalieren viel falsch machen.