OMR Dr. Helga Azem
Präsidentin der Österreichischen Ophtalmologischen Gesellschaft – die Vereinigung der österreichischen Gesellschaft

Die Augen brennen und sind gerötet, verklebte Lider nach dem Aufstehen und das permanente Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben wirken sich negativ auf das Wohlbefinden aus?

Dann wird es höchste Zeit, einen Augenarzt aufzusuchen, denn trockene Augen könnten das Problem sein.

Dazu OMR Dr. Helga Azem, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft: „Beim Krankheitsbild des trockenen Auges handelt es sich meist nicht um zu wenig Tränenflüssigkeit, sondern um eine gestörte Zusammensetzung des Tränenfilms. Diese führt in weiterer Folge zu einer Benetzungsstörung der Augenoberfläche, der Hornhaut und der Bindehaut. Daraus resultiert das Missempfinden des trockenen Auges, das der Patient verspürt.“ 

 

Das trockene Auge ist hausgemacht

Das Krankheitsbild des trockenen Auges ist zu einem großen Teil eine klassische Zivilisationskrankheit und vielfach hausgemacht. „Als Ursachen für diese gestörte Zusammensetzung des Tränenfilms sind viele zu nennen. Neben Allgemeinerkrankungen können die Einnahme verschiedenster Medikamente wie Psychopharmaka oder Blutdrucksenker, hormonelle Ursachen wie Stresshormone und Umweltfaktoren wie zu trockenes Raumklima oder zu starke Beleuchtung ihren Teil dazu beitragen. Durch die vermehrte Arbeit an Bildschirmen nimmt auch die Lidschlagfrequenz deutlich ab und der Tränenfilm wird nicht oft genug erneuert.“, erklärt Dr. Azem.

 

„Das Krankheitsbild des trockenen Auges ist zu einem großen Teil eine klassische Zivilisationskrankheit und vielfach hausgemacht.”

 

Zu feucht und doch trocken

Trockene Augen müssen nicht immer trocken sein. Laut Dr. Azem leiden zahlreiche Patienten unter stark tränenden Augen. „Die Diagnose des trockenen Auges kommt für Patienten mit stark tränenden Augen natürlich oft sehr überraschend. Da taucht schnell die Frage auf, wie ein trockenes Auge tränen kann.“, so die Expertin. „Wenn der Tränenfilm nicht genügend Fett- und Schleimstoffe enthält,  sondern vornehmlich aus Wasser besteht, ist die Hornhautoberfläche nicht gut genug geschützt. Dadurch wird immer mehr wasserhaltige Tränenflüssigkeit produziert, die aber wieder nicht haftet, am Auge abrinnt und somit die Hornhaut nicht genug benetzt.“ Ein Teufelskreis, der vom Fachmann behandelt werden sollte.  

 

Ab zum Augenarzt 

Denn bleibt das trockene Auge unbehandelt, kann es zu Schäden an der Hornhaut und daraufhin zu Sehbeeinträchtigungen kommen. Wichtig ist eine genaue Untersuchung der Augen durch einen Augenarzt, der dann auch feststellen wird, welche Therapieoption für den jeweiligen Patienten optimal geeignet ist. Dazu Dr. Azem: „Je nach Schweregrad der Symptome und eventuell bereits erfolgter Schäden sind mehrere Optionen denkbar. Als Therapie bei einer Benetzungsstörung ist die Förderung der Benetzung natürlich erste Wahl. Dabei werden künstliche Tränenersatzmittel verwendet. Sehr häufig ist jedoch auch die Kombination mit entzündungshemmender Therapie notwendig, um eine etwaige Begleitentzündung auch zu versorgen.“ 

Laut der Expertin ist es auch wichtig, darauf zu achten, dass die verwendeten Augentropfen keine Konservierungsstoffe beinhalten. „Das regelmäßige Anwenden von Tränenersatztropfen mit Konservierungsmitteln fördert wiederum eine schlechte Zusammensetzung des Tränenfilms.“, stellt die Augenärztin klar.